Menschen entsorgen Unrat in der Landschaft: Geldstrafe droht

Mülleimer Natur

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Zufällige „Müll-Begegnungen“ bei einer Fahrradtour rund um Rotenburg. -

Rotenburg - Von Wieland Bonath. So sehen die „Geschenke“ mancher Menschen an die Natur aus: ein Plastiksack mit Abfall in einem Bach, akkurat gestapelte, abgefahrene Autoreifen am Rand des Weges, Plastikbecher und Kunststoffbesteck im Wald, nicht weit davon entfernt ein verrosteter Fahrradrahmen, und etwa einen Kilometer weiter eine blaue Plastiktonne.

Das ist nur ein Teil der traurigen Ausbeute einer Sieben-Kilometer-Fahrradtour durch die schöne Umgebung der Kreisstadt Rotenburg. Schön? Ja, wenn es die zunehmende Vermüllung der Natur nicht gäbe. Ein Phänomen, von dem kaum ein Dorf, keine Stadt, kein Land verschont ist und das auch die Meere zunehmend verseucht. Plastik von Menschen, achtlos weggeworfen und vielfach über die Nahrungskette in unzählige Haushalte zurückgekehrt. Und dabei genügt es schon, im Landkreis zu bleiben und im Müll zu stochern. Gert Engelhardt, Leiter des Amtes für Wasserwirtschaft und Straßenbau, hat seit 29 Jahren mit dem Problem zu tun. Er kann sich bis heute nicht erklären, was Bürger immer wieder dazu treibt, Müll und Abfall an verbotenen Stellen einfach wegzuwerfen.

Engelhardt: „Mit unseren Dienstleistungen in der Abfallwirtschaft sind wir zwar nicht die Billigsten aber mit Sicherheit auch nicht die Teuersten. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die die Natur auf Kosten der Allgemeinheit missbrauchen.“ Immerhin setze es einiges an Energie voraus, vorsätzlich Müll an unerlaubten Plätzen zu entsorgen. Schließlich müssten Umweltsünder immer wieder damit rechnen, von Zeugen beobachtet zu werden. Nicht oft, aber immer wieder, so der Amtsleiter, würden „schwarze Schafe“ dingfest gemacht und bekämen als Quittung ein Bußgeldverfahren. Dazu eine Rechnung vom Landkreis für die Kosten der Entsorgung. Dabei könne es zu Gesamtsummen von mehreren hundert bis zu tausend Euro kommen.

Nach Informationen von Gert Engelhardt bemüht sich die Umweltberatung des Landkreises schon seit Jahren, in Kindergärten und Schulen für den angemessenen Umgang mit der Umwelt zu werben. „Es gibt aber“, schränkt Engelhardt trotz der Erfolge ein, „einen Rest an beratungsresistenten Menschen“. Und die verfahren immer noch nach diesem Muster: den Glimmstengel nicht in den Aschenbecher, sondern schnell auf den Fußweg.

Nach einer europaweiten Studie sind in den Städten Zigarettenstummel mit etwa 60 Prozent die am meisten weggeworfenen Gegenstände, gefolgt von Kunststoffen, organischen Abfällen, Papier und Karton, Glas, Verpackungen und schließlich Metall. Eine Schweizer Studie sieht Einwegverpackungen mit einem Anteil von rund 52 Prozent am Abfallberg als Hauptproblem. Gert Engelhardts Kollege, Jürgen Cassier, Leiter des Amtes für Naturschutz und Landschaftspflege: „Wir haben ein funktionierendes Abfallentsorgungssystem, und ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass sich immer noch so viele Abfälle in unserer Landschaft finden lassen.“

Zunehmend Elektroschrott

Der Naturschützer muss nicht lange suchen: Cassier hat beobachtet, dass Elektroschrott wie Kühlschränke, zunehmend in der Natur entsorgt werde. Ein „besonderes Ärgernis“ hat er im Großen und Weißen Moor in dem geschützten Gebiet am Bullensee festgestellt: „Dort streut jemand über längere Strecken Plastikschnipsel auf die neu angelegten Wanderwege. Will uns der Unbekannte damit unterstellen, unsere Wege seien nicht sauber?“ Oder die kleinen Blätterberge, die im Herbst regelmäßig in Gräben und unter Bäumen abgeladen werden: Bei der Zersetzung dieser Haufen werde die Vegetation in Mitleidenschaft gezogen.

Damit nicht genug: Wild verheddere sich immer wieder in weggeworfenem Draht und komme häufig qualvoll ums Leben. Mehrfach sei in Mägen von aufgebrochenem Damwild Plastikteile gefunden worden.

Erfahrungen, die der Vorsitzende Roland Meyer vom Rotenburger Naturschutzbund (Nabu) bestätigt. Er sagt: „Müll gehört nicht in die Landschaft.“ Abfall in der Natur sei nicht nur unschön, sondern giftige Reste bedeuteten sehr oft eine Gefahr für die Natur. Deshalb begrüßt Meyer Aktionen wie „Unser Dorf soll sauber sein“ als Beitrag verantwortungsbewusster ehrenamtlicher Bürger. Auch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat sich den Kampf gegen die Vermüllung auf seine Fahnen geschrieben und unterstützt die Organisation „Clean Up the World“.

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