Heiko Lossau baut Motorad um und nimmt an Wettbewerb teil

Yamaha XS 650: Motorrad-Klassiker in völlig neuem Gewand

Heiko Lossau zeigt sein neues Umbau-Vorhaben.
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Heiko Lossau zeigt sein neues Umbau-Vorhaben.

Waffensen – Beruflich sitzt Heiko Lossau viel am Schreibtisch. Der Maschinenbau-Ingenieur hilft seinen Kunden in den Bereichen Technische Dokumentation, Übersetzungen und CE-Kennzeichnung. „Viel Papierkram“, sagt er, „und nur wenig Kundenkontakt.“ Nicht zuletzt deshalb ist er glücklich, ein Hobby zu haben, bei dem es nicht nur um technischen Sachverstand, sondern auch um klassische Handarbeit geht. Der Mann aus Waffensen baut sogenannte Custom Bikes – maßgeschneiderte Motorräder nach individuellen Vorstellungen auf Basis alter Maschinen.

Sein ganzer Stolz zurzeit ist seine Yamaha XS 650 – „ein Klassiker“, sagt er. Und der kommt jetzt in völlig neuem Gewand daher. Das Motorrad befindet sich gerade in einem Wettbewerb der Zeitschrift „Custombike“. Lossau hat es mit seinem Umbau bei 217 Teilnehmern unter die besten 25 geschafft, ist Siebter – jetzt läuft die Endrunde in Form einer Leserwahl. Die Entscheidung erwartet der Motorradexperte bis Ende des Jahres. Dann steht die große Messe in Bad Salzuflen an – dort soll die Bekanntgabe der Sieger erfolgen.

Motorrad-Klassiker: Yamaha XS 650

Wer ein altes Foto zur Hand nimmt, um sich ein Bild von der Maschine im Original aus dem Jahr 1982 zu machen, wird sie nach dem Umbau kaum mehr wiedererkennen. Die Beschreibung des Umbaus auf der Wettbewerbsseite liest sich für Laien wie ein Buch aus einer anderen Welt. „Motor auf 750 ccm aufgebohrt, Schmiedekolben, elektronische Zündanlage, Edelstahlkrümmer und Edelstahlauspuff, offene Luftfilter mit Motorentlüftungsanschluss und mit Vergaseranpassung, Umbau auf Einscheibenbremsanlage mit Stahlflex und Brembo-Bremspumpe, Alufelgen mit Edelstahlspeichen“ – das ist nur der erste Teil. Und wer nicht viel davon versteht, wundert sich darüber, was sich an einem Motorrad so alles verbauen lässt.

Auf Platz sieben im Wettbewerb: die alte, neue Yamaha XS 650. Schick, leistungsstark – und laut.

Retroreifen kommen hinzu, eine Mini Aluminium-Frontfender, der Tank von einer Yamaha XS 400 Special und YSS Stoßdämpfer. Das Rahmenheck hat Heiko Lossau gekürzt, der Kennzeichenhalter ist Marke „Eigenbau“, ebenso die Sitzbank mit Echtlederbezug vom Sattler. Damit nicht genug: Der Maschinenbauingenieur hat die Beleuchtung auf LED-Technik umgestellt, einen modernen Digitaltacho angebracht und einen Bordcomputer installiert, der die wichtigsten Daten auf sein Handy übermittelt.

Yamaha XS 650 - Man erkennt sie nicht wieder

„Alles in allem habe ich ein Jahr daran gebaut“, erklärt der 57-Jährige. „Ja, es ist so. Man erkennt sie nicht wieder.“ Genau das aber ist Sinn der Sache, genau das ist es, was Lossau so sehr am Schrauben reizt. Klar, es gibt auch jene Motorrad-Fans, die alte Maschinen originalgetreu restaurieren. „Aber das ist nicht kreativ“, sagt er.

Während es beim Restaurieren darum geht, sich auf die Suche nach Teilen zu machen, die dem Original entsprechen, steht beim Custombike der Umbau im Mittelpunkt – je nach eigenen Wünschen und Vorstellungen, wie ein Motorrad auszusehen hat und welche Eigenschaften es mitbringen soll. Lossau hat die XS 650 um 25 Kilo leichter gemacht und zugleich dem Motor mehr Kraft verliehen. „Sie ist jetzt leistungsfähiger und schöner.“

Genussvoll holt der Mann aus Waffensen die Maschine aus dem Schuppen. Er wirft den Motor an – und macht ein Gesicht, das von Freude und Stolz geprägt ist. Nicht nur, weil dieses Motorrad ein einzigartiges Bild abgibt, sondern auch, weil der Umbauprozess geschafft ist. Ein Prozess, der von Kettenreaktionen geprägt ist, sagt Lossau. Jede Lösung zieht die Suche nach weiteren Lösungen an anderen Stellen nach sich. Allein die Auswahl größerer Reifen hat Folgen für die ganze Maschine. „Das ist es, was den besonderen Reiz ausmacht.“

Kleinteile liegen bereit in der Werkstatt.

Schon vor acht Jahren hat er sich am Custombike-Wettbewerb beteiligt. Dabei liege eine Herausforderung nicht zuletzt auch darin, für den Umbau und damit für die ganze Maschine am Ende eine Zulassung zu erhalten. „Alles muss so platziert sein, dass der Tüv seinen Segen gibt.“

Meistens nach Feierabend nutzt Heiko Lossau die Zeit, das Werkzeug zur Hand zu nehmen. Zugleich ist die Recherche sehr wichtig. Welche Teile gibt es wo? Wie lassen sich technische Probleme lösen? 5 000 Euro hat er sich die neuen Elemente kosten lassen. Für das fast 40 Jahre alte Motorrad hatte er 1 200 Euro auf den Tisch gelegt. Reichen in der Werkstatt seine zwei Hände nicht aus, hilft ihm Heinrich Maier – der ist gelernter Kfz-Mechaniker.

Ein Geheimnis aus den Umbauten macht keiner in der Szene. „Man muss ja das Rad nicht immer wieder neu erfinden“, sagt Lossau. Am Ende gehe es darum, die Leidenschaft zu leben und einen Ausgleich zu finden. Es ist eine kleine Welt für sich. Und in der geht es nicht so sehr um den Sieg, sondern um die Wahrnehmung und Beurteilung. Die Freude ist groß, wenn Kenner ins Schwärmen geraten und verbal den Hut ziehen.

Die Leidenschaft für Motorräder hat bei Heiko Lossau bereits mit zehn Jahren begonnen – mit einem Mofa. Vier Jahre später war er als Sozius auf einer Yamaha XS 650 in einen Unfall verwickelt. Vorne saß sein Bruder. „Ich hatte also irgendwie noch eine Rechnung mit diesem Motorrad offen“, erklärt er bei einem Kaffee am Küchentisch, von wo aus das Werkstattgebäude zu sehen ist. Dieses Motorrad – es liegt ihm seit vielen Jahren „irgendwie am Herzen“.

Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass bereits ein anderes Exemplar dieser japanischen Baureihe dort drüben auf der Arbeitsbühne steht. Ein weiterer Umbau ist in Arbeit, diesmal allerdings nimmt die Maschine noch einmal eine ganz andere Gestalt an. Lossau plant, daraus einen Scrambler zu machen. Das ist eine in den 1950er und 60er Jahren sehr verbreitete Motorrad-Kategorie. Es sind Maschinen, die von ihrer Geländetauglichkeit und Robustheit geprägt sind – die Vorläufer der später bekannt gewordenen Enduro-Maschinen. Die grobstolligen Reifen sind bereits montiert.

Es riecht nach Öl – und damit irgendwie auch nach Arbeit. In der Ecke steht eine Kiste Bier, auf der anderen Seite ein altes Sofa – viel gemütlicher als der Schreibtischstuhl.

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