Moritz Netenjakob erweckt großes Vergnügen im Kantor-Helmke-Haus

Ufos, Erotik und ein bisschen Fips

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Die Merkel-Raute hat er auch drauf: Moritz Netenjakob verkauft sie allerdings etwas lustiger.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Zeitweise zum Brüllen komisch ist der Abend mit dem Autoren und Kabarettisten Moritz Netenjakob am Freitag im Kantor-Helmke-Haus. „Mit Kant-Zitaten zum Orgasmus“ gelingt zwar nicht, aber das Publikum gut zwei Stunden zu bespaßen.

Nachdem die Kant-Zitate nicht ziehen, greift Netenjakob zu Fips Asmussen und hat die ersten Lacher auf seiner Seite. Dann stellt sich heraus: Die Sache mit Kant ist eher nur eine Finte.

„Ich habe die Wirkung meiner Texte an der Universität Böblingen noch wissenschaftlich überprüfen lassen. Wenn sie ein durchschnittlicher Zuschauer sind, werden sie heute Abend rund 79 Mal kichern, 47 Mal laut lachen, drei Mal hysterisch gackern“, sagt Netenjakob. „Und sieben mal klatschen, weil ihr Nebenmann klatscht.“ Mit viel Humor und Intellekt macht sich der Kabarettist über die Deutschen lustig: „Wir Deutsche misstrauen Gefühlen.“ Auch Anmache und Erotik gehören nicht zu den deutschen Stärken. Anschließend macht Netenjakob ein Lehrerehepaar nach, das sein Sexleben durch ein erotisches Rollenspiel beleben will. Während sich Kerstin ganz in ihre Rolle hinein begibt, fallen Jörg tausend Dinge ein, und er killt damit jede Erotik.

Angetan zeigt sich das Publikum vor allem vom „Independence Day in Deutschland“. In der Geschichte um Ufo und Aliens, die Deutschland in Schutt und Asche legen, spielen vor allem Udo Lindenberg, Peter Maffay und Herbert Grönemeyer eine Rolle. Die imitiert Netenjakob stimmlich, mimisch und in Körpersprache waschecht. Das Publikum kriegt sich kaum mehr ein. Der Autor beweist sich als Jongleur von guter Beobachtungsgabe, bissiger Satire und Eigenerfahrung. „Moritz Netenjakob hat auch schon für Stromberg geschrieben, da war klar, das ist ein perfekter Kandidat für ein gemeinsames Projekt“, sagt Christine Braun, Leiterin der Stadtbibliothek, die gemeinsam mit der Volkshochschule den Abend veranstaltete.

Der Kabarettist honoriert das mit einem flammenden Abschlussplädoyer: „Kaufen Sie bei ihrem Buchhändler hier vor Ort und nicht bei Großaktionären wie Amazon. Sie tun damit etwas für den Erhalt der Kultur vor Ort.“

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