Ein Mord an Deck

Der Hamburger Autor Krischan Koch liest aus seinem neuen Krimi

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Krischan Koch spricht im Wachtelhof auch über sein Autorenleben. 

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Bizarre Alltagssituationen, die viel zu oft zum Großteil der realen Welt entsprechen, verknüpft der Hamburger Autor Krischan Koch gekonnt mit den Todesfällen in seinen Krimis. Der Filmkritiker gastierte am Freitag mit seinem fünften Band „Backfischalarm“ im Wachtelhof.

Koch erweist sich als Unterhalter, der mit viel Mimik, Gestik und den unterschiedlichsten Tonlagen in die Charaktere seines Buches schlüpft. Egal, ob in den Jugendjargon eines Teenagers, einer rheinischen Frohnatur oder knurriger Inselbewohner – der Hamburger Autor verkörpert tonlich seine Protagonisten.

Das „Kaff“, das Koch für seine Krimiserie ersonnen hat, „ist ein Ort, der für einen Krimi völlig ungeeignet ist. Da ist nix los, keine Kriminalität, tote Hose“, führt der Autor für Noch-nicht-Leser seiner Bücher ins Thema ein. Der Hautpschauplatz in Fredenbüll ist ein Stehimbiss mit zwei Stehtischen. Der eine ist immer besetzt mit dem Postboten, Landmaschinenvertreter und Polizeioberwachtmeister Thies Detlefsen. In „Backfischalarm“ setzen die Leser mit seinen Zwillingen Telje und Tadje mit der 10a des Theodor-Storm-Gymnasiums zur herbstlichen Klassenfahrt nach Amrum über. Mit auf die Fähre veirrt sich eine Helikopter-Mutter. Vermutlich, weil es nicht wie an der Schule eine Kiss-and-go-Zone am Anleger gibt. 

Koch lässt Bilder im Kopf entstehen

Den Toten gibt es gleich auf der Fähre, wo die Kinder auf Abenteuer aus sind und der Kellner sich typisch norddeutsch überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lässt. Die Frage, ob Gluten im Fischbrötchen ist, beantwortet er schlagfertig: „Nee, normaler Bismarckhering.“ Koch lässt Bilder im Kopf entstehen: „Einer Rentnerin fliegt die komplette Salatvariation ,Friesischer Frühling’ zwischen die hundert Reißverschlüsse ihrer Freizeitjacke. Vom Nebentisch hüpfen zwei Folienkartoffeln quer über das Deck Richtung Hydrokulturen, die als Raumtrenner auf dem Salondeck stehen.“ Im Dunkel der Gewitterwolken geschieht gleichzeitig der Mord an Deck.

Nach der Pause plaudert Koch ein wenig über sein Autorenleben: „Hat eben ein Mann in der Bar zu mir gesagt: ,Is’ ja doll, was auf Amrum alles so passiert.’ Es ist tatsächlich ein verrückter Effekt. Es ist nicht so, dass auf Amrum etwas passiert und ich darüber schreibe. Sondern umgekehrt: Ich schreibe was und dann passiert was. Mord auf Amrum: Zwei Tote. Bevor ich Krimis geschrieben habe, ist so etwas – glaube ich – auf Amrum noch nicht passiert.“ 

Rätselhafte Motivation zum Krimischreiben

Gleiches gilt für die in den Krimis auftauchenden Nebelwände, die auf die Insel zukommen. Das habe es vorher so auch noch nicht gegeben. „Ganz seltsam“, sagt Koch, der privat häufig Zeit auf der nordfriesischen Insel verbringt. „Wir leben einen Teil des Jahres auf Amrum.“ Vor zehn Jahren fängt er damit an, Krimis zu schreiben. „Ich weiß allerdings gar nicht recht wieso.“

Mit seinen Krimis greife er auch gerne in die Realitäten ein. „Auf Amrum gibt es den wunderbaren Krabbenkutter, der auch immer ein bisschen Beifang hat. Da muss man gucken, dass man morgens sehr früh da ist, damit man etwas abkriegt. Und vor ein paar Jahren war das so, dass, egal wann ich kam, es stand immer ein Mann mit einem Fahrradhelm vor mir da und kaufte sämtlichen Fisch weg. Der kommt in meinem ersten Krimi vor, und, was soll ich sagen: Er überlebt es nicht! Das ist schon befreiend. Das seltsame an der Geschichte ist, das ist wirklich so, ich habe den niemals wieder gesehen.“

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