Der milde Winter macht es möglich: Einige Kraniche überwintern in der Region

Moor statt Süden

Auffliegen von Kranichen nach der „Wintermahlzeit” zwischen Westerholz und Hetzwege.
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Auffliegen von Kranichen nach der „Wintermahlzeit” zwischen Westerholz und Hetzwege.

Rotenburg – Der große Zug der Kraniche in die wärmeren Gefilde nach Südfrankreich, nach Spanien, Portugal und Nordwestafrika ist abgeschlossen. Etwa 400 000 „Vögel des Glücks” haben, aus Skandinavien, Polen und den baltischen Staaten kommend, in schmaler Front bis vor wenigen Wochen auf südöstlicher Route Deutschland überquert. Tausende der Graukraniche – große Schreitvögel mit Federbusch, rotem Schnabel und dem markanten Trompetenruf – sind jedoch geblieben. Zum Beispiel im Tister Bauernmoor bei Sittensen, im Bereich Lauenbrück und Ostervesede und im Huvenhoopsmoor bei Glinstedt. Milde Winter und ausreichend „gedeckte Tische” für den Allesfresser Kranich auf abgeernteten Feldern machen es möglich.

Wenige Meter entfernt von der Straße von Westerholz nach Hetzwege, mit Blick über die großen landwirtschaftlichen Flächen in Richtung Langenhörn: Rund 25 Kraniche, aufgestiegen am frühen Morgen aus dem seichten Wasser des schützenden Bauernmoores, picken bei der Ernte liegengebliebene Maiskörner auf. Eine Tagesration für die großen Vögel. Bis zum Frühjahr werden sie so gut überleben.

„Solange es nicht zu kalt wird, werden einige Tausend den Winter bei uns verbringen“, erklärt der Nabu dazu. Als der Kranich vor 42 Jahren zum Vogel des Jahres gewählt wurde, zählte er zu den seltensten Vogelarten Deutschlands. „Intensive Bemühungen um seinen Schutz haben dazu beigetragen, dass er sich von dem Bestandstief erholt hat. Heute gibt es deutschlandweit etwa 11 000 Kranichpaare“, so der Nabu weiter. Bis vor wenigen Jahrzehnten galt es noch als kleine ornithologische Sensation, wenn Kraniche in Norddeutschland auftauchten. Inzwischen sind diese geschützten Schreitvögel in vielen Bereichen zu einem festen Bestandteil der Natur geworden.

In diesem Jahr musste Corona-bedingt im Herbst auf das Öffnen der Beobachtungstürme und der Kranichwagen an den Sammelplätzen verzichtet werden. Das Risiko wäre aufgrund der Ansteckungsgefahr bei den vielen Naturfreunden auf engem Raum zu groß gewesen. Die Chance, den Tieren trotzdem immer wieder zu begegnen, ist jedoch bei den zahlreichen Kranichen, die in diesem Jahr auf den großen Flug in den Süden verzichtet haben, relativ groß.

Ein beträchtlicher Teil des Nabu Kreisverbandes Rotenburg hat vor Ort durch seinen Arbeitseinsatz an der Verbesserung der Population der Kraniche mitgewirkt. Der Kreisverband gliedert sich in den Südkreis mit dem Vorsitzenden Roland Meyer und rund 3 300 Mitgliedern und den Nordkreis Bremervörde/Zeven mit 1 500 Mitgliedern und Walter Lemmermann als Vorsitzenden. Mit etwa 4 800 Nabu-Naturschützern ist er einer der landesweit mitgliederstärksten Kreisverbände.

Vorsitzender Roland Meyer sieht nach erheblicher Kritik von Landwirten in der Vergangenheit – „Saaträuberreien” durch Kraniche – zur Zeit keine gravierenden Probleme zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Aber er teilt auch seine Sorgen mit: „Die Zukunft des Kranichs ist nicht so rosig, wie man vielleicht denken mag“, merkt der Vorsitzende an. „Moortrockenlegungen vor allem im Baltikum und die trockenen Sommer führen zum Verlust von Nistmöglichkeiten und auch von Gelegen. Das würde nicht passieren, wenn weniger Torf verwendet würde.”

Von Wieland Bonath

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