Bundestagskandidaten im Porträt

Agnes Hasenjäger (Die Linke) setzt Schwerpunkt in Friedenspolitik

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Agnes Hasenjäger, Direktkandidatin der Partei Die Linke im Wahlkreis Rotenburg I / Heidekreis, kommt aus Hannover.

Rotenburg - Von Manfred Klein. Die Direktkandidatin der Partei Die Linke für die Bundestagswahl, Agnes Hasenjäger, kommt aus Hannover, ist aber aktuell oft in Stadt und Kreis Rotenburg unterwegs, um Stimmen in ihrem Wahlkreis Rotenburg I / Heidekreis für sich zu mobilisieren.

Bei Podiumsdiskussionen, bei Gewerkschaften, Institutionen, Verbänden oder in Schulen – Hasenjäger übt sich vor Ort in reger Präsenz. Für die Kreiszeitung beantwortet sie Fragen zur Person, auch und vor allem abseits von der Politik.

Hasenjäger, Jahrgang 1950, ist seit fast zwei Jahren in Rente. 1996 war sie in die PDS eingetreten und dort seit 1998 immer in einer Funktion tätig, sie war wechselweise Kreisvorsitzende in Hannover und im Landesvorstand der Partei. Schwerpunkte ihrer Arbeit setzt sie in der Friedenspolitik. Seit Ende der 1970er-Jahre ist sie in der Friedensbewegung aktiv.

Gesundheitspolitik beschäftigt sie auch

Ihr zweiter Schwerpunkt liegt in der Gesundheitspolitik, „was übrigens in meiner persönlichen Biografie begründet liegt“. Was heißt das? „Ich habe einen chronisch kranken Sohn, inzwischen ist er 40, ich habe ihn groß gezogen. Aber das war schon in den Anfangsjahren sehr schwierig, weil er eine sehr seltene Krankheit hat. Das war sehr aufwendig und bedurfte viel Erfahrung mit dem Gesundheitswesen.“

„Als der Sohn größer wurde, konnte ich gucken, was kann ich machen, wo kann ich arbeiten in der frei gewordenen Zeit, wenn er zum Beispiel in der Schule ist? Dann kam ich eher zufällig in eine Klinik, in ein Labor, in dem Bereich, wo die Krankheit des Sohnes und ähnliche Fälle behandelt wurden. Das macht die Arbeit dann besonders interessant, wenn man selber betroffen ist – mit der Erfahrung einer Beschäftigten. Ich bin keine Schwester oder Ärztin. Wenn man es vornehm ausdrücken will, war ich als Dokumentationsassistentin tätig. Ich war im Labor für alles zuständig, was nicht mit Chemie zu tun hatte.“

Die Frage nach ihrem Familienstand beantwortet Hasenjäger mit den Worten „glücklich geschieden“. Sie hat, wie erwähnt, einen Sohn und drei Enkelkinder, „die auch schon langsam groß werden. Die Älteste wird jetzt 21, die Jüngste ist zehn, die Zeit geht hin.“

In evangelischer Jugend politisiert

Die Frage nach ihrer Konfessionszugehörigkeit, „evangelisch-lutherisch, allerdings jetzt nicht so aktiv“, weckt bei Hasenjäger Erinnerungen: „Politisiert wurde ich in der evangelischen Jugend. Wir hatten einen Pastor, der war vorher in einer deutschen Kirchengemeinde in Lima gewesen und er erzählte uns viel über die sozialen Verhältnisse. Und ich muss sagen, das hat erst mal mein Interesse an Politik geweckt. 

Ich dachte: Wenn es auf der Welt so ungerecht zugeht, da muss man doch etwas unternehmen.“ Hasenjäger weiter: „Ich habe dann Geschichte und Erdkunde studiert und ich sagte mir, ich möchte die Welt begreifen in ihrem Aufbau und in ihrem historischen Gewordensein.“ Als Lehrerin hatte sie „nicht die Chance, das Wissen weiterzugeben“. 

Warum? „Ich habe nicht als Lehrerin gearbeitet. Ich hatte meine Referendarzeit. Und weil wir da zum ersten Mal genügend Geld hatten, wurde in der Referendarzeit mein Sohn geboren. Und wegen seiner Krankheit musste ich mich immer in Krankenwagenentfernung zur Klinik aufhalten. Die einzige Lehrerstelle, die zu mir passte, war in Lüchow-Dannenberg. Das konnte ich unter den gegebenen Voraussetzungen nicht riskieren.“

Ordnung halten als eine Schwäche

Und es sei auch die Zeit gewesen, wo es „viel zu viele Lehrer gab angeblich und kaum bis gar nicht mehr eingestellt wurde – vor allem in den Fächern, wo die Eltern nicht protestieren, wenn der Unterricht ausfällt“. Ein außergewöhnliches Schicksal. Hasenjäger nimmt es gelassen: „Wie sagt man, wie ein Sechser im Lotto, nur nicht so angenehm.“

Was würden Sie als Ihre größte Schwäche bezeichnen? „Ich glaube, Ordnung halten“, bekennt Hasenjäger. „Ich muss nachher noch mein Ladegerät bei den Genossen abholen, wo ich es neulich liegengelassen habe.“

Was ist Ihr Lieblingsessen? „Oh, das ist schwierig, da gibt es so vieles“, verrät die Hannoveranerin. „Ich habe ein kurdisches Rezept für gefülltes Gemüse, das wird auf Hammelrippe gekocht, das ist wirklich super lecker. Da muss man allerdings sehr viele Gäste haben, damit sich der Aufwand lohnt.“ Sie kochen selbst auch? 

„Ja, schon allein aus Finanzgründen. Ich habe es nie reichlich gehabt. Wenn man selber kocht, ist das viel billiger, als wenn man hier und da essen geht. Abgesehen davon brauchte mein Sohn immer eine spezielle Diät. Dann hatten wir noch ein Pflegekind, das eine entgegengesetzte Diät benötigte. Das heißt, ich kann zwei verschiedene Diäten in einem Essen kochen.“

Mutter gab christliche Prägung weiter

Gab es politische Prägungen seitens Ihrer Eltern? „Ich glaube, ja.“ Sie erinnert sich: „Meine Mutter war sehr bewusst christlich, das war bei ihr auch eine Reaktion auf den Faschismus. Nach dem Krieg hat sie im Krankenhaus entlassene Häftlinge gepflegt. Und sie hat sich dann sehr bewusst noch einmal taufen und konfirmieren lassen. 

Sie lebte unter dem Motto und zeigte das: Du musst dich um die Mitmenschen kümmern! Leider ist meine Mutter sehr jung gestorben mit 48. Als sie schon sehr krank war, sagte sie zu uns: Ich glaube, ich bin Schuld daran, dass ihr so politisch geworden seid. Ich sagte ihr, du hast nicht Schuld, du hast das Verdienst, dass wir uns um den Mitmenschen kümmern.“

Wichtig ist: Zusammenhänge erklären

Was vermitteln sie bei ihren Wahlkampfauftritten im Südkreis Rotenburg und im Heidekreis außer dem Programm der Linken? Hasenjäger: „Ich finde, im Wahlkampf muss man nicht nur Programme herunterrasseln. Wichtiger ist, Zusammenhänge zu erklären. Ich hatte neulich Schüler, die fragten nach Agrarpolitik – Tenor: ,Wir müssen doch die Welt ernähren!’ Da habe ich denen erst mal erklärt, was unsere Agrarpolitik zum Beispiel für Afrika heißt, wenn wir exportieren nach Afrika und dort die Leute, die Hühner züchten, ihre Hühner nicht mehr verkaufen können, weil es viel billigere Hähnchenteile aus Europa gibt, und dass das im Grunde auch der Hintergrund für manche Fluchtbewegung ist, weil die Menschen vor Ort nicht mehr leben können von dem, was sie gelernt haben und immer gemacht haben. Solche Zusammenhänge zu erklären, da müssen sie mich gar nicht wählen, ist mir ein wichtiges Ziel, da sie vielleicht ein kleines bisschen mehr verstehen von dem, was in der Welt vor sich geht.“

Kommt die Rentnerin Hasenjäger mit ihrer Rente klar? Hasenjäger: „Nun ja, es ist nicht viel. Insofern gehöre ich zu den Leuten, die Grundsicherung kriegen würden. Aber da ich auf das Geld, das ich von meinem Vater geerbt habe, immer aufgepasst habe, dauert es noch ein bisschen, bis ich soweit runter bin, dass ich auf Niveau Grundsicherung bin. Ich komme ganz gut hin. Es ist eben die Frage, wie lange noch.“

Hat die Linke neben der Politik noch Zeit für Hobbys? Hasenjäger: „Das ist schwierig. Aber, wenn es irgendwie geht, halte ich mir den Montag frei für den DGB-Chor in Hannover, in dem ich seit 1998 mitsinge.“

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