Landrat Hermann Luttmann ärgert sich über spät angezeigte Tierschutzfälle

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Das Kreisveterinäramt kontrolliert – auch ohne einen konkreten Anlass – unter anderem Betriebe mit Nutztierhaltung im gesamten Landkreis.

Rotenburg - Von Farina Witte. Wie arbeitet das Veterinäramt, und wie geht es mit gemeldeten Verstößen des Tierschutzes vor? Darüber haben Kreisveterinär Dr. Joachim Wiedner und Landrat Hermann Luttmann (CDU) informiert.

Hintergrund ist, dass immer wieder über Tierschutzfälle berichtet wird. Es sei viel zu hören über spektakuläre Aktionen, wie Filmaufnahmen aus Ställen. „Da kommt dann die Frage auf, wie das Veterinäramt damit umgeht“, so Luttmann. 

Im vergangenen Jahr habe es zehn Fälle gegeben, in denen private Organisationen Fälle für den Tierschutz beim Veterinäramt gemeldet haben. Bei allen sei es in der Tendenz so, dass der Hinweis deutlich später mitgeteilt wurde. 

„Teilweise lagen mehrere Monate zwischen dem konkreten Anlass und der Meldung hier an das Veterinäramt. Das ärgert mich, und da frage ich mich, ob da möglicherweise andere Hintergründe als der Tierschutz eine Rolle spielen“, meint der Landrat.

2017 gab es 200 Hinweise auf Tierschutzverstöße

Auch aus der Bevölkerung kommen Hinweise, denen das Veterinäramt nachgeht. „Davon gab es im vergangenen Jahr 200, teilweise aus dem Bereich Haustierhaltung, aber auch in Bezug auf landwirtschaftliche Betriebe“, erklärt Wiedner. Diesen Hinweisen geht das Veterinäramt nach und verhängt Bußgelder. 

„Bei zehn Fällen bestand der Verdacht einer Straftat, und diese sind dann an die Staatsanwaltschaft übergeben worden“, berichtet der Kreisveterinär. Das Amt geht nicht nur diesen Fällen nach, sondern kontrolliert Betriebe auch dann, wenn es zuvor Verstöße gegeben hat. So kommen die Mitarbeiter auf rund 1 000 Kontrollen im Jahr.

Der Landkreis hat 2017 eine zusätzliche Stelle geschaffen, um mehr Betriebe im gesamten Landkreis unangekündigt zu kontrollieren. Bislang waren es 68 zusätzliche Besuche, die in diesem Jahr stattgefunden haben. 

Meist werden die geltenden Regeln eingehalten

In diesen Fälle fänden die Kontrollen ohne einen bestimmten Anlass statt. Dabei habe sich gezeigt, dass überwiegend regelkonform gearbeitet wird. „In einigen Fällen wurden vielleicht mündliche Anordnungen erteilt, dass man gewisse Dinge verbessern muss“, meint Wiedner. 

„Das kann zum Beispiel eine Kuh mit zu langen Klauen sein. Darauf verweisen wir und kontrollieren es beim nächsten Mal.“ Wiedner betont, dass verschiedene Haltungsformen tierschutzkonform sein können.

Das Tierschutzgesetz

Das Veterinäramt des Landkreises Rotenburg legt bei seinen Kontrollen das Tierschutzgesetz zugrunde. Häufig stehe Paragraph elf, der die Haltung oder Züchtung bestimmter Tiere regelt, im Mittelpunkt der Arbeit. Dazu gehören Tierheime und Zoos. „Diese brauchen eine Genehmigung, um Tiere halten zu dürfen“, so Wiedner.

Gleichzeitig seien nicht alle Rechtsbereiche genau abgedeckt. „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“, heißt es im § 1 des Tierschutzgesetzes. Dies werde in den verschiedenen Verordnungen genauer definiert. „Zum Beispiel in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung“, erklärt Wiedner. 

Diese komme bei der Arbeit der Kreisveterinäre ebenfalls zum Einsatz, etwa wenn es darum geht, ob Schweine genügend Platz in ihren Ställen haben. Außerdem beziehen sich die Veterinäre bei Kontrollen oft auf die Tierschutztransportverordnung. Darin ist unter anderem festgelegt, wie viel Platz die Tiere haben müssen und wie der Transporter abgetrennt wird.

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