Das „mittendabei“-Tipi

Kreis-Rotenburger stricken ein fünf Meter großes Zelt

Ein Team von Ehrenamtlichen hat das Projekt der Stiftung mittendabei angeschoben: Silke Sackmann (von links), Sonja Högermeyer, Julia Hahn, Gesa Sommer, Sven Sudmann und Angela Oerter-Will.

Rotenburg - Von Manfred Klein. Die Stiftung „mittendabei“ lädt in diesem Winter Menschen in Rotenburg und Umgebung zum gemeinsamen Stricken und Häkeln eines fünf Meter hohen Tipis ein, das sich aus rund 1.300 Einzelteilen zusammensetzen wird. Dieses große, bunte, in Regenbogenfarben weithin strahlende Zelt soll das Wahrzeichen der Stiftung „mittendabei“ werden. „Mittendabei“ ist eine kirchliche Stiftung, die sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt.

„Das Zelt steht als biblisches Symbol für Schutz und Zuflucht, für Begegnung und Gemeinschaft“, erklärt Silke Sackmann, Leiterin der Stiftungsarbeit, die Bedeutung Gemeinschaftsaktion. „Ein Zelt sei offen und transparent und stehe daher sinnbildlich für den Wunsch von Menschen mit Behinderungen, ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden“, so Sackmann weiter. Der Weg in unsere Gemeinschaft war lang und steinig, erinnert sich die Stiftungsarbeiterin: Er führte vom Ausgrenzen und Wegschauen in den frühen Nachkriegsjahren über das medizinische Therapieren, das Pflegen und Betreuen „behinderter Menschen“ bis hin zum „Assistieren“. „Assistieren“ meint, so Sackmann: Einen Menschen mit einer Behinderung dabei zu unterstützen, den eigenen Wünschen, Neigungen und Fähigkeiten entsprechend leben zu können. „Die Stiftung ,mittendabei’ möchte diesen Weg weitergehen: Er führt mitten in unsere Gesellschaft. Wir hoffen auf gemischte Nachbarschaften, Beschäftigungsverhältnisse zum Wohle der Gesellschaft und gemeinsames Lernen und Freizeitgestalten – dort, wo es sinnvoll und möglich ist.“

Zu den Kernwerten der Stiftung „mittendabei“ zählt die Freiheit. In der westlichen Welt verstehen wir diesen starken Wert als elementaren Wunsch aller Menschen. „Wir möchten Schweres hinter uns lassen und die Chancen ergreifen können, die sich uns in unserem Leben bieten.“ Für Menschen mit Behinderung, so Sackmann, bedeute dies konkret: Die Wahl zu haben. In vielen Bereichen des Lebens. Zum Beispiel? „Zum Beispiel hier zu leben, in den Rotenburger Werken oder auch andernorts, an unseren neuen Standorten in Falkenburg, Visselhövede oder Harsefeld – nahe bei der eigenen Familie.“

Verbindung von unterschiedlichen Menschen

Das „mittendabei“-Tipi verbindet viele, ganz unterschiedliche Menschen. Die Einladung zur Mitarbeit an dem Projekt ist auf sehr große Resonanz gestoßen: Bewohner und Mitarbeiter der Rotenburger Werke machen mit, die Stadt Rotenburg, das City-Marketing, Unternehmen, Geschäfte, Kirchengemeinden, große Vereine wie die Landfrauen Rotenburg oder der Heimatverein Sottrum, Schulen und Kitas, kleinere Gruppen und einzelne Menschen unterstützen das Vorhaben bereits. Inzwischen treffen in den Rotenburger Werken bei Silke Sackmann immer wieder gestrickte oder gehäkelte Teilchen ein – alle rund 15 mal 15 Zentimeter groß und, das sei die Vorgabe, aus Acryl-Wolle gearbeitet. 

Blumen, Streifen, farbige Flächen, Symbole

Mit Liebe gestrickt: Kein Teilchen ist wie das andere. Blumen, Streifen, farbige Flächen, Symbole, Zeichen, Noppen – locker oder fest, großzügig oder exakt: „Jeder arbeitet, wie er gestrickt ist“, empfindet Sackmann die Arbeiten. „Das alte Sprichwort hat seine Wurzel bei dem uralten Handwerk. Masche für Masche für eine gute Botschaft: Auch die Liebe zählt zu den Werten der Stiftung ,mittendabei’“, verrät die Leiterin der Stiftungsarbeit. Die Liebe fragt immer konkret: Wie geht es einem Menschen? Was fühlt er? Was braucht er? Was können wir für ihn tun? Von diesen Fragen lässt der Stiftungsvorstand – Jutta Wendland-Park, Thorsten Tillner und Horst Dieter Werwoll – sich leiten, wenn er über Stiftungsanträge berät. Etwa 100 Hilfen für einzelne Menschen ermöglicht die Stiftung jedes Jahr, verrät Sackmann

Dieses behutsame sich Nähern, Begleiten und Ebnen von Wegen trägt den Geist christlicher Nächstenliebe in sich. „Die Diakonie hat die heutige Situation von Menschen mit Behinderungen in Deutschland entscheidend geformt und mitgeprägt und unserer Gesellschaft ein menschliches Gesicht gegeben“, so Sackmann. Die Stiftungsarbeit stehe in dieser starken und universellen Tradition.

„Teilhabe ist etwas ganz Besonderes“

Ein Zelt bewegt sich. Es steht für die Hoffnung. Es wird dort zum Einsatz kommen, wo es gebraucht wird und ein Zeichen für Menschen mit Behinderung und auch für die Stadt Rotenburg und die Region als Vorbild-Region für Inklusion und Teilhabe setzen, ist sich Sackmann sicher. Und weiter: „Nur wenige andere Orte stehen in so hohem Maß für Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen mit Behinderung. Ganz selbstverständlich gehören sie hier in Rotenburg dazu. Fremde erleben Rotenburg daher manchmal als etwas ganz Besonderes. Dies macht uns stolz auf unsere Stadt.“

Seit Anbeginn steht das Tipi-Projekt unter einem guten Stern: „Schön, dass du an uns gedacht hast!“, sagte Ulla beim ersten Vorstellen des Projekts in einer der Tagesstätten Senioren der Rotenburger Werke. „Immer wieder erleben wir Menschen, die voller Freude zu Werke schreiten und wunderbare Beiträge zu einem großen Ganzen leisten“, so Sackmann. Es seien besonders häufig ältere Menschen.

Geplant ist die Einladung zu gemütlichen, winterlichen Strickstunden in den Rotenburger Werken, in Cafés der Stadt und auf dem Hartmannshof. Von Januar bis April wird die Tagesstätte Senioren im Schepplerhaus an Donnerstagnachmittagen seine Türen für Interessierte öffnen. Information dazu gibt es im Internet.

Fertigstellung 2018 geplant

Nach der Herstellung der Einzelteile ist im Frühjahr und Sommer 2018 das Zusammenfügen der Teile zu einem wunderschönen Gesamtkunstwerk geplant. Dabei wird die Künstlerin Ute Lennartz-Lembeck das Team der Rotenburger Werke unterstützen. Zum Projektteam gehören die Kunsttherapeutin Gesa Sommer, Leiterin der Tagesstätte Senioren im Schepplerhaus, die Übungsleiterin Julia Hahn, die Erzieherin Sonja Högermeyer aus der Tagesstätte Senioren auf dem Kalandshof, der Bereichsleiter Sven Sudmann und die Patchwork-Künstlerin Angela Oerter-Will aus Sottrum.

Geteilte Verantwortung: „Viele Menschen leisten einen kleinen Beitrag zu unserem Projekt und tragen damit zusammen Verantwortung für ein gelungenes Ganzes“, verrät die Projektleiterin. „Dieses Prinzip leben wir auch in unserer Stiftung. Gemeinsam mit vielen Unterstützern möchten wir dort helfen, wo andere unserer Hilfe bedürfen.“

Alle interessierten Bürger sind eingeladen, für das Tipi mitzustricken oder mitzuhäkeln. Das Einzelstück sollte die Maße 15 mal 15 Zentimeter haben. Weitere Vorgabe: Für die Handarbeit sollte ausschließlich Acrylwolle verwendet werden. Sie wird von den Rotenburger Werken (Lindenstraße 14) an Interessierte ausgegeben. Für kleines Geld gibt es die Wolle auch in der Buchhandlung Mauer, Große Straße 38, und in der Strick- und Stickboutique, Am Wasser 2, beide Rotenburg. Zusendung oder Abgabe der Arbeiten erfolgt an die Rotenburger Werke, Silke Sackmann, Lindenstraße 14, Rotenburg.

Weitere Fragen zum Mitmach-Projekt beantwortet Silke Sackmann unter Telefon 04261/920664, oder per E-Mail: silke.sackmann@rotenburgerwerke.de.

www.mittendabei.de

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