Mitten im Ramadan

Islamischer Verein lädt zum ersten Mal die Öffentlichkeit zum Fastenbrechen ein

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Richtung Mekka: In der Kleinen Ayasofya Moschee in Rotenburg dürfen auch die Gäste am Gebet teilnehmen. 

Rotenburg - Von Joris Ujen. Es ist gerade Halbzeit im islamischen Fastenmonat Ramadan. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird der Verzicht auf Essen und Trinken mit dem Iftar gebrochen. An diesem gemeinschaftlichen Abendessen durfte am Donnerstag in der Kleinen Ayasofya Moschee in Rotenburg zum ersten Mal auch die Öffentlichkeit teilnehmen.

Zusammenhalt und Dankbarkeit stehen im Ramadan im Vordergrund, heißt es. Und dankbar zeigte sich die muslimische Gemeinde durch ihre Gastfreundschaft. „Lasst uns unsere Kräfte verbinden“, begrüßte der Vorsitzende des eingetragenen islamischen Vereins, Halim Özdemir, die Gäste in der Moschee an der Fuhrenstraße.

Ein Zelt mit Biergarnitur steht neben der Kleinen Ayasofya Moschee. Es hat schon fast Dorffestcharakter – nur mit der Ausnahme, dass es hier nicht Currywurst und Pommes geben wird, sondern ein richtiges Festmahl. Aber zuerst geht es in das Gotteshaus. Unter anderem haben Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD), die Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Borchers und IGS-Schulleiter Sven Thiemer die Einladung von Halim Özdemir wahrgenommen.

Imam Hüdaverdi Ülker leitet den Abend mit einer Sure, ein Kapitel des Korans, ein. Für die Gäste, die der arabischen Sprache nicht mächtig sind, hilft ein Monitor mit deutscher Übersetzung aus. Ansonsten ist es ganz still in dem Raum, einzig zwei Deckenventilatoren surren im Hintergrund. Um das Programm informativ zu halten, folgt ein Vortrag von Ayse Suskan über die Bedeutung des Ramadans. Sie ist ein junges Mitglied in der islamischen Gemeinde von Rotenburg und macht deutlich, dass der Fastenmonat nicht nur die Enthaltsamkeit beinhaltet: „Es gibt auch mehrere ethisch-moralische Komponenten, die den Muslim bereichern sollen.“ Ein Ziel ist das Mitgefühl mit den Armen und Bedürftigen. „Darüber hinaus dient das Fasten zum Stärken der Selbstbeherrschung und der Konzentration auf das Wesentliche.“

Der Abend ist komplett durchgeplant, die Gemeinde hält sich an ihren Zeitplan. Das ist nicht nur typisch deutsch, sondern liegt auch der langsam untergehenden Sonne. Ist der große Stern nicht mehr zu sehen, soll laut Koran auch gleich der Iftar beginnen. Aber noch ist etwas Zeit für weitere Begrüßungsreden. Nach dem Ramadan-Referat von Ayse Suskan tritt der Vorsitzende an das Podium. Özdemir zeigt seine Dankbarkeit an die Stadt Rotenburg, die Polizei, an das Agaplesion Diakonieklinikum und die Kirchen, die dem islamischen Verein den Gebetsraum zur Verfügung gestellt hatten. „Wir werden zusammen noch viel mehr bewegen können.“

Beim Iftar nach Sonnenuntergang bricht die islamische Gemeinde das Fasten im Zelt neben der Moschee.

Rassismus und Intoleranz sind Themen, von denen viele Migranten betroffen sind, macht der nächste Redner Vahid Bilmez deutlich. Er ist stellvertretender Vorsitzer der Islamischen Föderation Bremen, schätzt den offenen und freundlichen Umgang in Rotenburg.

Dieses Miteinander bekräftigt Bürgermeister Andreas Weber, lobt auch die Unterstützung seitens des islamischen Vereins und findet kritische Worte zum Weltgeschehen: „Es ist nicht immer der Glaube, sei es bei den Christen oder den Muslimen, der zu Kriegen und Auseinandersetzungen führt. Oft sind es staatliche Mächte, die den Glauben missbrauchen.“ Anhaltender Beifall der rund 40 Teilnehmer hallt durch die Moschee. In deren Gebetsraum im ersten Stock geht es nun als nächstes, die Schuhe müssen unten bleiben – noch 20 Minuten bis zum Sonnenuntergang. Etwas Eile ist angesagt. Der Imam hält das Abschlussgebet mit einigen Mitgliedern in Richtung Mekka. Die Gäste dürfen bei der Glaubenspraxis dabei sein, der Redakteur sogar Fotos schießen. Es ist ein heiliger Moment, den der islamische Verein offenherzig teilt und die Gäste bewegt.

Das Gebet ist vorbei, die Sonne verschwunden und der Iftar beginnt. Weinblätter gefüllt mit Reis, Teigröllchen mit Schafskäse und Salat, Linsensuppe, Kuchen und anderes süßes Gebäck hat der Verein auf den Tischen im Zelt platziert. Und eines darf auch nicht fehlen: Datteln. Laut des Korans sagte der Prophet Muhammad über die Frucht: „Brecht euer Fasten mit Datteln oder ansonsten mit Wasser, da es rein ist.“ Obwohl die Muslime den ganzen Tag nichts gegessen und getrunken haben, brechen sie ihr Fasten nicht im Eiltempo, sondern genießen diesen Moment – ein harmonisches und tolerantes Fest, zu dem der Verein bald wieder einladen möchte.

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