Mitglieder und Interessenten treffen sich in Jeersdorf / Kandidatensuche ein Thema

AfD plant Rotenburger Kreisverband

Rotenburg - Von Guido Menker. Nein, den genauen Ort des Treffens will Karsten Hoffmann nicht nennen. Aus Rücksicht auf den Wirt, in dessen Jeersdorfer Lokal sich am Dienstagabend knapp 20 Mitglieder der AfD sowie Sympathisanten der Partei getroffen haben. Hoffmann ist 38 Jahre alt, Politikwissenschaftler und kommt aus Rotenburg. Er selbst ist Mitglied der AfD und habe zusammen mit weiteren Mitgliedern das Treffen vorbereitet, in dem es unter anderem um die Gründung eines Kreisverbandes ging.

„Zu der Gründung ist es aber noch nicht gekommen“, sagt Hoffmann. „Wir brauchen Leute, die die Zeit und die Erfahrung haben“, fügt er hinzu. Vor diesem Hintergrund gehen die Mitglieder im Landkreis Rotenburg weiterhin als Freundeskreis AfD Rotenburg an die Öffentlichkeit. Zum Beispiel auch mit einer Seite bei Facebook. Der dort gelistete „Vertreter im Sinne des Presserechtes“ sei aber gar nicht mehr aktuell. „Stimmt“, sagt Hoffmann, „das müssen wir mal ändern.“ 341 Menschen haben auf der Seite ihr „Gefällt mir“ hinterlassen.

Etwa 30 Mitglieder habe die AfD im Landkreis Rotenburg. Ob sich aus diesem Kreis heraus Kandidaten für die im September anstehenden Kommunalwahlen finden lassen, werde sich in den kommenden Wochen herausstellen. Hoffmann selbst halte es aber für möglich, dass sich mindestens fünf oder sechs Bewerber finden ließen – zumindest für den Kreistag, wie er erklärt. Man wolle sich auch weiterhin treffen und darüber sprechen. Einmal im Monat – so sei es vorgesehen. Nach dem Abschied des früheren Bundesvorsitzenden und heutigen Chefs der Alfa-Partei, Bernd Lucke, sei die Zahl der Mitglieder auch im Landkreis Rotenburg zurückgegangen. Wie viele es einmal waren im früheren Kreisverband Rotenburg / Heidekreis, könne er nicht genau sagen. Im Heidekreis habe sich inzwischen ein eigener Kreisverband gegründet – und genau das wollen die Rotenburger nun nachholen.

Es sei am Dienstag auch um politische Themen gegangen. Fracking sei angesprochen worden, das AfD-Bundesprogramm sowie das Thema Flüchtlinge. Greifbare Beschlüsse oder Forderungen gebe es nicht.

Rubriklistenbild: © dpa

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Kommentare

Isa
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Oft wird argumentiert, Kritik an der AfD wäre durch die „Lügenpresse“ gesteuert und Äußerungen von Funktionären stünden nicht für die Position der Partei. Deshalb habe ich es getan. Ich habe das Wahlprogramm der AfD gelesen. Damit auch Ihr Euch selbst ein Bild von der AfD machen könnt – auch bei ihren bisher kaum diskutierten Positionen zu Klimawandel, Wissenschaft und Bildungspolitik. Hierfür habe ich die wichtigsten Zitate aus dem Wahlprogramm zusammengetragen. Urteilt selbst:
1. Die AfD hat ein realitätsfernes Familienbild. Um das Wirklichkeit werden zu lassen, befürwortet sie, in die Pressefreiheit einzugreifen.

2.Die AfD will Frauen auf ihre Rolle als Mutter reduzieren und ihr Leben bei illegalen Abtreibungen aufs Spiel setzen.

3.Die AfD will die “Partei der kleinen Leute” sein – und den lang erstrittenen Mindestlohn abschaffen. Sie nimmt den Ausbau des Niedriglohnsektors in Kauf und befördert damit Lohn- und Altersarmut.

4.Die AfD nutzt die Ängste vieler Menschen vor dem sozialen Abstieg aus und suggeriert mit ihrem Steuermodell vermeintliche Steuergerechtigkeit. Doch damit würde sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen.

5.Die AfD will den Schießbefehl an deutschen Grenzen. Sie wertet das Leid der Schutzsuchenden ab – und begegnet ihnen mit Gewalt statt Empathie.

6.Die AfD hält nichts von Aufklärung über die Nazi-Zeit – aber viel von autoritärer Lehre gemäß ihres Weltbildes.

7.Die AfD möchte Theatern, Museen und Orchestern vorschreiben was sie zu spielen haben. Ein direkter Eingriff in die Freiheit der Kunst.

8.Jede und jeder soll sein Leben frei wählen dürfen. Die AfD sieht das anders. Sie spricht Menschen unterschiedlichen Geschlechts und sexueller Orientierung ihre Entfaltungsmöglichkeiten ab.

9.Die AfD will dass Hartz IV-Empfänger/innen unter dem Mindestlohn zur Arbeit gezwungen werden.

10.Die AfD hält nichts von Fortschritt: Sie will die Energiewende aufhalten, an klimazerstörender Kohlekraft festhalten – und zurück zur Atomenergie.

Was sagen Rechtextremismus-Experten zur AfD?

“Die AfD will eine gegen Zuwanderung und Flüchtlinge gerichtete ethnisch-reine, völkische Nation und damit eine andere Republik. Sie ist die Partei der Mobilisierung des Ressentiments gegen Flüchtlinge, spricht von Notwehr und Widerstand und fördert damit Gewalt in einer durch die rassistische Bewegung und die gefährliche Steigerung der Gewalt gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte hoch aufgeladenen Situation der Republik.”

Hajo Funke, Politikprofessor und Extremismus-Experte

“Die Partei artikuliert Hass und ermöglicht so klaren Rechtsextremismus.”

Wolfgang Benz, Historiker und Extremismusforscher

“Spätestens seit der Abspaltung des Lucke-Flügels weist die AfD die für rechtspopulistische Parteien charakteristischen Merkmale auf: Populistisch ist die AfD aufgrund ihrer vehementen Anti-Establishment-Kritik und ihres Anspruchs, als einzige ‚Alternative‘ die eigentlichen Interessen des Volkes beziehungsweise von dessen schweigender Mehrheit zu vertreten (Decker 2015: 113). Darüber hinaus rechtspopulistisch ist die AfD aufgrund ihrer exklusiven Vorstellungen eines als homogen imaginierten Volkes, das es gegenüber allem Fremden sowie äußeren Feinden vehement zu schützen gilt (vgl. Lewandowsky 2015: 222).”

Quelle: Otto Brenner Stiftung, „Die AfD vor den Landtagswahlen 2016. Programme, Profile und Potenziale“