Am 16. September geht`s los

Mit Schachbrett-Sitzmuster: Rotenburger Konzerte starten in die neue Saison

Niels Kruse (l.) und Wilhelm Hahne peilen den Neustart der Rotenburger Konzerte an. Am 16. September soll es losgehen.
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Niels Kruse (l.) und Wilhelm Hahne peilen den Neustart der Rotenburger Konzerte an. Am 16. September soll es losgehen.

Rotenburg – Wenn sich am kommenden Samstag in der Rotenburger Fußgängerzone ein Stand von Kommunalpolitikern an den nächsten reiht, dann wird ein Banner zwischen den von Flyern und Plakaten grinsenden Politikern herausstechen: Am Stand der Rotenburger Konzerte geht es darum, „leere Hallen und Herzen zu füllen“, wie Vereinsvorsitzender Wilhelm Hahne es poetisch ausdrückt. Schließlich beginnt am 16. September die neue, siebenteilige Konzertreihe.

Auch die Rotenburger Botschafter für Kammermusik müssen also die Gelegenheit nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen und für die kommende Konzertsaison zu werben: „Normalerweise sprechen unsere Konzerte und Künstler für sich“, meint der zweite Vorsitzende Niels Kruse. Der Ausfall der kompletten letzten Saison der seit 70 Jahren bestehenden Konzertreihe habe sich jedoch auch hier in fehlenden Neu-Abonnenten bemerkbar gemacht, die normalerweise den Schwund der Abonnenten im reiferen Alter durch gesundheitliche Einschränkungen oder Tod ausgleichen.

Die Finanzen, sie sehen auch beim ehrwürdigen Verein der Verfechter für Livekonzerte mit hohem künstlerischen Anspruch weniger rosig aus als üblich. Den Ausgaben für Flyer und Plakate in der vorigen Saison standen keinerlei Einnahmen gegenüber, weil fast alle Konzerte ausfielen. Verlassen könne man sich hingegen auf den Großteil der Sponsoren und auf die treuen Stammgäste. Ein Großteil habe von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, das Abo ruhen zu lassen. Und auch die Stadt unterstütze mit der Übernahme dreier Flügelmieten und einem Förderbetrag.

Mit den Einnahmen durch Eintritte sieht es beim Neustart gemischt aus: Nicht nur die Coronaverordnung reduziert die Anzahl der Sitze, sondern auch die neue Brandschutzverordnung. „Dadurch fällt von den ursprünglich mehr als 400 Plätzen schon mal rund ein Drittel weg“, so Hahne. In der kommenden Saison erwartet die Besucher ein „Schachbrett-Sitzmuster“, das eine maximale Auslastung verspreche. Konkret heiße das: Die Besucher sitzen einzeln, die Plätze werden nach Ankunft gefüllt, die Einteilung „unten“ und „oben“ bleibe erhalten. „Später bekommen alle ihre angestammten Plätze wieder“, verspricht Hahne.

Normalerweise sprechen unsere Konzerte und Künstler für sich.

Niels Kruse, zweiter Vorsitzender des Vereins Rotenburger Konzerte

Geblieben ist hingegen ein Großteil der geplanten Programmpunkte – bis auf ein Konzert sind alle Künstler wie geplant verfügbar. Beim Blick aufs Banner kommt Kruse, künstlerischer Leiter des Vereins, ins Schwärmen: Vom „Voktett“, einem vokalen Doppelquartett mit Cellobegleitung und viel Bach im Programm, über das auch in der Jazzszene bekannte Duo Andrianov/Illarionov an Gitarre und Cello bis zum Stuttgarter Kammerduo, Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs – nicht die einzigen aufstrebenden Künstler, die Kruse dank seines guten Drahts zum Deutschen Musikrat für Rotenburg gewinnen konnte. Besonders freut sich Kruse auf Maciej Frackiewicz. Der Dozent der Musikhochschule Detmold bringe mit dem Akkordeon „ein ganzes Orchester“ auf die Bühne – nicht nur für das Publikum im Lucia-Schäfer-Saal in der Realschule, sondern bei „Klassik an der Grundschule“ in der Schule am Grafel. Spannend wird es auch beim „Trio d‘Iroise“, dem einzigen Neuzugang, das einen Schwerpunkt auf im Zweiten Weltkrieg entstandenen Stücken unterschiedlicher Komponisten legt, die den Holocaust nicht überlebten.

Den Auftakt macht Bariton Dominik Köninger mit Klaviertrio-Begleitung mit einem Beethoven-Programm, dem letzten Nachtrag aus dem weitgehend ausgefallenen Beethoven-Jahr 2020. Und dann gibt es, sehr zum Stolz der Rotenburger Klassik-Veranstalter, noch eine Weltpremiere: Beim Festkonzert des Parfenov-Duos am 16. Dezember, kommt anlässlich des 70. Bestehens die beim Pianisten André Parfenov in Auftrag gegebene Fantasie „Lucia Schäfer – ein Leben für die Musik“ zur Welturaufführung.

Wie die Organisatoren angesichts aller planerischen Unwägbarkeiten in die kommende Saison blicken? „Wir müssen optimistisch sein und unserem Publikum wieder etwas bieten, damit die lang gehegte Pflanze Kultur nicht verdorrt“, betont Hahne. Einen Plan B für den Fall einer Verschärfung der Bedingungen infolge der Pandemie haben die beiden in petto: „Die Künstler haben sich allesamt bereit erklärt, leicht gekürzte Doppelkonzerte von einer Stunde Länge zu spielen“, erzählt Kruse.

Für alle bevorstehenden Konzerte gibt es ein kleines Kontingent an Karten an der Abendkasse. Die Einlasskriterien gelten je nach aktueller Verordnung.

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