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Mit feinem Besteck gegen die Schmerzen im Knie

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Von: Michael Krüger

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Chirurg Professor Max Daniel Kauther (Mitte), Radiologe Professor Thomas Vestring sowie sein Kollege Marc Engelhardt wollen Knieprobleme lindern.
Chirurg Professor Max Daniel Kauther (Mitte), Radiologe Professor Thomas Vestring sowie sein Kollege Marc Engelhardt wollen Knieprobleme lindern. © Michael Krüger

Knieprobleme haben viele Menschen. Wundermittel gegen Arthrose und Co. gibt es noch keine. Ein Ärzteteam vom Diako verspricht mit einer neuen OP-Methode nun aber deutliche Fortschritte in der Schmerztherapie.

Rotenburg – Die letzte Grätsche beim Kreisligaderby ging etwas nach hinten los, oder das Wandern auf dem Nordpfad führt zum Gelenk, das dick und warm wird: Knieprobleme beschäftigen viele Menschen auch in der Region – ältere ebenso wie jüngere. Ein interdisziplinäres Team des Rotenburger Diakonieklinikums bietet nun ein besonders schonendes Operationsverfahren an, um Schmerzen zu lindern und so den vielleicht irgendwann notwendigen Schritt zur Kniegelenksprothese hinauszuzögern.

Professor Thomas Vestring spricht von „beleidigten Arterien“, um die es geht. Um die kümmert er sich mit seinem Team – egal, ob es um einen Unfall, dessen Folgen oder schlichtweg altersbedingte Verschleißerscheinungen geht. Abnutzungen am Knorpel führen zu einer Entzündungsreaktion, Knochen können angegriffen werden: Arthrose. In Deutschland haben laut Deutscher Arthrose-Hilfe dadurch etwa fünf Millionen Menschen Beschwerden. Ist der schützende Knorpel zerstört, führt das zu starken Schmerzen. Betroffene können das Knie nicht mehr richtig belasten, treiben weniger Sport und sind im Alltag eingeschränkt. Gegen die akuten Beschwerden verschreiben Ärzte oft Schmerzmittel oder spritzen Cortison in den Gelenkspalt, mit Physiotherapie soll das Gelenk entlastet und Muskeln gestärkt werden. Aber das reicht oft nicht.

Gegen „beleidigte“ Blutgefäße

Rund 200 000 Betroffene, sagt Professor Max Daniel Kauther, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, erhalten jährlich ein künstliches Knie. Zu viel? „Das ist immer ein großer Eingriff für den Patienten.“ Zwar könne die Prothese gut zehn Jahre sehr gut funktionieren, aber besser wäre es, diesen Schritt hinauszuzögern, sofern das Knie noch „funktioniert“, gerade bei jüngeren Patienten. Und manch ein älterer Patient sei auch gar nicht mehr in der Lage, die große Operation zu ertragen. Das Team um Kauther und Vestring geht bundesweit als eines der ersten stattdessen genau dorthin, wo der Schmerz entsteht: die „beleidigten“ Blutgefäße werden stillgelegt. Bei der Kniegelenksarterien-Embolisation werden winzige Kunststoffkugeln über einen superdünnen Katheter über die Hüfte in die betroffenen Kniegelenksarterien gespült. Sie verschließen die Blutgefäße, die die Schmerzen verursacht haben – diese seien bei Knieproblemen oft das Hauptproblem.

Die Basketballerinnen der Avides Hurricanes kennen das Thema sehr gut: Ein kaputtes Knie ist beim Hallensport keine Seltenheit – Spätfolgen nicht ausgeschlossen.
Die Basketballerinnen der Avides Hurricanes kennen das Thema sehr gut: Ein kaputtes Knie ist beim Hallensport keine Seltenheit – Spätfolgen nicht ausgeschlossen. © Freese

Klar ist aber auch: „Wenn es mal zu Arthrose kommt, ist es ein unumgänglicher Prozess“, sagt Kauther. Zwar gebe es auch Methoden wie das Einsetzen künstlich gezüchteter Knorpelzellen, eine komplette Heilung sei aber weitgehend ausgeschlossen.

Ein erster Patient im Diakonieklinikum dürfte Betroffenen Mut machen. Ein 68-jähriger Mann hat die Embolisation zur Jahreswende vornehmen lassen. Da ihm noch weitere Tumor-Operationen bevorstehen, hatte er sich für diesen minimalinversiven Eingriff nur mit örtlicher Betäubung entschieden. Die Patienten, so Kauther, könnten nach dem Eingriff nach einer Nacht im Krankenhaus wieder nach Hause, größere Einschränkungen gebe es nicht. Das Risiko sei sehr gering, die Erfolgsaussichten, den Schmerz loszuwerden, sehr groß – das zeigt der erste Fall im Diako: „Der Mann ist vollkommen beschwerdefrei.“

Der Prozess bei Arthrose lässt sich nicht zurückdrehen. Sonst würden wir für den Nobelpreis nominiert. Aber wir können helfen.

Professor Thomas Vestring

So einfach das Verfahren für den Laien klingt – Arterie schließen, Schmerz weg –, so schwierig ist die technische Umsetzung, betonen die Diako-Ärzte. Man müsse halt sehr genau arbeiten, um die betroffenen Stellen zu erreichen. Niedergelassene Fachärzte könnten das kaum leisten, das klinikübergreifende Team im Diako schon. Unter der Kollegenschaft der Haus- und Fachärzte wolle man für die neue Methode nun werben. Wer sich direkt als Patient im Diako zum Verfahren beraten lassen will, könne das zum Beispiel in einer Sprechstunde der Unfallchirurgie: 04261 / 772316 oder online über die entsprechenden Formular auf der Diako-Website.

Um das Knie zu schonen und es vielleicht gar nicht so weit kommen zu lassen, dass Therapien notwendig werden, rät Chefarzt Kauther vor allem zu Bewegung: Muskulärer Aufbau und kein zu hohes Körpergewicht seien entscheidend für ein gesundes Knie: „Je länger man aktiv ist, desto länger leben sie.“

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