Rotenburgs Rathauschef tritt nicht wieder an

Bürgermeister Weber geht mit einem Gefühl von Stolz

Andreas Weber mit Frau Claudia
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Immer an seiner Seite: Andreas Weber mit Frau Claudia im heimischen Garten.

Rotenburg – Wie denken Rotenburgs ehemalige Bürgermeister über ihre Amtszeit, was hat sie gefreut oder geärgert, worauf kommt es in diesem Amt an? In einer kleinen Serie lassen wir vier ehemalige Rotenburger Bürgermeister zu Wort kommen. Der letzte Gesprächspartner in diesem Reigen ist Rotenburgs derzeitiger Noch-Bürgermeister Andreas Weber. Er war vor seiner Zeit als Rathauschef Landeskriminalamtsleiter in Bremen. 2014 löste er als Kandidat der SPD Amtsinhaber Detlef Eichinger ab. Im Juni 2020 hatte er erklärt, bei der Kommunalwahl am 12. September nicht wieder als Bürgermeisterkandidat antreten zu wollen. Kommende Woche wird Andreas Weber 64 Jahre alt.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf Ihre Jahre als Bürgermeister der Stadt Rotenburg zurück?

Ich verspüre große Dankbarkeit für die Wertschätzung aus der Bevölkerung und Dank für die tolle Arbeit und Unterstützung durch die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung. Ein besonderer Dank geht an meine Frau Claudia, die mir immer zur Seite gestanden hat. Ich empfinde bis zuletzt großen Respekt vor der Aufgabe. Als ich die Wahl gewonnen hatte, war mir wegen der riesigen Verantwortung gar nicht recht zum Feiern zumute. Letztlich ist es ein Gefühl von Stolz, was wir gemeinsam mit so vielen Ehrenamtlichen erreicht haben. Gleichzeitig bin ich durchaus auch verwundert über ganz persönliche Anfeindungen und Herabwürdigungen.

Was hat Sie damals motiviert, dieses Amt anzutreten?

Seit 2011 bin ich im Stadtrat. Irgendwann wollte ich für Rotenburg noch mehr Verantwortung übernehmen, etwas gestalten und meine beruflichen Erfahrungen einbringen, mich unter anderem für das Ehrenamt, für Kirche und Sport starkmachen. Ich habe dabei große Unterstützung aus meinem Freundeskreis und von vielen Bürgern bekommen. Ich wollte die Probleme an den Schulen und bei den Finanzen angehen, und es sollte ein Konzept für die Stadt- und Verkehrsentwicklung erstellt werden. Wichtig war mir, nicht mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sondern eine Tür zu finden, um diese zu öffnen.

Was waren die größten Herausforderungen Ihrer Amtszeit?

Sicherlich die Zuwanderung von letztlich 450 Flüchtlingen 2015/16. Diese beachtliche Aufgabe haben wir gemeinsam ohne Angst, mit viel Vertrauen, vielen Helfern, großem ehrenamtlichen Engagement und einem guten Netzwerk bewältigt. Viele unserer Neubürger haben in Rotenburg schon Arbeit gefunden und helfen jetzt uns! Die Presse hat dabei mit guter Wortwahl zum Gelingen dieser Herausforderung beigetragen. Die beginnende Ganztagsbetreuung in unseren Schulen war eine andere große Aufgabe, die bewältigt werden musste. Da waren enorme Anstrengungen erforderlich, um während der Betriebszeit Sanierungen durchzuführen. Im selben Zeitraum mussten 250 neue Krippenplätze geschaffen werden. Gleichzeitig endete die Amtszeit fast aller Führungskräfte im Rathaus, die es neu zu finden und einzuarbeiten galt. Auch eine Herkules-Aufgabe, die gemeinsam mit Bernadette Nadermann gelungen ist. Und parallel ging es um einen sicheren Haushalt und die weitere Entschuldung. Auch das haben wir hinbekommen. Vergessen dürfen wir die Pandemie nicht, die noch immer ihr Unwesen treibt und vermutlich die schwierigste Herausforderung war und ist. Hier kommt es auf intensive und gute Kommunikation an. Unsere niedrigen Inzidenz-Werte und die zurückgewonnenen Freiheiten sind ein guter Lohn für unsere Anstrengungen.

Andreas Webers Bild in der „Ahnengalerie“ des Rathauses wandert im November in die Reihe der ehemaligen Bürgermeister.

Worüber haben Sie sich besonders geärgert?

Umliegende Kommunen wie Zeven, Oyten, Achim und Lilienthal sind offensichtlich klüger als wir, haben bereits eine Oberstufe in ihrer Integrierten Gesamtschule (IGS). Ich bin traurig darüber, dass wir das offenbar nicht hinkriegen. Und mich ärgert, dass man selbst mit guten Argumenten nicht überzeugen kann, wenn es auch um die Themen Baukultur, Verkehr oder sogar Friedwald geht. Ärgerlich ist sicher auch die Mentalität mancher Trittbrettfahrer, wenn andere gute Initiativen der Verwaltung als eigene Ideen verkaufen.

Was waren schönste Momente?

Bis zu diesem Tag bin ich als Bürgermeister ungefähr 2 460 Tage im Amt. Schwer zu sagen, welche Momente die schönsten waren, weil es so viele gab. Sicherlich zählt dazu aber die Unterstützung der Bewohner und Mitarbeiter der Rotenburger Werke bei „La Strada“. Höhepunkte war sicherlich auch das „laut & draußen“ auf dem Pferdemarkt, die Ehrungen der „Stillen Stars“, die Fertigstellung des Skateparks, die Sportler-Ehrungen, das Stadtradeln mit immer größerem Zulauf. Und ganz allgemein sind schönste Momente, wenn man große Bereitschaft der Menschen erfährt, die sich ehrenamtlich engagieren und helfen, wo Hilfe notwendig ist.

Welche Eigenschaften muss ein geeigneter Kandidat für den Job des Bürgermeisters mitbringen?

Hohe Identität mit der Heimatstadt ist genauso wichtig wie ein wertschätzendes Menschenbild. Ob groß und einflussreich oder klein und hilfsbedürftig – jedem Menschen gilt die volle Aufmerksamkeit des Bürgermeisters. Guter Führungsstil ist in dieser Position natürlich entscheidend, und der funktioniert mitarbeiter- und leistungsorientiert. Selber braucht der Rathauschef Entscheidungsfreudigkeit. Wichtig vor allem ist die eigene Authentizität. Was der Bürgermeister vorgibt, muss er auch selber leben, sonst ist er nicht glaubhaft.

Lesen Sie auch die ersten drei Teile dieser kleinen Serie: Die Geschichten mit Jürgen Jürgensen, die mit Heinz-Günter Bargfrede und jene mit Detlef Eichinger!

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