Rotenburg: Gastwirte wollen spätestens am 1. April wieder öffnen

Mit der Geduld am Ende

Nach langer Zeit melden sich die Wirte wieder zu Wort. Sie wollen ihre Betriebe wieder öffnen.
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Nach langer Zeit melden sich die Wirte wieder zu Wort. Sie wollen ihre Betriebe wieder öffnen.

Rotenburg – Wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch erneut mit den Länderchefs über wichtige Fragen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie berät, werden die Gastronomen aus der Region wieder sehr genau hinhören. Und im Vorfeld machen sie mobil, um der Forderung nach einer baldigen Wiedereröffnung ihrer Betriebe Nachdruck zu verleihen.

Landesweit verteilen Vertreter des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) am Montag eine Resolution an die Politik. „Wir können. Wir müssen. Lasst uns öffnen!“ – mit diesen Worten ist das Papier überschrieben. Der Dehoga-Kreisverband-Vorsitzende Hans-Wilhelm Röhrs bittet für die Übergabe den CDU-Landtagsabgeordneten Eike Holsten zu Tisch – genau vor dem Eingang des Rotenburger Rathauses. „Ich verstehe sehr gut den dringenden Wunsch nach Lockerungen und fordere eine klare Strategie zur Öffnung. Einen konkreten Zeitpunkt müssen die Länderchefs vereinbaren“, erklärt Holsten.

Die Resolution indes beinhaltet ein klares Datum: Spätestens vom 1. April an wollen die Gastronomen wieder Gäste bewirten. Pünktlich zu Ostern also. Hotelier Frank Westermann vom „Heidejäger“ in Mulmshorn: „Ostern fällt der Startschuss für eine neue Saison. Wir hatten lange genug geschlossen und sind mittlerweile mit unserer Geduld am Ende.“ Lange Zeit hätten er und seine Kollegen still gehalten – jetzt werde es Zeit, dass es endlich wieder losgeht, findet er.

Es gehe nicht nur um die wirtschaftliche Existenz der Betriebe, die immerhin Hilfen vom Staat bekommen haben. „Nein, es geht auch um unsere Mitarbeiter.“ Camil Hanic ist einer von ihnen. Der 63-Jährige arbeitet seit 28 Jahren als Koch und sagt es deutlich: „Mit der Kurzarbeit komme ich nicht klar.“ Zu wenig in der Geldbörse – da reiche es auch nicht, ein oder zwei Mal pro Woche den Herd anzuschmeißen, um Bestellungen zu bearbeiten. Westermann: „Wir machen das den Mitarbeitern zuliebe – und für unsere wenigen Hotelgäste.“

Verständnis für die schwierige Situation zeigt auch Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Während die 13 Wirte und einige ihrer Mitarbeiter vor dem Rathaus leere Stühle und einen frühlingshaft gedeckten Tisch platzieren, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, kommt der Verwaltungschef kurz nach draußen und sucht das Gespräch. „Ich würde gerne mal wieder ihre Dienstleistung in Anspruch nehmen“, erklärt er. Und genau so geht es vielen Menschen. Röhrs: „Selbst wenn wir jetzt bald öffnen, wird die Bude nicht sofort wieder voll sein.“ Natürlich werde man weiterhin mit Einschränkungen arbeiten müssen. Es gehe vor allem um eine Öffnungsperspektive.

Genau die hält Eike Holsten für möglich, genau die erwartet er am Mittwoch von der großen Konferenz der Länderchefs mit der Kanzlerin. „Ich schaue mit großer Spannung auf den Mittwoch“, sagt er. Es brauche eine Öffnungsstrategie – nicht nur für die Gastronomie, sondern vor allem auch für die Kitas und Schulen. Den Einzelhandel habe er ebenfalls im Blick. „Sie alle brauchen eine klare Perspektive“, erklärt der Christdemokrat.

Hans-Wilhelm Röhrs deckt symbolisch einen Tisch. Es gibt aber weder was zu trinken noch etwas zu essen.

Dabei setzt Holsten vor allem für eine Differenzierung. Er werbe dafür, dabei diskutieren zu dürfen, ob neben der reinen Inzidenzzahl auch weitere Aspekte berücksichtigt werden sollten. Die R-Zahl, die möglichen Hygienekonzepte, die aktuellen Belegungszahlen in den Krankenhäusern, die Impfstrategie sowie die Möglichkeit, mit Schnelltests einen weiteren Hebel im Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19 zu nutzen. Eine regionale Differenzierung bei Kitas und Schulen sei seiner Ansicht nach kein Problem: „Da gibt es keinen Tourismus.“ Im Einzelhandel und in der Gastronomie sei das schon schwierig, aber vielleicht eben doch auch möglich.

Hygienekonzepte, ergänzt um Schnelltests und die umfangreiche Impfkampagne seien möglich. Und die Gastronomen hätten ja gute Konzepte schon im vergangenen Jahr entwickelt. Der Dehoga bringt es in seiner Resolution auf den Punkt: „Ohne diese konkrete Eröffnungsstrategie werden viele Betriebe des niedersächsischen Gastgewerbes genötigt sein, ihre Tätigkeit finanziell einzustellen.“ Die Politik sei jetzt aufgefordert, die reine Fixierung auf die Entwicklung der Inzidenzen aufzugeben und andere Faktoren sowie Voraussetzungen für eine kurzfristige Wiedereröffnung der Branchen zu definieren. Die Rücklagen seien vielfach weitgehend aufgezehrt, Überbrückungsdarlehen verbraucht. Nach nunmehr 25 Wochen im Lockdown innerhalb eines Jahres seien die gastronomischen Betriebe mittlerweile am Ende ihrer Kräfte angelangt.

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