Neue Baustellen

80 Millionen für die Kaserne in Seedorf

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 Oberst Christian von Blumröder

In der Fallschirmjäger-Kaserne in Seedorf gibt es neue Baustellen: Unter anderem entstehen eine neue Truppenküche und eine Sporthalle – zwei von mehreren Infrastruktur-Projekten. Auch personell und in Sachen Ausrüstung geht es für die Truppe bergauf. Das macht Oberst Christian von Blumröder, Kommandeur des Fallschirmjägerregiments 31, im Interview deutlich. Von Blumröder hat das Kommando Dienstag an seinen Nachfolger übergeben.

Von Lutz Hilken. Sie sind mit Unterbrechungen mehr als fünfeinhalb Jahre Kommandeur in Seedorf gewesen, länger als jeder andere. Was wird Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?

Das enge Zusammensein mit den Soldatinnen und Soldaten. Es ist der Traum eines jeden Offiziers, dass er so lange in einer Kommandeurs-Funktion arbeiten kann. Das ist manchmal sehr anstrengend, aber unglaublich erfüllend. Es macht mir große Freude, mit so motivierten und leistungsfähigen Leuten fast aller Altersklassen eng zusammenzuarbeiten. Der Kern dessen, was die Bundeswehr ausmacht, wird in Kampftruppenverbänden wie dem Fallschirmjägerregiment geleistet. Der Kern ist die Fähigkeit zum Kampf.

Was hat Sie besonders geprägt in Seedorf?

Positiv geprägt hat mich das Erlebnis, vom zivilen Umfeld getragen zu werden. Es ist hier völlig normal, dass Soldaten in Uniform in Geschäfte gehen, dass sie in Vereinen sind oder zum Beispiel bei den Zevener Vier-Abend-Märschen mit Schülern zusammen marschieren. Ein herausgehobenes Ereignis, das mit der besonderen Verbindung zur Bevölkerung zusammenhängt, war der Besuch des Bundespräsidenten im Februar. Diesen Schulterschluss zwischen der Bevölkerung und der Bundeswehr, den wir dem Bundespräsidenten zeigen konnten, haben wir auch bei Gelöbnissen oder 2017 bei der Feier „Zehn Jahre Bundeswehr in Seedorf“ erleben können.

Sie waren auch an mehreren Auslandseinsätzen beteiligt.

Ja, ich war in meiner ersten Phase 2010 in einem Kampfeinsatz in Afghanistan. Diese Zeit hat mich tief geprägt und mit der Fallschirmjägertruppe, aus der ich ja nicht stamme, eng verbunden. 2018 bin ich ein gutes halbes Jahr mit Angehörigen des Regiments im Irak gewesen. Der personalintensivste Einsatz für das Regiment im vergangenen Jahr war zwar der in Mali, doch auch der Einsatz im Irak war ein hochinteressanter, multinationaler Einsatz. Wir haben einerseits den Kurden geholfen, den Kampf gegen den IS zu führen, aber auch in Zentral-Irak einen Beitrag geleistet, dass die Region wieder „abkühlt“. Mein Erleben war, dass wir als Deutsche dort gern gesehen sind, weil man deutsche Hilfe und Rat sehr schätzt.

Wie blicken Sie mit gewissem Abstand auf die heutige Lage in Afghanistan?

Sie ist ernüchternd. Ich hatte mir eine positivere Entwicklung erhofft. Aber die Bewertung der Lage dort ist Aufgabe der Politik. Als Soldat bin ich derjenige, der den politischen Willen ausführt. Dieser lautete damals, dass wir Soldaten den Ausbau der Sicherheit sehr aktiv unterstützen sollten, und ich glaube, dass uns das damals recht gut gelungen ist. Die Zeit danach kann und will ich nicht beurteilen, da ich sie nicht vor Ort erlebt habe. Ich wäre gern irgendwann einmal in ein friedliches Afghanistan zurückgekehrt. Diese Aussicht besteht derzeit und auf absehbare Zeit wohl nicht.

Angesichts der in Afghanistan gefallenen und verwundeten Soldaten aus Seedorf stellt sich die Frage: War es das wert?

Die Verluste haben uns schwer getroffen. Wir vermissen unsere gefallenen Kameraden schmerzlich, und einige der verwundeten Soldaten leiden noch heute. Doch wir sind im Auftrag unseres Parlaments nach Afghanistan gegangen und haben dort unsere Pflicht getan. Es war uns klar, dass es gefährlich werden würde.

Thema Personal, Ausstattung und Ausrüstung des Regiments: Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?

Ich bin weit davon entfernt, mir Illusionen zu machen, aber es geht in vielerlei Hinsicht bergauf bei uns. Wir sind personell sehr gut aufgestellt, sind regelmäßig bei über 90 Prozent Gesamtstärke im Regiment – etwa 1 900 Soldaten. Das ist außergewöhnlich gut. Immer mehr Soldaten siedeln sich hier an, sind integriert im zivilen Umfeld. Materiell geht es ebenfalls bergauf. Wir sind noch nicht überall dort, wo wir gerne sein würden – Fallschirmjäger sind sehr anspruchsvoll –, aber wir sind auf einem guten Weg.

Gibt es weitere Bereiche, in denen Sie spüren, dass es für die Truppe aufwärtsgeht?

Ja. Wir bekommen zum Beispiel 46 neue Führungsfahrzeuge vom Typ Widder. In den letzten Monaten haben wir neue Panzer-Abwehrwaffen und Trainingsmöglichkeiten erhalten. Wir bekommen neue Gewehre, und bei der persönlichen Ausstattung tut sich auch einiges.

Inwieweit profitiert die Infrastruktur in der Kaserne?

In einem Zeitraum von 2018 bis 2024 fließen in Seedorf 80 Millionen Euro in die Infrastruktur. Dazu zählen Projekte wie zum Beispiel die Sanierung von Unterkunfts- und Lagergebäuden. Der Bau einer neuen Sporthalle ist begonnen worden, die 2021 fertig werden soll. Ebenfalls 2021 soll die neue Truppenküche fertiggestellt werden. In diesem Jahr hoffen wir, dass wir unser „Zentrum Retten und Bergen“ – das Schwimmbad – einweihen. Die Abwasseranlagen werden erneuert. Wir genießen seit 2017 das schöne Gebäude unserer „Gemeinsamen Heimgesellschaft“.

Wo sehen Sie zukünftige Schwerpunkte für das Regiment?

Erstens wünsche ich mir, dass die hier erreichte Normalität und Herzlichkeit des Zusammenhalts zwischen Bevölkerung und Bundeswehr weiter anhält. Ich wünsche mir zweitens, dass es auch materiell weiter aufwärtsgeht. Drittens wünsche ich mir, dass alle 25 Soldatinnen und Soldaten des Regiments, die sich zurzeit in den Auslands-Einsätzen in Mali, in Afghanistan und im Irak befinden, gesund und wohlbehalten zurückkehren.

zz

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