„Milch & Mehr“ – die Bauernhof-Doku auf „YouTube“ erklärt die Landwirtschaft

Aus dem Stall auf den Bildschirm

+
Die Dokumentarfilmer staunten, wie neugierig Kühe sind.

Gnarrenburg - Von Bettina Diercks. Ab in den Kuhstall, sagten sich die beiden Filmemacher Marion Wilk und Ernst Matthiesen, als sie vor etwa zwei Jahren von Hamburg aufs Land zogen. Dort fiel ihnen auf, wie groß die Wissenslücke zwischen Städtern und Dörflern ist, was die Landwirtschaft angeht. Also drehten sie eine Videoserie auf einem Milchviehbetrieb.

Die beiden Dokumentarfilmer konnten Landwirt Bernd Kücks aus Langenhausen (Gnarrenburg) für ihr Projekt begeistern, in zwölf Folgen auf der Internet-Plattform „YouTube“ und Lehr-DVD für Schulen zu erklären, wie Milchwirtschaft und Ackerbau funktionieren. Vor fast fünf Wochen wurde die erste Folge auf „YouTube“ veröffentlicht. Sie erhielt bis heute etwa 5200 Klicks.

„Seitdem wir auf dem Land leben, interessieren wir uns sehr für die Arbeits- und Lebensbedingungen von Landwirten mit eher kleinem Viehbestand“, so die beiden Autoren. „Es war gar nicht so einfach. Wir haben verschiedene Landwirte gefragt. Doch viele hatten Angst vor Presse und Kamera im Stall“, sagt Matthiesen. Kücks dagegen habe sich sofort bereit erklärt. Auch, selber den Sprecher zu mimen. „Der ist filmreif. Dem haben wir ein Mikrofon in die Hand gedrückt und der hat gesprochen wie gedruckt“, sagt Matthiesen.

„Milch & mehr“ heißt die Gnarrenburger „Bauern“-Doku im Internet. Kück erzählt in der ersten Folge auf „YouTube“ seine Familiengeschichte. Dass er in dritter Generation den Hof betreibt, der 1950 gebaut wurde und den er 1999 von seinen Eltern übernommen hat. Seitdem habe sich viel verändert. 100 Kühe und etwa 100 Stücke weitere weibliche Nachzucht leben bei Kücks, wollen gefüttert, gesund erhalten und später gemolken werden. Ein Fulltime-Job. 1992 kam der Familie die Idee, eine eigene Molkerei zu gründen. Sie produzieren seitdem selbst Milchprodukte.

Mit Kücks geht es in den Videos raus auf Äcker und Wiesen, wo er die Futtergewinnung verständlich bis ins Detail erklärt und durch die einzelnen Stationen, die so ein Betrieb mit sich bringt. „Milchbauern stärken mit ihrer Arbeit nicht nur die regionale Wirtschaft, sondern tragen auch in hohem Maße zu einer gesunden Ernährung der Bevölkerung bei“, weiß das Autorenpaar, dem am Herzen liegt, den Menschen die Welt zu erklären. „Gleichzeitig herrscht in der Öffentlichkeit jedoch eine oft falsche oder verzerrte Vorstellung vom bäuerlichen Dasein: Wer weiß schon so genau, welche Aufgaben und Herausforderungen ein Landwirt täglich zu bewältigen hat? Da konnten wir gar nicht anders, als diese Dokumentation ins Leben zu rufen. Es war uns einfach ein Anliegen“, sagt Matthiesen. Lebensgefährtin Wilk: „Es war für uns unglaublich spannend und lehrreich, einen landwirtschaftlichen Betrieb kennen zu lernen. Vieles von dem, was da passiert, haben wir bisher überhaupt nicht gewusst! Und wir sind überzeugt davon, dass es vielen anderen Menschen ebenso geht – insofern kann unsere Doku dabei helfen, Vorurteile und Informationsdefizite abzubauen.“ Mit ihrem Zwölfteiler über den hoch engagierten Milchbauern Kück wollen die beiden Journalisten dem etwas entgegensetzen.

„Wir waren total überrascht, wie neugierig Kühe sind. Vor allem die jungen, die noch keine Kälber hatten“, sagt Matthiesen. Immer wieder aufs Neue hätte ihn besonders die Geburt eines Kalbes sehr berührt. „Und, wie jedes Mal der Landwirt hofft und bangt, um jedes Leben kämpft.“

Die Filme sind jeweils rund fünf Minuten lang, wurden authentisch gedreht und journalistisch aufbereitet. Matthiesen und Wilk: „Wir wollen Interesse und mehr Verständnis für das Leben von Landwirten wecken.“ Das Autorenpaar ist überzeugt, dass es sich lohnt, gesellschaftlich wichtige Themen engagiert aufzugreifen und damit zu versuchen, etwas anzustoßen.

Die Filmdoku ist im Internet unter „YouTube“ zu sehen (www.youtube.com/user/MawiMedia). Jede Woche am Freitag wird eine neue Folge veröffentlicht. Allerdings nur zur privaten Nutzung. Für Schulen, Medienzentren und freie Bildungsträger gibt es die Filme auf DVD – verbunden mit Arbeitsmaterialien für den Unterricht. Alles zu beziehen über den Hamburger Verlag Filmsortiment, heißt es in einer Mitteilung.

www.filmsortiment.de

Mehr zum Thema:

Lätare-Spende in Verden

Lätare-Spende in Verden

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Meistgelesene Artikel

Schunkeln in der St.-Lucas-Kirche

Schunkeln in der St.-Lucas-Kirche

Selbstverteidigung im Viervierteltakt

Selbstverteidigung im Viervierteltakt

Chef vom „Lucky Dog Hostel“ ist baff

Chef vom „Lucky Dog Hostel“ ist baff

Familie aus dem Kosovo wird in Heimatland zurückgeschickt

Familie aus dem Kosovo wird in Heimatland zurückgeschickt

Kommentare