Migrantinnen wie Manal Georges suchen ihren Weg zurück in den Beruf

„Das kann sehr interessant werden – für alle“

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Manal Georges ist seit rund einem Monat in Deutschland.

Rotenburg - Das Leid und Elend vieler Familien ist die eine, tragische Seite der aktuellen Flüchtlingsdebatte. Hier muss die Soforthilfe greifen. Es folgt ein langer Weg der Integration von Menschen aus aller Welt – und der findet vor Ort statt. Die Koordinierungsstelle „Frauen & Wirtschaft im Landkreis Rotenburg“ will dazu Frauen mit dem Projekt „Do it – Rotenburger Willkommenskultur“ gezielt fördern. Migrantinnen sollen ihren Platz im Berufsleben finden. Und Unternehmen so dem Fachkräftemangel begegnen.

„Warum soll eine Ärztin als Putzfrau arbeiten?“ Thea Ohle bringt es auf den Punkt, was die Organisatorinnen bewegt. Es bringe nichts, mit Vorurteilen und Pauschalisierungen zu arbeiten. Denn: Die Frauen wollen ihre Situation selbst verbessern. Sie wollen anpacken, mitmachen, ihre Stärken einbringen. Gut ausgebildete Frauen, die im Landkreis Rotenburg eine neue Heimat gefunden haben auf der einen Seite, erfolgreiche Unternehmen, die händeringend nach Mitarbeitern suchen auf der anderen. Und die kommen nicht zusammen? Das soll anders werden. Die Koordinierungsstelle hat dazu einen ersten Schritt getan. Ende Juli waren zwölf Frauen mit Migrationshintergrund ins Kreishaus gekommen, um sich ein Qualifizierungsprofil erstellen zu lassen und Hilfe für Bewerbungsunterlagen zu bekommen. Es folgten Einzelgespräche, um auch weitere Frauen aus dem Bekanntenkreis für das Thema zu sensibilisieren.

Der nächste Schritt soll am 29. September beschritten werden. Dann wird es bei einem „Job-Dating“ im Rotenburger Heimathaus darum gehen, Kontakte herzustellen. Die Koordinierungsstelle ruft derzeit noch Unternehmen aus der Region auf, sich dort potenziellen Bewerberinnen zu präsentieren. Schirmherr der Aktion ist Landrat Hermann Luttmann (CDU).

Eine der Frauen, die dann dabei sein könnte, ist Manal Georges. Die Syrerin hat in ihrer alten Heimat als Bankangestellte gearbeitet. Im Interview verrät sie, wie sie an der Integration arbeitet.

Wie lange sind Sie schon in Deutschland und was war Ihr erster Eindruck?

Manal Georges: Ich bin erst seit einem Monat in Deutschland. Da kann ich noch nicht viel sagen. Mein Deutschkurs beginnt erst nach den Sommerferien. Ich freue mich darauf. Solange helfen mir meine syrischen Freundinnen, die schon länger in Rotenburg sind.

Wie empfinden Sie die Nachbarschaft mit Deutschen?

Georges: Bisher habe ich wenig Kontakt. Aber manchmal werde ich angesprochen, ob die Nachbarn etwas für mich und meine beiden acht und elf Jahre alten Töchter tun können. Das tut gut.

Haben Sie bisher eher Gastfreundschaft oder Ablehnung erfahren?

Georges: Nach nur einem Monat kann ich noch nicht mehr dazu sagen. Grundsätzlich fühle ich mich aber gut angenommen.

Wo fehlt es Ihnen an Hilfe?

Georges: Naja, bei der Sprache. Aber das kommt ja bald. Und bei einem Job. Ich möchte möglichst bald wieder arbeiten, am liebsten in meinem Beruf als Bankangestellte.

Wie können Sie Ihre Situation verbessern?

Georges: Ich probiere alles. Sprache lernen und arbeiten. Ganz wichtig ist für mich, dass meine beiden Töchter nach den Sommerferien gut in der Schule aufgenommen werden. Ein erstes Vorsprechen in der Schule war sehr angenehm.

Welche Pläne haben Sie?

Georges: Arbeiten, Deutsch lernen und mich um meine Kinder kümmern. Mein Asylverfahren läuft. Bisher habe ich nur eine Aufenthaltsgenehmigung für zwei Jahre.

Welche Unterschiede gibt es und wie gehen Sie damit um?

Georges: Wir essen gerne unsere Nationalspeisen und hören gerne unsere arabische Musik. Ich hoffe, aus Unterschieden wird eine Ergänzung für alle. Die Kulturen kommen zusammen. Das kann sehr interessant werden – für alle.

Was ist Ihr nächstes persönliches Ziel?

Georges: Ganz einfach – Deutsch lernen.

In den kommenden Tagen stellen wir Ihnen in loser Reihenfolge weitere Migrantinnen vor, die in der Region beruflich wieder Fuß fassen wollen.

mk

www.frauenundwirtschaft-lkrow.de

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