Michael Hawk setzt ein Film-Projekt mit Immigranten um / Donnerstagabend ist Premiere

Die Angst ist mitgekommen

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Der Filmemacher Michael Hawk mit der aus Eritrea stammenden Rigbe Grube, die Hauptdarstellerin in dem Film „Ich bin stolz, ein Rotenburger zu sein“. Entstanden ist dieser Kurzfilm vor dem Hintergrund der Flüchtlingssituation in Deutschland und gibt Migranten ein Gesicht.

Rotenburg - Von Guido Menker. Rigbe Grube weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, in einem fremden Land anzukommen. Sie stammt aus Eritrea – und lebt seit 30 Jahren in Rotenburg. Sie ist glücklich verheiratet und hat viele Freunde. Sie fühlt sich zu Hause und sagt: „Ich bin stolz, Rotenburgerin zu sein.“ Ein Bekenntnis, das der Filmemacher Michael Hawk in einem Film festgehalten hat. Es sind 15 Menschen, die stolz sind, Rotenburger zu sein und genau das auch in die Kamera gesagt haben. Am Donnerstag ist Premiere (20 Uhr, Stadtkino), dann kann das knapp dreiminütige Ergebnis dieses sozialen Film-Projektes zum ersten Mal bewundert werden. Nach nicht einmal vier Wochen hat der gebürtige Engländer Michael Hawk alles im Kasten.

Es war eine Begegnung mit Rigbe Grube, die Hawk den Anstoß zu diesem Projekt gegeben hat. „Ich bin stolz, Rotenburgerin zu sein“ – dieser Satz von ihr sei wie eine Initialzündung gewesen. „Für mich liegt in diesem Satz die Zukunft. Ich musste den Ball einfach aufnehmen“, sagt der Künstler in seinem Jupiter-Studio in Rotenburg. Gerade die aktuelle Diskussion über die Unterbringung vieler Flüchtlinge bewegt den Künstler. „Die müssen da weg, weg aus dem Krieg, sie müssen hierherkommen“, ist er überzeugt. Und sie kommen. „Sie haben alles hinter sich gelassen, ihre Familie, ihre Freunde, ihr bisheriges Leben. Aber die Angst ist mitgekommen“, weiß Rigbe Grube. Sie arbeitet auf dem Campus und somit genau dort, wo gerade erst viele Flüchtlinge aus Syrien und aus dem Irak ein Zuhause gefunden haben. „Es geht um Verzweiflung“, sagt sie. Gleich bei der Ankunft sei sie daher in den Bus gegangen und habe die Menschen willkommen geheißen – in ihrer Sprache. „Da gehen dann gleich die Gesichter auf, sind Erleichterung, Freude, Hoffnung und Dankbarkeit zu spüren und zu sehen.“

Die Frau, die aus Eritrea kommt und seit 30 Jahren hier lebt, weiß selbst genau, was es bedeutet, die Sprache nicht zu sprechen, die Menschen nicht zu kennen. Sie kann mit den Flüchtlingen reden, kann eine Brücke bauen und helfen, nach der Flucht hier Ruhe zu finden. „Sie haben vom Krieg die Nase voll, sie sind geflüchtet, haben Risiken auf sich genommen – jetzt bauen sie sich wieder auf.“

Aber auch die Rotenburger sind gefragt. Mit dem Film will Hawk Hemmschwellen abbauen. Er zeigt Gesichter von Menschen, die vor ganz unterschiedlich langer Zeit hier angekommen sind und die Integration geschafft haben. „Es sind keine Flüchtlinge, aber es sind Immigranten, die eine entsprechende Geschichte haben und für die Deutschland auch einmal ein fremdes Land war.“ Es sei kein Film für Flüchtlinge entstanden, auch keiner nur für die Rotenburger. Es sei ein Film für beide – „und er soll positive Energie geben, ein Impuls sein“, hofft der Künstler. 15 Menschen aus der Kreisstadt mit ihrer besonderen Biografie sagen, sie sind stolz, Rotenburger zu sein. „Und ich gebe ihnen einen Kanal, genau das sagen zu können“, so Hawk. Mit nur einer Ausnahme hätten sich alle, die er angefragt hat, in diesem Film mitzuwirken, bereit erklärt, dabei zu sein.

Für Michael Hawk gehe es um Mitgefühl, aber auch um Fairness. Sein Bestreben ist es, für Begegnungen zu sorgen, die aus den Menschen „Zeitgenossen“ im wahrsten Sinne des Wortes machen. „Wir entscheiden uns ganz bewusst, Zeit miteinander zu verbringen, und dabei geht es ganz wesentlich auch um Verständnis.“ Den ersten Schritt machen die Menschen, die er für den Film gewonnen hat. „Die Immigranten brauchen Hilfe und Mitgefühl – wenn nicht jetzt wann dann?“

Die Stadt Rotenburg, die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde sowie Stadt- und Landkino haben das Projekt gefördert. Die Filmmusik hat der Rotenburger Thorsten Finner beigesteuert. Vom Wochenende an soll der Film auch bei Facebook sowie auf der Homepage der Stadt zu sehen sein.

www.cinematix.eu

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