Den Menschen geht es gut

Unter der Regie von Studienmitarbeiterin Sabine Sütterlin hatten im Februar rund 30 Rotenburger über Vorzüge, Probleme und Chancen des Landkreises diskutiert. Foto: Krüger

Der Landkreis Rotenburg ist eine „ländliche Region mit vereinzelten Problemen“. Das weiß im Prinzip jeder, der hier lebt. Nun hat der „Teilhabeatlas Deutschland“ das auch wissenschaftlich festgehalten – mit weiteren Erkenntnissen im Vergleich zum Rest der Nation.

VON MICHAEL KRÜGER

Rotenburg – Die gute Nachricht zu Rotenburg vorweg: „In dem niedersächsischen Landkreis geht es den Menschen gut.“ Das ist einer der markanten Sätze in der Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Im Februar waren zwei Mitarbeiter des Projektes auch in der Region unterwegs, um hier das abzugleichen in Gesprächen mit Politikern, Funktionsträgern und Bürgern, was statistisch anhand verschiedener Kriterien im Vergleich aller 401 Landkreise und kreisfreien Städte ermittelt worden war. „Rotenburg ist absoluter ländlicher Durchschnitt, und die Zukunftsaussichten sind auch eher im mittleren Bereich anzusiedeln“, hieß es damals zum Kriterium, den Landkreis als einen aus der Kategorie „ländlich, mittel“ zu besuchen. Der andere war der Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz in Oberbayern, direkt an der Grenze zu Tschechien.

Im Gesamtergebnis heißt es nun, dass strukturschwache Regionen in Deutschland – vor allem im Osten – weiter den Anschluss an wohlhabendere Regionen und Kommunen verlieren könnten. Bevölkerungsrückgang und schwindende Daseinsvorsorge würden sich weiter verstärken, wenn von der Politik nicht gegengesteuert werde. Der Landkreis landete in der Studie im fünften von sechs Clustern, was zunächst wenig schmeichelhaft klingt. Charakterisiert wird diese Gruppe, die mit 133 Landkreisen die größte bildet, mit absoluter Mittelmäßigkeit – was Hartz IV betrifft, das Einkommen, Steueraufkommen, den Anteil der Schulabbrecher, Lebenserwartung und die Breitbandversorgung. Insgesamt sei in dieser Gruppe eine leichte Abwanderung und eine „sehr geringe Nahversorgung“ zu erkennen. Und so heißt es dann auch im Porträt des Landkreises nach dem einleitenden Satz, es gehe den Menschen gut, „auch wenn ihre gesellschaftliche Teilhabe eingeschränkt ist“. Rotenburg sei eine attraktive Region für Pendler – und so profitierten insbesondere die an der Autobahn 1 oder an der Bahnlinie Hamburg-Bremen liegenden Kommunen. „Felder, Wälder, Pferdekoppeln und Biogasanlagen dominieren die dünn besiedelte Region (...). Hier und dort finden sich gepflegte alte Ortschaften mit Fachwerkhäusern und roten Klinkerbauten oder Neubaugebiete.“ Leerstand spiele kaum eine Rolle.

Mit der Studie wollen die Autoren Entscheidungsträgern Handlungshinweise geben. Statt eine „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ zu versprechen, wie im Grundgesetz verankert, sollte die Politik vielmehr eine bundesweit einheitliche Grundversorgung definieren. Ob die Politik aus der Studie für die Region Schlüsse ziehen kann, muss sie nun bewerten. Der Teilhabeatlas ist online kostenlos verfügbar unter ww.berlin-institut.org.

Der Landkreis Rotenburg in den Zahlen der Studie

. Anteil der SGB-II-Berechtigten an der Bevölkerung unter 65 Jahren: 5,8 Prozent;

. Jährlich verfügbares Haushaltseinkommen je Einwohner: 21 472 Euro;

. Steuereinnahmekraft je Einwohner: 741 Euro;

. Anteil der Schulabbrecher: 5,6 Prozent;

. Lebenserwartung von Neugbeorenen: 80,3 Jahre;

. Wanderungssaldo der 18- bis 29-Jährigen je 1 000 Einwohner der Altersgruppe: -4,9;

. Breitbandversorgung mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde: 61,7 Prozent;

. Anzahl der näher als einen Kilometer gelegenen Versorgungseinrichtungen wie Ärzte, Supermärkte oder Schulen: 1;

. Bewohner: 163 455;

. Fläche: 2 070 Quadratkilometer;

. Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner pro Quadratkilometer.

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