Bildhauer Amir Omerovic über die Gemeinsamkeiten von Presse und Kunst

Meinungsfreiheit als etwas „ganz Natürliches“

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Für Amir Omerovic ist Pressefreiheit etwas ganz Natürliches. Das symbolisiert schon der Hahn.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Selbst der Hahn auf seinem Misthaufen würde eine Meinung verkünden, wenn er morgens kräht. Für Amir Omerovic ist diese Art von Freiheit etwas ganz Natürliches. Die Meinungs-, oder auch die Pressefreiheit – deren Tag am Dienstag abgehalten wird – war schon häufiger Bestandteil der Werke des Bremer Bildhauers. Auch die Skulptur, die in Zukunft vor dem neuen Pressehaus der Rotenburger Kreiszeitung stehen soll, stammt von ihm.

Eine bronzene Figur – umgeben von rostroten Stahlpfeilern – greift nach einem Megaphon. Es scheint auf den Boden zu fallen. „Man sollte es auffangen“, sagt Omerovic. Es ist ein Statement für die Pressefreiheit mitten in der Rotenburger Innenstadt. Am 17. Mai, kurz vor der Eröffnung des Pressehauses am Freitag darauf, will er die etwa 2,30 Meter große Skulptur aufstellen.

Der Künstler möchte die Interpretation seiner Skulptur nicht vor-, sondern lieber Rätsel aufgeben. „Bei einem Journalisten wäre das eher schwierig“, sagt er und lacht. Die Pfähle als Widerstand für die im Megaphon symbolisierte Presse? Omerovic lächelt mysteriös, jeder habe den Raum für eine Interpretation, die individuelle Lösung soll für jeden offen stehen. Als Künstler eine Intepretation in Worte zu fassen, „das wäre fatal“. „Der Mensch neigt dazu, dem Wort zu glauben – besonders dem geschriebenen“, so der Bildhauer. Der Presse oblige daher eine riesen Verantwortung. Und der Kunst? „Dem Künstler kann diese Verantwortung egal sein“, sagt Omerovic. Der Betrachter solle frei sein in seiner Meinung. So hat er die Skulptur schlussendlich auch genannt: Meinungsfreiheit.

Freiheit – er als Künstler und die Presse haben in diesem Punkt viel gemeinsam. Beide brauchen ihre Unabhängigkeit, um ihrem Beruf nachgehen zu können. Aber auch in ihren Möglichkeiten gibt es viele Parallelen. „Presse und Kunst können sehr gut in Frage stellen. Das ist besser, als immer zu versuchen, Antworten zu geben. Denn so kann sich der Betrachter selber beteiligen“, sagt Omerovic. Letztendlich werden aber beide gelesen. Sowohl Presse als auch der Künstler. Nur, „bei der Presse kommt der Anlass von außen, in der Kunst habe dieser meist mit den Emotionen und Interessen des Künstlers zu tun“, sagt Omerovic. Dieser reagiere.

Nicht nur sagen, was man denkt, auch das Gegenteil gehöre zur Freiheit dazu. „Es gibt Momente, in denen man nichts mehr erreicht, wenn man etwas sagt“, so Omerovic. Und wenn doch? „Es ist eigentlich absurd, dass wir darüber reden“. Schließlich würde sich doch jeder Mensch in irgendeiner Form äußern. „Selbst ein kleines Kind, wenn es schreit.“ Der Hahn sowieso, der hätte es fast sogar selbst vor das neue Pressehaus geschafft. Auf einem Nachrichtenhügel, so zumindest einer der ersten Entwürfe Omerovics.

„So natürlich das Thema Meinung ist, desto komplexer ist es auch“, glaubt der Bildhauer. Seine Skulptur für die Kreiszeitung ist nicht seine erste Arbeit zum Thema Meinungsfreiheit, er beschäftigt sich aber auch damit, wie sie angenommen wird. „Die Freiheit haben wir. Aber die Meinung haben, das ist ein anderes Thema“, sagt er, das Wort „Menschenverdummung“ fällt. Omerovic denkt dabei an die Leichtigkeit, „Menschen in eine Spur zu bringen“, ihre Meinung zu beeinflussen. Das merke man beispielsweise, wenn man ausländische Medien verfolgt. „In Russland haben die Medien eine andere Sicht auf die Themen als ihre westlichen Kollegen.“ Für Meinungen brauche man eben Informationen.

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