Direktkandidat bei der Bundestagswahl

Michael Stewart von der AfD - wissenschaftlicher Agnostiker

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Michael Stewart stand in der „Brasserie“ in Walsrode den Fragen der Rotenburger Kreiszeitung Rede und Antwort.

Walsrode - Von Manfred Klein. Nach Augenkontakt winkt er lässig aus dem Handgelenk und lächelt. Nach der VA-Sitzung sitzt er jetzt am verabredeten Ort, in der „Brasserie“ in Walsrode, direkt neben dem Rathaus. Erste Frage „Maikl oder Michael? Stuat oder Stewart?“ Michael Eric James Stewart bekennt sich zur britischen Aussprache seines Namens.

Dann wäre das erst mal geklärt. Seine Mutter ist Deutsche, Vater James war bis zu seiner Pensionierung Buchhalter beim britischen Militär in Fallingbostel. Michael Stewart (31) aus Walsrode ist Direktkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) im Wahlreis Rotenburg I / Heidekreis zur Bundestagswahl am Sonntag, 24. September.

Im Wahlkampf keine Zeit für Sport und Vergnügen

Stewart ist auffällig muskelbepackt. Im Gespräch mit der Kreiszeitung klärt er auf. Er macht heute ein bisschen Bodybuilding, Gewichte heben, früher hat er Fußball gespielt, dann den Kampfsport gepflegt und auch im Boxen und Kickboxen seinen sportlichen Spaß gehabt. Heute, gesteht er, kommt er aber kaum bis gar nicht mehr zu diesen Freizeitaktivitäten. Sein Job als Chemielaborant bei Dow Chemical in Bomlitz, Industriepark Walsrode, fordert im Schichtdienst viel Zeit am Tag, er arbeitet bisweilen in einer 60-Stunden-Woche. Und er muss gucken, dass er jede freie Stunde und Minute in den Wahlkampf investiert. Für Sport und Vergnügen bleibe da nichts.

Geboren ist er im Sternzeichen Krebs am 26. Juni 1986 in Achim, seine drei älteren Geschwister erblickten in Walsrode das Licht der Welt. Zeitlebens ist Stewart in Walsrode ansässig. Er ist ledig, hat seit vier Jahren eine Freundin mit Kind, sie leben aber nicht zusammen in einem Haushalt.

Was isst Stewart am liebsten? „Ich würde sagen, am liebsten Rumpsteak, auch gerne blutig, englisch.“ Kocht er selbst auch? „Ja, teilweise muss ich es auch. Auf der Arbeit habe ich nicht die Möglichkeit, das Labor zu verlassen. Wir haben aber eine Küche und müssen unser Essen also selber machen, weil ich zum Teil auch sehr lange arbeite, manchmal zwölf Stunden im Schichtdienst. Und man muss ja was Vernünftiges essen, deshalb kann ich wirklich auch gut kochen.“

Stewart will nich alles als links oder rechts einordnen

Der aktuelle Bundestagswahlkampf ist sein allererster. Stewart: „Ich habe erst letztes Jahr mit Politik angefangen.“ Stewart wurde bei den zurückliegenden Kommunalwahlen in den Stadtrat Walsrode gewählt. Seine AfD zählt hier drei Köpfe, und er ist Fraktionsvorsitzender.

Wie kam er überhaupt zur Politik? „Ich hatte in meiner Ausbildungszeit viel mit SPD-Mitgliedern zu tun. Sie waren zum Teil auch für die SPD im Stadtrat. Ich habe da so meine Erfahrungen gemacht.“ Welche? „Wir hatten auf unserer Ausbildungsstätte zum Beispiel einen von der FDP. Und der wurde sehr fertig gemacht. Es wurde hinter seinem Rücken viel über ihn gelästert. Er hatte asiatisches Aussehen und wurde immer Mini-Rösler genannt. Ich fand das nicht schön und habe mir gesagt, okay, dann will ich damit auch nichts zu tun haben. Das war mir eine negative Erfahrung.“ Stewarts Großvater war in der SPD, berichtet der Kandidat, er sei aber Ende der 80er-Jahre aus der Partei ausgestiegen und habe gesagt, „Politik ist das dreckigste Geschäft von allen“ und er wollte nichts mehr damit zu tun haben. 

Michael Stewart wollte unter diesen Aspekten selbst auch nichts mit Politik am Hut haben. Er sagt: „Ich war ein Mensch, und bin es auch heute noch, der sagt: Wenn sich jemand hinstellt und alles und jeden links oder rechts einordnet, das finde ich, ehrlich gesagt, geistig ziemlich schwach. Man muss sich doch öffnen für die Lösungen, die einfach am besten sind.“ Stewart sei kein Befürworter von parteiinternen Strömungen, Machtgehabe, Positionen und Eitelkeiten. „Ich bin kein Fan von übertriebener Parteipolitik.“ Ihm gehe es immer um adäquate Lösungen.

„Meine größte Stärke ist die Vernunft“

Was würden Sie als Ihre größte Schwäche bezeichnen? „Meine Ehrlichkeit. Das ist mein Problem. Wenn man ehrlich ist, sagt man auch mal Sachen, die nicht klug sind.“ Und weiter: „Ich sage manchmal Dinge, die ich vielleicht nicht sagen sollte. Aber ich sage sie, weil ich weiß, es ist wahr. Und ich möchte nicht da stehen und irgendetwas erzählen, was nicht stimmt. Da habe ich keine Lust drauf.“

Warum dann doch Politik? Lag es an der AfD? Stewart: „Als die AfD an den Start ging, ich glaube, es war 2013, hatte ich mich nicht für Politik interessiert. Ich habe mich auch nicht informiert, was hinter der AfD steckt.“ Als aber die Flüchtlingskrise begann und die AfD die einzige Partei war, die gegen die Aufnahme der Flüchtlinge sprach, hat sich Stewart über die politische Gruppierung schlaugemacht, wie er sagt. Er habe deren Programm „komplett durchgelesen“, sich mit AfD-Vertretern getroffen, „und ich habe festgestellt, dass das ganz normale, friedliche, freundliche Menschen sind“. Das „ging dann relativ fix, ich habe gesagt, okay, ich mach’ bei euch mit.“ Die Frage, ob er, Stewart, bei den Kommunalwahlen mitmachen wollte, beantworte er mit Ja. Im letzten Jahr wurde Stewart auf der AfD-Liste mit zwei weiteren Kollegen in den Stadtrat Walsrode gewählt. Er ist Vorsitzender der dreiköpfigen Fraktion und in mehreren Ausschüssen vertreten.

Kirche ist dem AfD-Kandidaten zu extrem

Was ist Ihre größte Stärke? „Als meine größte Stärke“, so Stewart, „würde ich die Vernunft nennen. Natürlich gibt es Momente, wo ich aus der Haut fahre. Aber ich bin ein Mensch, mit dem man immer reden kann, um es mal klar zu sagen.“

Michael Stewart hat am rechten Oberarm ein Tattoo. Was stellt es dar? „Zum einen das Jesus-Kreuz und darüber steht der Schriftzug ,virescit vulnere virtus’ – das ist der Spruch des Stewart-Clans, der heißt übersetzt: ,Je stärker die Wunde, desto größer der Mut’. Der Deutsche würde auch sagen, ,was dich nicht umbringt, macht dich stärker’.“

Jesus-Kreuz. Hat der Kandidat eine Konfessionszugehörigkeit? Stewart: „Ich bin evangelisch aufgewachsen, habe aber die Konfirmation verweigert. Ich bin einmal zum Konfirmandenunterricht hingegangen. Aber die Menschen dort, wie soll ich es sagen, waren mir etwas suspekt, das war mir alles irgendwie zu extrem.“ Heute nennt sich Stewart wissenschaftlicher Agnostiker. „Ich sage, die Möglichkeit ist da, dass es einen Gott gibt.“ Ansonsten vertraue er nur Fakten. „Das Jesus-Kreuz trage ich, weil die Person Jesus für mich das absolute Vorbild ist. Er hat gelitten und sich in seinen Augen für die Menschheit geopfert.“

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