„Mein Rotenburg – so schön!“

Ratsgymnasiasten nähern sich dem Begriff „Heimat“

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Lesen selbstverfasste Kurzgeschichten: die Neuntklässler Huyen Vu und Niklas Waßner.

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Die „Lesenacht“ am Rotenburger Ratsgymnasium hat inzwischen Tradition. Jetzt trafen sich Lehrer, Eltern und Schülern, vornehmlich aus den Klassen neun bis zwölf, um sich dem Thema „Heimat“ zu widmen. Die Idee dazu, so der stellvertretende Schulleiter Jonas-Hanns Kruse, entstand bereits vor einem Jahr mit Kollegen auf einer Zugfahrt von Rotenburg nach Bremen. Kaum jemand ahnte damals, wie aktuell das Thema werden würde.

Vier Lehrkräfte eröffnen die Lesenacht, indem sie sich erst einmal ironisch mit dem Stichwort des Abends auseinandersetzen. Eine „Beat-Polka“ des bayrischen Schlagerduos „Marianne und Michael“ sorgt für einige Heiterkeit: „Deutschland ist so schee, okay. I mog mei Germany!“ Aber auch das „Rotenburg-Lied“ des einheimischen Kantors Helmke vom Anfang des letzten Jahrhunderts klingt für heutige Gymnasiasten-Ohren zum Teil etwas befremdlich: „Mein Rotenburg, so lang noch schlägt das Herz im Busen mein, so lange sich ein Glied noch regt, bin ich und bleib‘ ich dein.“ Ist der Begriff der Heimat in der Regel verkitscht? Beschreiben Heimatgedichte und -texte etwas, „was so nie existiert hat“, fragt Kruse, nicht nur Studiendirektor am Ratsgymnasium, sondern auch Deutschlehrer. Auch das von einer Schülerin entworfene Einladungsplakat zur Lesenacht zeigt ein bewusst absolut idealisiertes Heimatbild.

Jonas-Hanns Kruse

Die Schüler lesen nach der ironisch-heiteren Eröffnung in verschiedenen Klassenräumen Texte von deutschen aber auch europäischen Schriftstellern und Lyrikern. Sie haben außerdem, wie zum Beispiel in der 9. Klasse, dazu auch bemerkenswerte eigene Kurzgeschichten verfasst. Sehr an der Wirklichkeit der jungen Leute orientiert, wo es um Freundschaften, Liebe, Vertrautsein – und eben „Heimat“ geht. Durchaus beeindruckend, was 15-jährige da aufs Papier gebracht haben.

Unter den anwesenden Schülern sind etliche, die einen Migrationshintergrund haben. Für eine aus Syrien stammende Schülerin, so einer ihrer Lehrer, bedeutet „Heimat vor allem Vertreibung“. Eine kritische, aber auch grundsätzlich positive Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff will man am Ratsgymnasium den Schülern fächerübergreifend vermitteln. Dazu stehen auch brandaktuelle Schriftsteller wie Robert Seethaler oder Joachim Meyerhoff auf dem Lehrplan. Niels ten Brink, Mitorganisator und neben seiner Lehrertätigkeit auch Öffentlichkeitsreferent der Schule, bringt es auf den Punkt: „Wenn wir sie da nicht heranbringen – wer denn sonst?“

Den Beteiligten – Schülern wie gerade auch den Lehrern – spürt man in der Lesenacht die Begeisterung für die Sache an. Gewünscht hätte man ihnen noch ein etwas größeres Interesse der Eltern. Die hätten dann zum Schluss auch in das von allen gesungene Rotenburg-Lied von Kantor Helmke mit einstimmen können: „Die kleine Stadt am Wiesengrund, mein Heimatort so traut, mein Rotenburg, so schön!“

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