Die neue CDU-Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel im Interview

„Mein Blick geht nach vorne“

Die Hände zur Merkel-Raute – reiner Zufall: Die neue CDU-Bundestagsabegordnete Kathrin Rösel im Gespräch mit der Kreiszeitung. - Foto: Freese

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die erste Sitzungswoche im Bundestag liegt hinter ihr, jetzt stehen die ersten offiziellen Besuche im Wahlkreis als Bundestagsabgeordnete an. Kathrin Rösel hat am 4. Juni die Nachfolge von Reinhard Grindel angetreten, der bekanntermaßen nun den Deutschen Fußball-Bund leitet. Im Interview mit der Kreiszeitung spricht die 45-Jährige aus Leiferde im Landkreis Gifhorn über die Perspektiven in der Region – und ihre erneute Kandidatur bei der Wahl 2017.

Frau Rösel, wo schauen Sie am Donnerstag das Spiel Deutschland gegen Polen?

Kathrin Rösel: Ich werde es zuhause zusammen mit meinem Sohn schauen, wie das Spiel am Sonntag auch. Sonst bin ich ein großer Fan vom Public Viewing, aber mein Sohn ist jetzt nach dem Abi Werksstudent bei VW, da muss er früh raus und kann auch nicht los. In Berlin werde ich aber garantiert auch noch die Fanmeile nutzen.

Säßen Sie nicht viel lieber in Saint-Denis im Stadion?

Rösel: Gar nicht. Ich bin Fußballfan, aber ich finde die Zeit hier im Moment so spannend, da kann keine Fußball-EM mithalten.

Ihr Vorgänger sitzt dort aber. Gab es vorher eine Art Amtsübergabe?

Rösel: Wir haben mehrfach miteinander gesprochen, es gab an seinem letzten Tag auch eine sehr nette Zusammenkunft in Berlin. Da konnten wir uns kurz austauschen. Fest geplant ist, dass wir inhaltliche Dinge nach der Europameisterschaft intensiver besprechen.

Gibt er Ihnen Tipps?

Rösel: Ja, auf alle Fälle. Vor der EM hat er mir sehr ans Herz gelegt, und dem Rat bin ich auch gerne gefolgt, dass ich sämtliche Mitarbeiter übernehme. Ich bin sehr froh, dass die Mitarbeiter in Berlin als auch in Rotenburg bereit waren, weiterzumachen. Ohne sie wäre ich jetzt aufgeschmissen.

Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger?

Rösel: Das kann ich noch gar nicht sagen, weil ich mich erst einarbeiten muss, um mich zu fragen: Wie hat Grindel das gemacht? Ich denke, dass ich an die meisten Dinge mit einer gesunden Naivität herangehen werde, ohne zu gucken, was in der Vergangenheit war. Mein Blick geht nach vorne. Ich muss meinen eigenen Weg gehen.

Wo wohnen Sie jetzt?

Rösel: In Leiferde im Landkreis Gifhorn. Im Moment pendel ich in den Wahlkreis. Es sind viele Termine im Sommer geplant, um die Gegend und die Menschen kennenzulernen, dann werde ich mir temporär eine Ferienwohnung nehmen. Die Pendelei ist verschenkte Lebenszeit, das ist mir zu schade. Da mache ich lieber andere Dinge vor Ort.

Ist es ein Nachteil, wenn die Abgeordnete nicht aus dem Wahlkreis kommt?

Rösel: Das weiß ich nicht. Räumlich schon, weil es viel Fahrerei gibt. Auf der anderen Seite kommt man mit einem sehr objektiven Blick auf den gesamten Wahlkreis an. Es hat Vor- und Nachteile. Wenn man vor Ort ist, kennt man die Strukturen noch besser – der Nachteil könnte sein, dass man zu sehr Teil der Strukturen ist.

Kennen Sie schon alle hauptamtlichen CDU-Bürgermeister im Altkreis Rotenburg?

Rösel: Nein.

Wir haben aktuell auch nur eine.

Rösel: Frau Dittmer-Scheele... Das Kennenlernen ist aber eines meiner ersten Ziele. Unser Rotenburger Büroleiter Eike Holsten ist noch bis kommende Woche in Elternzeit, dann geht es los.

Was haben Sie seit der offiziellen Mandatsübernahme getan?

Rösel: Am Freitag, 3. Juni, war ich schon in Berlin bei der Verabschiedung von Reinhard Grindel. Um 0 Uhr am 4. Juni griff der Status als Abgeordnete mit allen Rechten und Pflichten. Am 6. begann schon die erste Sitzungswoche im Bundestag. Dann ist man voll im Betrieb – da nimmt niemand Rücksicht.

Kommt dann die Bundeskanzlerin und sagt „Herzlich Willkommen“?

Rösel: Nee, nee... Am Donnerstagmorgen gab es die Aktuelle Stunde mit der Ansprache des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert zum Thema Erdogan und der Diskriminierung der türkischen Abgeordnetenkollegen. Davor hat er mich tatsächlich persönlich im Plenum begrüßt, da war auch die Kanzlerin dabei. Eine offizielle Begrüßung innerhalb der CDU-Fraktion wird es in der nächsten Sitzungswoche geben.

Was wollen Sie für den Wahlkreis noch erreichen bis zur nächsten Bundestagswahl?

Rösel: Zunächst bin ich darauf angewiesen, dass die Menschen mit mir in Kontakt treten, um mir ihre Sorgen und Nöte mitzuteilen. Ich kann in Berlin nur so gut für die Region sein, wie die Menschen mir den Auftrag geben in speziellen Dingen. Und dann gibt es zahlreiche Themen, die gerade in Rotenburg sehr wichtig sind – die Fracking-Gesetzgebung beispielsweise. Da tun wir uns ja noch sehr schwer in Berlin.

Gibt es diesbezüglich vor der Wahl noch eine Entscheidung?

Rösel: Das kann ich mir nicht vorstellen. Es sieht nicht gut aus in den Verhandlungen mit dem Koalitionspartner. Schade.

Was hat Sie überrascht in den ersten Tagen als Bundestagsabgeordnete?

Rösel: Die weiten Wege innerhalb des Parlamentsgebäudes. Daran muss ich mich noch gewöhnen. Ich biege immer noch falsch ab vom Plenum ins Büro. Ich habe mich auch schon verlaufen, das war sehr unangenehm.

Waren Sie mit ihrem SPD-Kollegen Lars Klingbeil schon Kaffee trinken?

Rösel: Nein, aber wir haben einen Termin in der nächsten Sitzungswoche.

Das Verhältnis Grindel-Klingbeil galt eher als etwas „unterkühlt“, trotz der großen Koalition...

Rösel: Die Zusammenarbeit der beiden kann ich nicht beurteilen. Man muss in einer Koalition schauen, wo man gemeinsame Themen hat und wie man die angehen kann. Da kann es unterschiedliche Sichtweisen geben, und die wird es auch weiter geben. Das ist ganz normal. Wäre ja auch schade, wenn man immer nur einer Meinung ist.

Wann beginnt denn der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2017?

Rösel: Zunächst einmal muss der Wahlkreis bekunden, mich zur Kandidatin nominieren zu wollen. Bis dahin denke ich nicht darüber nach. Ich würde mich aber freuen, bleiben zu dürfen.

Auf Ihrer Homepage steht: „Ich betreue bis zur Bundestagswahl 2017 den Wahlkreis Rotenburg I – Heidekreis.“ Das klingt wie: Danach nicht mehr.

Rösel: Genau. Weil ich danach hoffe, richtige Abgeordnete zu sein. Dann betreue ich nicht nur, sondern bin die Abgeordnete des Wahlkreises. Das ist tatsächlich ein Unterschied. Eigentlich bin ich ja noch Abgeordnete im Wahlkreis Gifhorn/Peine, aktuell ist mir aber die Betreuung des hiesigen Wahlkreises übertragen worden.

Was machen Sie am Tag nach der Bundestagswahl im Herbst 2017?

Rösel: Das kann ich jetzt noch nicht sagen, das weiß ich nicht.

Sie setzen jetzt, nachdem Sie als Wahlbeamtin zurückgetreten sind, voll auf die Karte Politik.

Rösel: Das ist der falsche Ausdruck. Ich habe es mir lange überlegen können. Dass es so kommt, wusste wir ja schon alle länger. Ich bezeichne es nicht als Risiko, sondern als einen weiteren Schritt auf meinem politischen Weg. Ich wusste ja, was kommen könnte, als ich mich auf die CDU-Liste habe setzen lassen.

Haben Sie sich schon mal mit Ulrike Jungemann und Andrea Kaiser über das Thema „CDU-Kandidatin 2017“ unterhalten?

Rösel: Mit Andrea Kaiser ja, mit Ulrike Jungemann nicht.

Für welchen Job würden Sie ihr Mandat niederlegen?

Rösel: Im Moment für keinen der Welt.

Zurück zum Thema Fußball: Befürchten Sie nicht, dass es Sie in dieser Region viele Stimmen kosten wird, wenn Sie sich weiter zum VFL Wolfsburg bekennen?

Rösel: Ich glaube, es würde mich mehr Stimmen kosten, wenn man merken würde, dass ich mein Fähnchen in den Wind hinge. Ich stehe zu dem, was ich sage und was ich denke.

Zur Person:

Kathrin Rösel war bis zu ihrer Mandatsübernahme als Erste Samtgemeinderätin in der Samtgemeinde Wesendorf (Kreis Gifhorn) tätig. Die Diplom-Pädagogin und Sozialmanagerin ist geschieden und hat einen 19-jährigen Sohn. Sie rückt über die CDU-Landesliste für Reinhard Grindel in den Bundestag nach. Für eine direkte Kandidatur im Wahlkreis „Rotenburg I - Heidekreis“ müsste sie auch ihren Wohnsitz in die Region verlegen.

Ob sie die Kandidatin der rund 1.800 CDU-Mitglieder in den beiden Kreisverbänden wird, soll nach der Kommunalwahl am 16. November bei einer Mitgliederversammlung in Visselhövede entschieden werden. Mit Andrea Kaiser und Ulrike Jungemann haben sich zwei weitere Kandidatinnen positioniert. Die 45-jährige Rösel ist seit 2008 Mitglied in der CDU und seit November 2011 Bezirksvorsitzende der Frauen Union Nordostniedersachsen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Organisierter Rucksacktrip: Reisen mit lokalen Veranstaltern

Organisierter Rucksacktrip: Reisen mit lokalen Veranstaltern

Blühende Kerzen und flüssiges Gold: Erntezeit am Bodensee

Blühende Kerzen und flüssiges Gold: Erntezeit am Bodensee

BVB nach 3:0 beim HSV Tabellenführer - 96 verpasst Sieg

BVB nach 3:0 beim HSV Tabellenführer - 96 verpasst Sieg

Oktoberfest 2017: Das waren die Eindrücke vom fünften Tag

Oktoberfest 2017: Das waren die Eindrücke vom fünften Tag

Meistgelesene Artikel

Geflügel- und Kleintiermarkt: Hähnewettkrähen im Schützenhaus

Geflügel- und Kleintiermarkt: Hähnewettkrähen im Schützenhaus

Zwei Wohnbauflächen sollen Minigolfplatz ersetzen

Zwei Wohnbauflächen sollen Minigolfplatz ersetzen

Start der Ferienbetreuung für Kinder: Pilotprojekt in der Oberschule

Start der Ferienbetreuung für Kinder: Pilotprojekt in der Oberschule

Rosige Zukunft für Freigesprochene

Rosige Zukunft für Freigesprochene

Kommentare