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Mehrheitsgruppe stellt Ratsantrag: Friedwald, zweiter Anlauf

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Von: Guido Menker

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Urne im Linteler Forst
Die neue Mehrheitsgruppe im Rotenburger Stadtrat bringt das Thema Friedwald noch einmal auf die Tagesordnung. Es geht um die Möglichkeiten, Urnen im Linteler Forst anonym beizusetzen. © Menker

Die neue Mehrheitsgruppe im Rotenburger Stadtrat nimmt einen neuen Anlauf in Sachen Friedwald. Bürgermeister Torsten Oestmann will dieses Thema nun mit der Friedhosverwaltung besprechen.

Rotenburg – Nachdem der Stadtrat im Sommer vergangenen Jahres dem Antrag auf Einrichtung eines Friedwalds im Linteler Forst eine Absage erteilt hat, kommt jetzt wieder Bewegung in diese Angelegenheit. Denn die inzwischen neue Mehrheitsgruppe von SPD, Grünen und Linke hat einen erneuten Antrag dazu an Bürgermeister Torsten Oestmann gerichtet.

„Ich habe nichts anderes erwartet“, sagt dazu CDU-Fraktionschef Tilman Purrucker. Dieses Thema habe schließlich beim vergangenen Bürgermeister Andreas Weber (SPD) auf der Agenda gestanden. Und Weber ist es dann auch, der den von Marion Bassen (SPD) und Stefan Fuchs (Die Grünen) unterschriebenen Antrag an das Rathaus sowie an die Presse geschickt hat. Die alte CDU/FDP/Freie Wähler-Mehrheitsgruppe hatte den Antrag im vergangenen Jahr abgelehnt.

Intensive Diskussionen

Das Projekt, heißt es im neuen Antrag, sei 2020 und 2021 intensiv in der Verwaltung und Politik diskutiert worden. Es habe eine Ortsbegehung mit den damaligen Ratsmitgliedern gegeben, das Für und Wider sei abgewogen worden. Schließlich habe der Rat das Projekt im Juli vergangenen Jahres knapp abgelehnt. „Wir haben das Thema aber auch danach weiter mit dem Rotenburger Forstamt diskutiert und erreichen können, dass die Landesforsten in Zusammenarbeit mit der Friedwald GmbH ihr Projekt nicht verworfen haben, sondern weiterhin das Angebot aufrechterhalten wollen“, heißt es weiter. Seither hätten sich die Argumente für und wider die Einrichtung eines Friedwaldes an der alten Bullenseestraße kurz vor dem Hartmannshof der Rotenburger Werke nicht geändert.

Die Rotenburger Forstamtsleiterin Lena Maack bestätigt auf Anfrage das weiterhin bestehende Interesse. „Für mich ist es eine Herzensangelegenheit“, sagt sie und führt erneut vor allem die hohe Nachfrage sowie das Bedauern nach dem Scheitern des Antrages im ersten Anlauf als Begründung an.

Wandel in der Bestattungskultur

Allgemein lassen sich in der Gesellschaft ein fortschreitender Wandel und insbesondere auch eine größere Vielfalt bei den gewünschten Bestattungsformen und -orten nachvollziehen. Genau das betonen die beiden Antragsteller. Neben dem traditionellen Erdbegräbnis würden Feuerbestattung, Bestattungen und Urnenbeisetzungen auf See oder im Wald immer häufiger nachgefragt.

Nach der Neukonstituierung des Stadtrates hätten sie mit dem Forstamt Rotenburg das Gespräch wieder aufgenommen und festgestellt, dass einerseits sowohl dort als auch bei der Friedwald GmbH weiter Interesse an der Einrichtung eines Friedwaldes in Rotenburg bestehe. Außerdem hätten auch die letzten Vorbehalte gegen einen Friedwald – es geht um die Vermutung einer erhöhten Chrom-Belastung in Friedwäldern – entkräftet werden können. Maack lässt dieses Argument der Bodenbelastung ebenfalls nicht gelten. Kritisch werden könne dies nur bei Böden mit hohen pH-Werten. Das sei bei den Waldböden hier in der Region jedoch nicht der Fall.

Wir gehen davon aus, dass der Bürgermeister sich gründlich mit den Argumenten befasst.

Tilman Purrucker

„Wir gehen davon aus, dass der Bürgermeister sich gründlich mit den Argumenten befasst“, erklärt derweil Purrucker. Und genau das werde auch die Mehrheitsfraktion machen. Die Frage werde sein, ob sich an den Umständen etwas geändert hat. „Das wollen wir nun prüfen und bewerten.“

Purrucker spricht zugleich an, dass es sich um ein emotionales Thema handele. Zudem sei klar, dass sich die Friedwald GmbH von dem Projekt Gewinne verspreche. „Ohne die Stadt Rotenburg geht das nicht, Rotenburg steht dafür gerade.“ Die Stadt trage das Risiko – „das sind Fakten“, so der Christdemokrat.

Zugleich sei festzuhalten, dass Rotenburg „zwei tolle Friedhöfe“ habe. Auch dort gebe es verschiedene Möglichkeiten für eine Bestattung. Das alles koste Geld. Würden die Friedhöfe weniger genutzt, fehle es daran. Purrucker: „Wir haben versucht, uns an Fakten zu orientieren.“

Thema mit Emotionalität

Oestmann legt sich noch nicht fest. „Ich habe den Antrag an die Kollegen in der Friedhofsverwaltung weitergegeben. Wir werden uns in den kommenden Tagen zusammensetzen und das Thema erörtern.“ Das muss auch den Antragstellern klar gewesen sein, als sie die Unterlagen im Rathaus eingereicht haben. Denn mit Blick auf die Frage der möglichen Bodenbelastungen haben sie Informationsmaterial von der Friedwald GmbH dazugelegt – mit der Überschrift „Handreichung zur Umweltrelevanz“.

Abschließend weist die GmbH, die sich ebenfalls der Emotionalität dieses Themas bewusst ist, darauf hin, schon vor mehr als 20 Jahren mit dem ersten Friedwald in Reinhardswald bei Kassel eine Veränderung in der Bestattungskultur angestoßen zu haben. Wird Rotenburg bald ein Teil dieser Kultur?

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