Bewährung für Scheeßeler

Mehrfacher Kindesmissbrauch: Amtsgericht spricht Urteil

Schild vor dem Rotenburger Amtsgericht
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Eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten erhielt ein 51-jähriger Scheeßeler, der wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs angeklagt war.

Rotenburg – Wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs eines Kindes ist ein 51-jähriger Mann vor dem Rotenburger Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Der Scheeßeler, ein guter Bekannter der Familie des Opfers, gab vor Gericht drei der vier Fälle zu, in denen er den damals vier-, später fünfjährigen Jungen unsittlich berührt hatte, in einem Fall in unbekleidetem Zustand.

Aufgefallen war das zunehmend aggressive Verhalten des Kindes im Kindergarten, der die Eltern hierauf aufmerksam machte. Die Mutter des Kindes, die als Zeugin geladen war, gab an, ihr Sohn habe sich verändert, sei zunehmend verbal aggressiv geworden, habe sein Spielzeug zerstört und eingekotet.

Die jungen Eltern hätten sich nicht mehr zu helfen gewusst, zogen neben den Schwiegereltern der Mutter ausgerechnet den jetzt Angeklagten zu Rate, der im Umfeld der jungen Familie eine Art „Nennonkel“-Rolle einnahm. Dieser gab vor Gericht an, seit längerem väterlich-freundschaftlichen Kontakt zum Vater des Opfers gehabt und sich um ihn gekümmert zu haben.

Mutter des Jungen dementiert Aussagen des Angeklagten

Seine Aussage, er habe sich des Kindes angenommen, weil die Eltern es aufgrund von Überforderung ins Heim geben wollten, wurde von der Mutter des Jungen dementiert; der Junge habe lediglich das Wochenende beim Angeklagten verbracht, wenn die Eltern arbeiten mussten oder Zeit „für sich als Paar“ haben wollten. Anfänglich habe das Kind rund zwei Mal pro Monat Zeit bei ihm, später jedes Wochenende dort verbracht.

Der Angeklagte soll den Eltern angesichts der Verhaltensänderung des Kindes zur Video-Überwachung des Kinderzimmers geraten haben. Erst eine Recherche im Internet habe die Eltern auf die richtige Spur gebracht. Nachfragen beim Kind ergaben, dass der Scheeßeler, der sich selbst als „Ziehvater“ bezeichnete, bei dem damaligen Kindergartenkind regelmäßig die Wochenenden verbracht und dort auch übernachtet hatte, das Kind mehrfach am Genital berührt hatte – beim „Rangeln“, gemeinsamen Kuscheln unter einer Decke oder beim gemeinsamen Duschen.

Scheeßeler gibt drei von vier Taten zu

Der Mann gab drei der vier Taten zu, wies jedoch jegliche sexuelle Motivation von sich. In der Vernehmung stellte er Übergriffigkeiten als eine Art „Erziehungsmaßnahme“ an dem Kind dar, wie sein Verteidiger in seinem Schlusswort ausführte. Was er dem Jungen damit angetan habe, sei ihm damals nicht bewusst gewesen.

Die Staatsanwältin hob in ihrem Plädoyer hervor, er habe das Vertrauensverhältnis zur Familie schamlos ausgenutzt und „eine ganze Familie durcheinandergebracht“. Der Vater des Kindes war wegen der seelischen Belastung über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben, die Eltern trennten sich zwischenzeitlich, nehmen beide Antidepressiva und wollen sich, wie auch ihr Kind, in Therapie begeben.

Positiv ins Gewicht fiel bei der Urteilsbemessung die weitgehende Geständigkeit, die den Beteiligten eine Aussage des heute Sechsjährigen ersparte, sowie die Tatsache, dass keine Vorstrafen vorliegen. Auch wurden dem Angeklagten günstige Sozialprognosen ausgestellt, da er einer Therapie zugestimmt hatte. Ebenfalls wurde die Summe von insgesamt 7 000 Euro, mit der er der Familie des Opfers nach Aufgeben der Anzeige finanziell geholfen hatte, Schulden aus Mietrückständen und Strafgeldern zu begleichen, als Wiedergutmachungsversuch gewertet.

Richterin und Schöffen folgen Antrag der Staatsanwaltschaft

Die Richterin und auch die beiden Schöffen folgten schließlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf ein Gesamtstrafmaß von einem Jahr und zehn Monaten, das zur Bewährung ausgesetzt wurde, einer Zahlung in Höhe von weiteren 3000 Euro an die Familie des Opfers sowie der Auflage, sich in Therapie zu begeben.

Der Angeklagte hatte übrigens das Glück, noch nach altem Recht verurteilt zu werden – nach neuem Recht ist eine Aussetzung der Strafe bei sexuellem Missbrauch von Kindern zur Bewährung nämlich nicht mehr möglich.

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