VHS sieht sich in langer Tradition

Mehr als verwertbares Wissen: 100 Jahre VHS Rotenburg

Die Besucher können in der VHS auch ihr Glück auf die Probe stellen. Fotos: Menker
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Die Besucher können in der VHS auch ihr Glück auf die Probe stellen.

Die Volkshochschule (VHS) in Rotenburg ist im November 1919 gegründet worden – als eine von vielen während einer wahren Gründungswelle nach dem Ende der Kaiserzeit. VHS-Leiter Michael Burgwald und sein Team verzichten 100 Jahre danach allerdings auf einen klassischen Festakt und schließen sich der bundesweiten „Langen Nacht der Volkshochschulen“ an. Sie ernten dafür am Freitagabend im Kantor-Helmke-Haus große Zustimmung.

Rotenburg - Während viele Besucher in das reichhaltige Programm eintauchen, unterstreicht Burgwald im Gespräch mit der Kreiszeitung, dass sich die VHS ihrer langen Tradition bewusst ist. Vor 100 Jahren habe man der Volkshochschule eine große Rolle zugedacht, um Allgemeinwissen zu vermitteln – „auch denen, die bis dahin von der Bildung weitgehend ausgeschlossen waren“. Es sei keine staatliche Aufgabe gewesen, aber eben eine, die staatlich zu fördern war. Burgwald: „Das ist auch heute noch so. Und es gibt keine Regulative, wenn es um die Frage geht, was wir anbieten.“

Vergleicht man das Angebot der VHS von 1919 mit dem in diesem Jahr, sind naturgemäß große Unterschiede festzustellen. Fast ist man geneigt, einen großen Teil des aktuellen Programms als „Folklore“ zu bezeichnen. „Das ist falsch“, sagt Burgwald energisch. „Wir haben heute einen ganz anderen Bildungsbegriff. Bei der Bildung geht es nicht nur um verwertbares Wissen.“ Es gehe um eine große Portion Persönlichkeitsbildung. Der VHS-Chef: „Das wollte man auch schon damals in der VHS erreichen – aber eben anders als heute.“ Genau diese Möglichkeit der Persönlichkeitsbildung sei „für viele auch heute das wesentliche Element, warum sie uns besuchen“, ist Burgwald überzeugt. Es gehe um Bildung, um am Gemeinwesen teilnehmen zu können. „Das setzt nicht nur Fachwissen voraus, sondern eine Persönlichkeit, die sich kritisch mit ihrer Umwelt und der Gesellschaft auseinandersetzen kann.“ Dabei spielten Kreativität und Gesundheit eine ebenso große Rolle, wie Kunst, Kultur und Sprachen sowie bestimmten Formen die politische Bildung.

Die „Lange Nacht der Volkshochschule“ gewährt da einen Einblick in eben dieses breite Spektrum, das auch Tilman Purrucker als Vorsitzender des VHS-Beirates besonders hervorhebt. „Die Volkshochschule ist auch heute noch ganz wichtig“, sagt er. Er spricht von einer freiwilligen Leistung, die es zu erhalten und auszubauen gelte. Zugleich müsse die Volkshochschule „immer auch ein Ohr an der Bevölkerung haben, um zu sehen, welchen Bedarf es gibt“, sagt er, um hinterherzuschieben, dass die VHS in Rotenburg absolut „am Puls der Zeit“ sei.

Nicht zuletzt deshalb kommen an diesem Abend so viele Besucher in das Kantor-Helmke-Haus, das sich mit Einbruch der Dunkelheit nett zurechtgemacht hat – eine bunte Bestrahlung taucht es in ein im wahrsten Sinne des Wortes anziehendes Licht.

Rotenburger VHS lädt ein zur „Langen Nacht der Volkshochschulen“

Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker
Die VHS Rotenburg lädt ein zur "Langen Nacht der Volkshochschulen". © Guido Menker

Drinnen herrscht ausgelassen Stimmung – nicht nur beim Lachyoga-Schnupperkurs, sondern vor allem beim Auftritt der Werke-Formation „Fetter Wauwi“, die die Gäste mit Schlagern unterhält und sie zum Mitsingen animiert. Lesungen in der Stadtbibliothek, eine Gästeführung, das Sprachencafé, weitere Schnupperkurse in Sachen Schach und Gitarre, Vorträge im Auditorium und der Einbürgerungstest runden die „lange Nacht“ ab. Das Glücksrad dreht sich ununterbrochen, und Mey Burgwald kommt bei der Versorgung der Besucher mit indonesischen Köstlichkeiten mächtig ins Schwitzen. Aber auch das ist VHS heute: Mit dem Förderverein der Cohn-Scheune, dem Deutsch-Französischen Partnerschaftsverein und Simbav kommen an diesem Abend weitere Gäste ins Haus, die sich und ihre Arbeit an Informationsständen präsentieren. Besonders beliebt ist dabei der Stand des Deutsch-Französischen Partnerschaftsvereins – dort gibt es nämlich auch noch Wein.

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