Mehr Tote durch Hautkrebs: Dr. Ulrike Bildau klärt über die Gefahren auf

Die Gefahr durch UV

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Die verstärkte Nutzung von Solarien sowie die Sonnenurlaube rund ums Jahr sind die Hauptgründe für den Anstieg der Hautkrebserkrankungen in den letzten Jahrzehnten.

Rotenburg - Immer mehr Menschen erkranken und sterben an Hautkrebs. 376 Patienten sind in Niedersachsen im Jahr 2014 laut Landesamt für Statistik daran gestorben – fünf Jahre zuvor waren es noch 347 Patienten. Auch für den Landkreis Rotenburg lässt sich ein Anstieg verzeichnen. Das sich verändernde Freizeitverhalten der Menschen ist ein Grund dafür, sagt Dr. Ulrike Bildau, Hautärztin am Agaplesion Diakonieklinikum in Rotenburg.

Allen Aufklärungskampagnen zum Trotz hat sich die Zahl der Menschen im Landkreis, die an Hautkrebs sterben, erhöht: Im Jahr 2009 waren es fünf Personen, 2014 schon 16 – ein Anstieg um 220 Prozent. Und das, obwohl Hautkrebs fast zu 100 Prozent heilbar ist, sofern er früh genug erkannt wird, sagt Dr. Bildau. „Einer der Gründe ist sicherlich, dass Jahrzehnte vergehen können, bis Hautveränderungen auftreten und wir jetzt die Auswirkungen von vor 20 beziehungsweise 30 Jahren sehen“, so Dr. Bildau. Hinzu komme die höhere Lebenserwartung und die erhöhte Aufmerksamkeit der Ärzte und Menschen gegenüber dieser Erkrankung.

Ein weiterer Grund sei, dass sich das Freizeitverhalten der Menschen verändert habe, so die Expertin: „Die verstärkte Nutzung von Solarien sowie die Sonnenurlaube rund ums Jahr sind die Hauptgründe für den Anstieg der Hautkrebserkrankungen in den letzten Jahrzehnten.“

Dabei gibt es einen Unterschied zwischen sogenanntem weißen und schwarzen Hautkrebs. „Unter weißem Hautkrebs werden Basalzellkarzinome und Plattenepithelkarzinome zusammengefasst, die ihre Ursprungszellen in der Oberhaut, der Epidermis haben“, klärt Dr. Bildau auf. Das Basalzellkarzinom sei der häufigste Hautkrebs. Er wachse langsam und lokal zerstörend, verursache aber keine Absiedlungen in anderen Organen, die sogenannten Metastasen. „Neben der operativen Entfernung stehen für oberflächliche Formen des Basalzellkarzinoms auch Cremetherapien zur Verfügung“, so die Hautärztin.

Das Plattenepithelkarzinom trete bevorzugt im Gesicht und an den „Sonnenterrassen“, wie Bildau sie nennt, auf. Dazu zählten zum Beispiel Ohrmuscheln, Nasenrücken und Unterlippe. Es könne sich aus Vorstufen, den sogenannten aktinischen Keratosen, entwickeln. „Das sind rötliche, schuppende Hautveränderungen, die bevorzugt an den lichtexponierten Arealen auftreten.“ Auch bei den Vorstufen sei es möglich, diese mit verschiedenen lokalen Therapien zu behandeln. Das Plattenepithelkarzinom selbst werde operativ entfernt. Abhängig von der Tumordicke bestehe das Risiko einer Absiedlung von bösartigen Zellen in die zugehörigen Lymphknoten und in seltenen Fällen in entlegene Organe.

Im Unterschied dazu entstehe der schwarze Hautkrebs – das maligne Melanom – aus den Pigmentzellen der Haut, und die Gefahr der Metastasierung nehme ebenfalls mit der Tumordicke zu. „Die meisten Melanome werden inzwischen glücklicherweise früh erkannt und mit geringen Tumordicken entfernt“, so Dr. Bildau. 85 Prozent der Hautkrebspatienten sind nach der ersten Operation geheilt.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, hat Dr. Bildau zusätzlich einige Ratschläge parat. UV-Schäden ließen sich einfach vermeiden, wenn die wichtigsten Regeln im Umgang mit der Sonne beachtet würden. „Die Kernbotschaft lautet: Sonnenbrand vermeiden!“, sagt die Expertin. Dies geschieht neben dem textilen UV-Schutz vor allem durch Sonnenschutzpräparate. Neben der Höhe des Lichtschutzfaktors sei vor allen Dingen die Menge, die aufgetragen wird, entscheidend. „Bevor man mit Tipps wie ,ein Schnapsglas voll‘ oder ,ein Teelöffel pro Region‘ beginnt, würde ich die Präparate mit Dosierhilfe empfehlen – da gibt es dann keine Zweifel mehr, wie dosiert werden soll. Der Lichtschutzfaktor sollte nicht geringer als 30 sein“, erklärt Dr. Bildau.

Daneben sei es wichtig, die Mittagssonne zu meiden. Viele Menschen fänden den Sonnenschutz bei einigen Gelegenheiten unnötig, wie auf dem Balkon, der Terrasse und beim Sport im Freien. Doch auch dabei sollte Sonnenschutz aufgetragen werden. Die Expertin rät darüber hinaus, mit Kindern in den ersten Lebensjahren grundsätzlich nicht in die Sonne zu gehen und später nur mit textilem Schutz und hohem Lichtschutzfaktor.

Für die frühzeitige Diagnose und damit eine gute Prognose gibt es in Deutschland als einziges Land ein flächendeckendes Hautkrebs-Screening für Patienten ab 35 Jahren. Dr. Bildau rät dazu, diese Möglichkeit auch wahrzunehmen: „Es wäre wünschenswert, wenn möglichst viele Menschen dieses kostenlose Screening beim Dermatologen oder Hausarzt nutzen.“

iq/mk

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