Nutrias und Katzen: Kreispolitik uneins über Maßnahmen

Der Weg zu mehr Tierschutz

Streunende und herrenlose Katzen stellen auch im Landkreis Rotenburg eine Gefahr dar. Foto: Menker

Rotenburg – Die Summen, um die es geht, sind im Vergleich zum Gesamthaushalt des Landkreises von mehr als 130 Millionen Euro nur sehr gering, auch thematisch stehen Katzen und Biberraten zumeist nicht ganz oben auf der Prioritätenliste der Kreispolitik. Und doch sind Fragen des Umgangs mit Tieren mit entscheidend daran, dass es zwischen den Gruppen im Kreistag knirscht. Der Landrat hat auch deswegen vorsorglich schon einmal den Beginn des Wahlkampfs für 2021 ausgerufen.

Tatsächlich stimmen SPD, Linke und AFR gegen den Haushaltsplan 2020. Ein Knackpunkt vor allem für die Genossen: die nicht in ihrem Sinne angehobene Förderung von Umweltschutzprojekten. 350 000 Euro hatte die SPD zuletzt kurzfristig gefordert, 150 000 hat die Kreistagsmehrheit um die CDU durchgesetzt. In diesem Jahr, darauf weist Landrat Hermann Luttmann (CDU) hin, seien auch bei einem Volumen von 100 000 Euro alle Anträge für Zuschüsse genehmigt worden. „Unser Landkreis ist besonders betroffen vom Artensterben“, kontert SPD-Umweltpolitiker Volker Kullik. „Wir müssen auch mal Reaktionen zeigen.“

Also mehr tun. Doch was genau? Mit der Ausweisung von Naturschutzgebieten ist es nicht getan. Es muss aktiver vorgegangen werden. Das ist über die Parteigrenzen hinweg unbestritten. Nur über den Weg gibt es unterschiedliche Auffassungen. 30 000 Euro gibt es Landkreis zum Beispiel im kommenden Jahr für die Bekämpfung invasiver Arten mit Fallen. Vor allem geht es um Nutria, Waschbär und Marderhund. Von „gravierenden Folgen spricht Kullik, sein CDU-Kollege Heinz-Hermann Holsten sieht „dringenden Handlungsbedarf für den Naturschutz“. Gerade die Nutrias stellten durch ihre starke Vermehrung als hier nicht heimische Art eine Gefahr für den Gewässerschutz, die Landwirtschaft und andere Arten dar. Jäger sollten in ihren Bemühungen, die Verbreitung einzudämmen, mehr unterstützt werden, so die Argumentation der Mehrheitsgruppe um die CDU. Dafür das Geld. Für die SPD ist das „wenig zielgerichtet“ und keine wirksame Methode. Sie enthält sich der Abstimmung. Für Kullik wäre das alles nur „Symptom- nicht Problembekämpfung“.

Ist das beim Thema Katzen anders? Hier sind wiederum die Genossen federführend, sehen sich aber mit der Ablehnung durch die Mehrheitsgruppe und der Verwaltung konfrontiert. Im Prinzip Einigkeit: Streunende, herrenlose Katzen sind ein Problem. Daran zweifeln auch Tierschützer nicht mehr, und deswegen haben auch im Landkreis bereits mehrere Kommunen entsprechende Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsverordnungen auf den Weg gebracht. Die Genossen und der Linken-Abgeordnete Nils Bassen wollten, dass der Landkreis als Flächenbehörde die Kastrationspflicht einführt. „Es ist für mich unbegreiflich, dass wir uns hier noch nicht auf den Weg gemacht haben“, sagt Kullik. Im Sinne der „Gefahrenabwehr“ müsste der Landkreis handeln, argumentiert er. Streunende Katzen seien eine Gefahr für viele Wiesenvögel und Niederwild, sie seien eine Gefahrenquelle für den Straßenverkehr, belästigten Menschen und würden sich selbst quälen, wenn sie verletzt sind. Heinz-Hermann Holsten bezeichnet Katzen als „unerwünschte Beutegreifer“, die bundesweit mehr als zehn Millionen Vögel töteten. Hans-Jürgen Krahn (CDU) betont folgerichtig, dass man sich inhaltlich einig sei. Genau deswegen habe seine Kommune, Sottrum, auch solch eine Kastrationspflicht eingeführt. Nur: Die Zuständigkeit müsse vor Ort liegen. Die Kreisverwaltung stimmt umgehend zu. Man habe nicht das nötige Personal, um effektiv Kontrollen durchzuführen, auch gäbe es rechtliche Probleme.

„Katzen sind ein ganz schwieriges Thema“, weiß auch Landrat Luttmann. Emotional besetzt, müsse man in der Bevölkerung stets um Akzeptanz werben. Dass allerdings dringender Handlungsbedarf auch in dieser Frage besteht, sei unbestritten. „Mit der Thematik müssen wir uns in den kommenden Jahren noch intensiver beschäftigen“, sagt der Verwaltungschef. Katzen und Nutrias: „Der ein oder andere hat vielleicht noch gar nicht kapiert, was da auf ihn zukommt.“ Schon in naher Zukunft müsse man dann weitere Tierschutz- und Umweltfragen stärker ins Blickfeld nehmen: „Die Afrikanische Schweinepest und den Wolf.“

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