Bemühungen um Kino und Disko forcieren

Rotenburg soll für Jugendliche attraktiver werden

+
Das Smeraldo hat im vergangenen Jahr geschlossen. Es war die letzte Lokalität in Rotenburg, die das Prädikat „Diskothek“ tragen konnte. Seitdem ist es im Nachtleben der Kreisstadt noch ein wenig ruhiger geworden.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Rotenburg braucht ein Kino! Rotenburg braucht auch eine Diskothek! Diese Forderungen kommen immer mal wieder auf, mit einem Antrag der SPD-Stadtratsfraktion gewinnt die Diskussion jetzt wieder an Fahrt. „Wir müssen etwas für die Jugendlichen tun“, begründet SPD-Fraktionschef Gilberto Gori seinen „Prüfauftrag“ an Parteifreund und Bürgermeister Andreas Weber, „nach einer Möglichkeit zu suchen, in Rotenburg eine Discothek zu realisieren“.

Le Disque, Scotch Corner, Tango, Smeraldo oder der Tanzkeller in Ripkes Gaststätte: Bei diesen Namen kriechen einige Erinnerungen bei den älteren Semestern an die Oberfläche. Hier hat Rotenburgs Jugend damals gefeiert, ausgelassen und mitunter exzessiv. Wie es sich vermutlich für einen Nachtclub oder eine Disko auch gehört. Aber diese Zeiten sind vorbei.

Im vergangenen Jahr hat „Pino“ das Smeraldo an der Goethestraße abgeschlossen. Giuseppe, genannt „Pino“, Piras hat Rotenburgs letzte Disko nach 37 Jahren dicht gemacht, das Gebäude weicht schon bald einem Wohnprojekt. Sowieso nicht mehr erste Anlaufstelle für die jüngeren Feierfreunde, hatte sich das Konzept überlebt. Seitdem ist es im Nachtleben der Kreisstadt noch etwas ruhiger geworden.

Dabei geht es auch anders. Das hat zum Beispiel die „Ü30-Party“ am vergangenen Wochenende im Bürgersaal bewiesen, auch Einzel-Events am Weichelsee ziehen immer wieder viele Gäste an. „Ich sehe viele Möglichkeiten“, betont Gori. Und deswegen erteilt er mit seiner Fraktion der Stadt Hausaufgaben: „Mithilfe dieses Prüfauftrags möchten wir erreichen, dass alle Anstrengungen unternommen werden, um zu erkunden, welche Möglichkeiten sich für die Realisierung dieses Projekts bieten. Darüber hinaus sollte auf Wünsche und Vorstellungen der Jugend eingegangen werden, um möglichst bedarfsorientiert entsprechende Konzepte auszuarbeiten.“ Rotenburg müsse auch für Jüngere attraktiv bleiben, der Wegzug verhindert werden. Dazu gehöre ein entsprechendes Nachtleben.

Bislang beschränke sich der Rotenburger Beitrag neben der regulären Kulturförderung auf 35.000 Euro jährlich aus der Stadtkasse als Zuschuss für den Diskobus nach Wehldorf und Riepe. Ein Teil des Geldes könnte aus SPD-Sicht für die Anschubfinanzierung eines Disko-Projekts genutzt werden. Eine Idee, die auch von der CDU begrüßt wird. Allerdings, so CDU-Fraktionschef Klaus Rinck: „Allein der Ruf nach einer Disko reicht nicht aus.“ Es brauche ein tragfähiges Konzept. Da seien Investoren und nicht die Stadt gefragt. Für Rinck sei eine Lösung für Disko und Kino zusammen die beste – als Standorte dafür seien ein Umbau des Bürgersaals oder zum Beispiel das alte Waldschlösschen-Gelände am Weichelsee denkbar. Es müsse aber „ein doppelter Boden“ eingebaut werden. Bedeutet: Trägt das Konzept nicht, müsste das Gebäude als Büro- oder Lagergebäude nutzbar gemacht werden können. Denn am Ende entscheide die Besucherresonanz über den Erfolg, nicht der gute Wille. Das sieht auch Heiko Kehrstephan als Vorsitzender des Rotenburger Wirtschaftsforums so. „Eine gut gemachte Disko läuft auch in Rotenburg“, sagt er. Die Jugend bräuchte außerhalb der Saisonzeiten hier einen verlässlichen Treffpunkt – wenn er denn gut gemacht sei.

Und daran arbeite man, heißt es aus dem Rathaus. Erste Stadträtin Bernadette Nadermann beteuert, dass diesbezüglich „dicke Bretter“ gebohrt werden. „Wir strecken unsere Fühler aus“. Nadermann, in deren Zuständigkeit auch die Wirtschaftsförderung fällt, bestätigt Gespräche mit Investoren, doch noch sei nichts spruchreif. Möglicherweise wäre es eine erste Lösung, Veranstalter, die bereits aktiv sind, zu regelmäßigen Party-Aktivitäten „zu verpflichten“. Die Resonanz darauf ließe schließlich Rückschlüsse auf die Möglichkeit einer dauerhaften Einrichtung zu. Klares Ziel sei es auch für die Stadt, nächtliche Fahrten einzudämmen. Die Feiernden sollen in Rotenburg einen Platz finden. Nadermann: „Da bin ich ganz zuversichtlich.“

Mehr zum Thema:

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Meistgelesene Artikel

Westervesede: Noch jede Menge Müll vom Hurricane-Festival 2016 

Westervesede: Noch jede Menge Müll vom Hurricane-Festival 2016 

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

„Nicht akzeptabel“

„Nicht akzeptabel“

Kommentare