„Kulturwerkstatt“ der Kir stellt das regelmäßiges Programm im „Haake-Meyer“ ein

Mehr Helfer als Zuschauer

„Kultur jeden Freitag“ – diese Zeiten sind vorbei. Die Kir-Gruppe „Kulturwerkstatt“ mit Ulrike Krummel (v.l.), Dorothee Clüver, Hero Feenders, Marita Hesselink-Grötzbach und Hans-Jürgen Eberle löst sich auf. Das regelmäßige Programm wird eingestellt.

Rotenburg - Von Guido Menker. Der letzte Vorhang fällt am 16. Dezember. Dann gastieren noch einmal Elke Oppermann und Eli Lohof im Kulturcafé „Haake-Meyer“ an der Großen Straße in Rotenburg. Das fünfköpfige Organisationsteam – die „Kulturwerkstatt“ – löst sich danach auf. Regelmäßige Kulturabende freitags im „Haake-Meyer“ gibt es bald nicht mehr. „Die Entscheidung tut uns sehr leid, wir waren mit viel Herzblut dabei, aber es geht nicht mehr“, sagen Marita Hesselink-Grötzbach, Ulrike Krummel und Hans-Jürgen Eberle.

Gemeinsam mit Dorothee Clüver und Hero Feenders haben sie sich seit April 2009 unter dem Dach der Kulturinitiative Rotenburg (Kir) intensiv und ehrenamtlich um den Kulturbetrieb im „Haake-Meyer“ gekümmert. Zunächst gab es die Veranstaltungen – überwiegend Konzerte – jede Woche, später nur noch außerhalb der Ferien. Bis 2013 lief alles reibungslos. Dann der Einbruch bei den Besucherzahlen. 2012 kamen 1 207 Besucher zu 43 Veranstaltungen, 2013 waren es 1 158 Gäste bei 32 und 2014 nur noch 745 Zuschauer bei 31 Veranstaltungen, 2015 passierten 772 Gäste bei 24 Kulturabenden, in diesem Jahr bis zum Sommer 366 Zuschauer bei 16 Künstler-Gastspielen den Eingang. „Manchmal waren wir mehr Helfer als Zuschauer“, sagt Eberle.

Bereits im vergangenen Jahr sei ein Punkt erreicht gewesen, an dem die Gruppe festgestellt habe, dass es so nicht mehr weitergehen kann. „Die Zuschauerzahlen sanken, das Defizit wurde größer“, erklären Marita Hesselink-Grötzbach und Ulrike Krummel. Sie sprechen von einem langen Prozess, der letztendlich vor vier Wochen zu der Entscheidung führte, das Programm in der jetzigen Form Ende Dezember einzustellen. Der Vorstand der Kir habe nicht versucht, die Mitglieder der Kulturwerkstatt umzustimmen oder zu überreden, weiterzumachen. Das bestätigt später dessen Sprecher Uwe Goldschmidt. Auch er bedauert die Entscheidung, hält sie zu diesem Zeitpunkt jedoch für richtig.

„Als wir 2009 angefangen haben, hat man fast auf uns gewartet“, erinnert sich Ulrike Krummel. Inzwischen sieht das anders aus. „In Rotenburg und umzu ist immer was los – jetzt macht jedes Dorf was“, fügt sie als Erklärung für das sinkende Interesse hinzu. Damals sei die „Kulturwerkstatt“ eine Art Denkanstoß für andere gewesen – mit der Folge, dass das Angebot insgesamt deutlich größer geworden sei. Auch einige Umstellungen innerhalb des Programms führten nicht zum erhofften Erfolg. 30 Zuschauer müssten es mindestens pro Konzert sein, damit sich die Arbeit rechnet. Eberle sagt, dass Frust entstanden sei, wenn es nicht einmal zehn Besucher waren. Weitere mögliche Gründe könnten die zu schwache Verzahnung mit dem Café und auch die Tatsache sein, dass es im „Haake-Meyer“ selbst keine Eintrittskarten für die Freitagabende gab. „Auch die Künstler sind unglaublich traurig“, berichtet Marita Hesselink-Grötzbach. Café und Eine-Welt-Laden laufen allerdings auch künftig weiter, heißt es.

Und mit der Kultur im „Haake-Meyer“ soll es nun nicht komplett vorbei sein, wie Uwe Goldschmidt betont. „Natürlich wäre die Kir nicht die Kir, wenn sie nicht gleich wieder neue Ideen hätte“, meint er. Alle seien sich einig, dass „in diesem wunderbaren Ambiente unbedingt weiterhin Veranstaltungen stattfinden sollten“. Aber: nicht mehr so viele, nicht mehr in der Regelmäßigkeit und nicht mehr überwiegend Konzerte. Weitere Ausstellungen, Lesungen, (Dia-)Vorträge oder auch interkulturelle Begegnungsabende seien denkbar. Der Vorstand nimmt zunächst die Fäden in die Hand. Dorothee Clüver: „Vielleicht muss der Begriff Kultur nur etwas geweitet werden.“ Goldschmidt dankt zunächst aber dem Team der „Kulturwerkstatt“ für den Einsatz und die ehrenamtlich geleistete Arbeit sowie das „tolle Programm über all die Jahre“.

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