Pestel-Studie: Staat soll Häuslebauer fördern

Mehr Eigenheime für Rotenburg

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Mit spitzem Stift durchgerechnet: Das Pestel-Institut sieht gute Möglichkeiten, dass mehr Kreisbewohner in ein Eigenheim ziehen – wenn der Staat dies entsprechend fördert.

Rotenburg - Von Stephan Oertel. Der Staat sollte den Kauf von Wohneigentum wieder stärker fördern. Dafür spricht sich das Pestel-Institut aus. Auch im Landkreis Rotenburg könnten sich dann mehr Menschen – auch mit vergleichsweise geringem Einkommen – ihre eigenen vier Wände leisten.

Im Landkreis Rotenburg leben nach Berechnungen des Instituts in zwei von drei Wohnungen die Eigentümer. Dabei gebe es jedoch starke regionale Unterschiede. So liege die Eigentumsquote in der Kreisstadt mit 47 Prozent deutlich darunter. Laut Pestel gibt es hier deutlich Luft nach oben. Voraussetzung sei jedoch, dass Bund und Land den Kauf von Eigentumswohnungen und den Bau von Wohnhäusern fördern.

25- bis 40-Jährige gehören zu den Verlierern

„Mit der Abschaffung der Eigenheimzulage wurde die Förderung von Wohneigentum in Deutschland faktisch eingestellt. Und das ist schon über zehn Jahre her“, beklagt Institutsleiter Matthias Günther. Die Folge sei, dass Deutschland mit einer Eigentumsquote von 45 Prozent im Europa-Vergleich auf dem drittletzten Platz liege – deutlich zum Beispiel hinter Frankreich mit 58 Prozent und Polen mit 70 Prozent.

Insbesondere die „Nestbauer-Generation“ der 25- bis 40-Jährigen gehöre zu den Verlierern, wenn es um die Anschaffung von Wohneigentum gehe. Dabei sei gerade die Eigentumswohnung oder das eigene Haus ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge. „Die eigenen vier Wände sind da und haben Bestand – unabhängig davon, wie die Rentenhöhe im Alter schwankt“, sagt Günther.

Konkret fordert er, dass der Staat über 30 Jahre einen festen Kredit zu einem Zinssatz von 1,5 Prozent vergibt. Anders als bei Kreditinstituten, die in der Regel keine Niedrigzinsen auf Dauer bieten, könnte der künftige Wohnungseigentümer dann über einen langen Zeitraum sicher kalkulieren, argumentiert das Institut. Darüber hinaus solle das Land für einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer sorgen.

Beispielhafte Berechnung

Bei einer solchen „angemessenen und notwendigen Wohneigentumsförderung durch den Staat“ kann sich nach Berechnungen des Instituts dann zum Beispiel ein Haushalt mit einem Nettoeinkommen von 1 620 Euro in Rotenburg in mittlerer Lage ein Reihenhaus mit hundert Quadratmeter Wohnfläche leisten – bei einem Eigenkapital von 20 Prozent. Und für einen Single mit einem Nettoeinkommen ab 1 020 Euro wäre eine 50 Quadratmeter große Eigentumswohnung in guter Wohnlage drin. 30 Prozent des Einkommens müssten dafür in die Finanzierung fließen.

Vielen im Landkreis Rotenburg wäre geholfen, wenn der Staat den Kauf von Immobilien entsprechend fördert, so Günther. Denn nach wie vor stünden die eigenen vier Wände ganz oben auf der Wunschliste der Menschen.

Den „Regionalen Wohnungskauf-Check“ hat das Institut nach eigenen Angaben anhand aktueller Preise für den Landkreis Rotenburg berechnet. Auftraggeber war die Initiative „Wohn-Perspektive Eigentum“. In dieser sind unter anderem der Dachverband der Mauerstein-Industrie und die Interessensvertretung von mehr als 900 Baustoff-Fachhändlern organisiert. Verbände also, die naturgemäß ein Interesse am Wohnungsbau haben.

Und es dürfte kaum Zufall sein, dass die Studie just vor den Wahlen zum Bundes- und Landtag veröffentlicht werden. Institutsleiter Günther verbindet dies denn auch mit einem Appell an die Politik. „Die Parteien sind gut beraten, sich endlich wieder um das Wohneigentum zu kümmern. Hier sind dringend Förderkonzepte notwendig“, fordert er und führt aus: Wer im Bundestagswahlkampf das Wohneigentum politisch für sich entdeckt, spreche damit eine breite Bevölkerungsgruppe an. „Umgesetzt in konkrete Regierungsarbeit wäre das ab Herbst dann sogar auch ein gutes Stück Konjunktur- und Rentenpolitik.“

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