Corona verschlechtert die Lage

Mehr Arbeitslose im Landkreis Rotenburg

Die Herausforderungen der Corona-Pandemie zu stemmen, diese Aufgabe wird die Agentur für Arbeit und das Rotenburger Jobcenter weiter verfolgen.
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Die Herausforderungen der Corona-Pandemie zu stemmen, diese Aufgabe wird die Agentur für Arbeit und das Rotenburger Jobcenter weiter verfolgen.

Es ist ein etwas anderes Jahr, auf das die Agentur für Arbeit in Stade und das Rotenburger Jobcenter zurückblicken. „Corona ist wirklich die größte Herausforderung“, sagt Agenturchefin Dagmar Froelich – und das wird einige Zeit so bleiben.

  • Im Landkreis Rotenburg gibt es auch durch Corona mehr Arbeitslose.
  • Weitere Prognosen sind aktuell kaum möglich.
  • 2021 möchte man sich auf junge Menschen konzentrieren.

Rotenburg – „Die Corona-Krise hat uns fest im Griff“: Es ist das Motto der digitalen Pressekonferenz, zu der Dagmar Froelich (Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stade), Sven Sylvester (Teamleiter Arbeitgeber-Service Stade/Rotenburg), Oliver Lemke (Teamleiter-Arbeitsvermittlung Rotenburg) sowie Imke Colshorn (Dezernatsleiterin beim Landkreis) und Gregor Stein (Geschäftsführer des Rotenburger Jobcenters), eingeladen haben. Sie werfen ihren traditionellen Blick zurück und wagen einen Ausblick – auch „wenn die Entwicklung zu prognostizieren schwieriger denn je ist“, so Froelich. „Es ist Kaffeesatzleserei, welche Auswirkungen wir zu spüren bekommen“, ergänzt Colshorn.

Das Jahr 2020 war kein leichtes: Konnten sie beim vorherigen Jahresgespräch noch auf gute Entwicklungen zurückblicken, hatte sich das ab März schlagartig geändert. „In den letzten Jahren konnte ich immer Bestnoten für den Arbeitsmarkt verkünden“, erinnert sich Froelich – sinkende Arbeitslosenzahlen, steigende Beschäftigung. Für die Agentur und das Jobcenter hieß es ab März erstmal Krisenmanagement, neue Prioritäten setzen und Personal umschulen. So sind allein in der Agentur 40 Mitarbeiter für den Bereich Kurzarbeitergeld geschult worden – ein Bereich, der vorher laut Froelich kein Thema war.

Kurzarbeit mit einem „historischen Höchststand“

Kurzarbeit ist ohnehin eines der Stichworte des Jahres. Mit einem „historischen Höchststand“ im April hat es noch nie so viele Anträge auf Kurzarbeitergeld gegeben. Kaum eine Branche sei verschont geblieben. Aber es war und ist eine Möglichkeit, die Menschen an ihren Arbeitsplätzen zu halten, betonen alle. Wie lange einzelne Unternehmen weiteren Lockdown-Verlängerungen trotz Kurzarbeitergeld und staatlichen Hilfen standhalten können, vermag aber keiner zu sagen.

„Ich bin aber optimistisch, dass wir im Elbe-Weser-Dreieck gut aufgestellt sind“, merkte Froelich an. Ein Augenmerk liege nun unter anderem auf der Luftfahrtindustrie, da mehr als 30 Zulieferbetriebe im Bezirk angesiedelt sind. Betrugsfälle würden sich indes in Grenzen halten. „Es gibt wenig Möglichkeiten dazu, das fliegt auf und führt zu massiven Rückforderungen.“

Arbeitslosigkeit ist und bleibt weiter Thema. „Hier kann ich keine gute Zahl verkünden – es war kein Katastrophenjahr, aber kein gutes. Der Corona-Effekt ist da“, so Froelich. Im März gab es einen merklichen Anstieg, der sich Richtung Sommer relativierte, aber auf hohem Niveau geblieben ist. „Ich befürchte, dass wir 2021 weiter auf einem hohen Niveau bleiben.“

Der Landkreis kommt vergleichsweise gut durch die Krise

Dennoch sei zum Beispiel der Landkreis Rotenburg durch einen guten Branchenmix bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. „Dadurch haben wir Stabilität“, sagt Colshorn. „Deswegen sind wir von der Krise nicht so betroffen, wie anfangs befürchtet.“ Mehr Arbeitslose gibt es trotzdem: Die Arbeitslosenquote liegt laut Froelich bei 5,3 Prozent, 2019 waren es 4,7 Prozent. Durchschnittlich waren 2020 16 464 Personen arbeitslos gemeldet. Das sei ein Anstieg um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wo es 14 317 Arbeitslose waren.

Eine „Berg- und Talfahrt“ nennt es Lemke. Rotenburg ist dabei erneut „Klassenbester“ des Bezirks, mit einer Quote von 4,0 Prozent. Die Agentur hatte dabei erstmals mehr arbeitslose Kunden als das Jobcenter, „das war in der Vergangenheit eher anders herum“. Positiv sei, dass sich Bemühungen bei der Integration in der Beschäftigung niederschlagen. „Die Zahlen unterstreichen gelungene Flüchtlingsintegration“, erklärt Lemke.

Auch Colshorn und Stein sind trotz Pandemie zufrieden. „Die Menschen sind bereit, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen.“ Dieser sei trotz allem aufnahmefähig gewesen, ergänzt Stein. In manchen Branchen herrsche nach wie vor große Nachfrage. „Wir konnten viele Kunden vermitteln“ – auch Langzeitleistungsbezieher. Und die Zahl der Bedarfsgemeinschaften habe sich verringert.

Jugend und Ausbildung Topthemen 2021

Einen Fokus wollen Agentur und Jobcenter nun auf junge Menschen unter 25 Jahren legen. „Da müssen wir unsere Bemühungen intensivieren“, erklärt Stein. Denn dort sowie bei den Ausländern seien die Zahlen prägnant gestiegen. Weniger Plätze, weniger Bewerber: Auf dem Ausbildungsmarkt haben sich die Folgen der Pandemie bemerkbar gemacht, weswegen „Jugend und Ausbildung eines unserer Topthemen 2021 sein werden“. Weniger ausgeprägt sei der Anstieg bei den Langzeitarbeitslosen und Menschen über 50 Jahren.

Ein „kleiner Lichtblick“, sei der zwar kleine, aber dennoch vorhandene Zuwachs unter den Beschäftigten: Rund 35 000 Menschen konnten ihre Arbeitslosigkeit im Bezirk beenden. Auf dem Stellenmarkt gibt es dennoch einen deutlichen Rückgang. Hatte dieser sich zum Jahresende leicht erholt, ist das mit dem zweiten Lockdown wieder eingebrochen – betroffen sind im Landkreis Rotenburg vor allem Branchen wie der Einzelhandel, ausgenommen Lebensmittel. In diesem Zuge appelliert Sylvester daran, die Fristen für Kurzarbeit einzuhalten. „Lieber einmal mehr nachfragen.“

Neue Hotline für Selbstständige

Weiter für die Kunden da sein, unter größtmöglicher Sicherheit für die Gesundheit aller, sei oberstes Anliegen – „unsere Dienstleistungen sind wesentlich und wichtig“, meint Froelich. Daher habe sich in den Arbeitsprozessen einiges verändert, vieles digitalisiert. Ein Schritt, der weiter gegangen werden soll. Zudem gibt es neue Angebote, wie die Hotline für Selbstständige und Freiberufler, die ab dieser Woche freigeschaltet ist – gerade mit den Soloselbstständigen „beschäftigen wir uns intensiv“, sagt Stein. Und er ermuntert dazu, sich die Hilfe zu holen, wenn nötig.

„Arbeit bedeutet viel mehr, als nur seinen Lebensunterhalt zu verdienen“, sagt Colshorn. „Wir können die Rahmenbedingungen nicht ändern, aber wir können die Menschen abholen und Hilfestellung anbieten.“ Wichtig sei auch, dass die Vermittlung nachhaltig ist. Wie es weitergeht, werde die Zukunft zeigen. Doch bleiben alle vorsichtig optimistisch, „es steht und fällt mit den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung“, weiß Froelich. „Aber ich gehe davon aus, dass wir weiterhin viele Beschäftigungsmöglichkeiten haben.“

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