Rotenburger Ratsgymnasium hat einen Digitalisierungsplan

Mehr als nur Technik

Das ist die schon vor Corona geschaffene Arbeitsgruppe Medien-Bildungskonzept am Ratsgymnasium – mit Iris Rehder (v.l.), Jonas Kruse, Kurt Freund und Sanjana Rahmann.
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Das ist die schon vor Corona geschaffene Arbeitsgruppe Medien-Bildungskonzept am Ratsgymnasium – mit Iris Rehder (v.l.), Jonas Kruse, Kurt Freund und Sanjana Rahmann.

Rotenburg – Die Digitalisierung der Schule beschränkt sich nicht auf die Anschaffung von Geräten, gute Internetleitungen und Wlan, sondern sie wirkt sich ganz erheblich auch auf Inhalte und die Gestaltung des Unterrichts aus. Dafür braucht es eine Grundlage, auf der die Schule die dafür erforderlichen Schritte einleiten kann. Einen Masterplan also, der als Leitlinie dient. Genau den hat sich das Rotenburger Ratsgymnasium verschafft – und zwar bevor Corona und der Lockdown im Frühjahr die Schule zu digitalen Maßnahmen gezwungen haben, um ein praktikables Homeschooling zu verwirklichen.

„Wir haben eine Arbeitsgruppe Medien-Bildungskonzept“, sagt Rektorin Iris Rehder. Neben ihr arbeiten darin der stellvertretende Schulleiter Jonas Kruse sowie die beiden Kollegen Kurt Freund und Sanjana Rahmann mit. Was sie in einem viereinhalbseitigen Papier zusammengefasst haben, lässt das Thema Digitalisierung deutlich und auch greifbar werden. Da geht es eben nicht nur um technische Fragen. „Der kompetente und kritische Umgang mit Medien ist in der digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt eine Schlüsselqualifikation für Heranwachsende und unerlässlich für eine reflektierte Teilnahme an unserer Wissens- und Informationsgesellschaft“, heißt es gleich zu Beginn dieses Papiers. Schulische Bildung könne und müsse dazu einen entscheidenden Beitrag leisten.

Der Einsatz digitaler Medien ermögliche Lehrern neue Formen der Veranschaulichung und Motivation. Die Medienbildung verstehe man am Ratsgymnasium als einen kontinuierlichen, pädagogisch strukturierten und begleiteten Prozess. „Die Entwicklung eines kritischen Bewusstseins spielt dabei eine ganz zentrale Rolle und ist uns sehr wichtig“, sagt Iris Rehder.

Eigentlich hatte sie zusammen mit der Arbeitsgruppe für März eine entsprechende Fortbildung für die Kollegen geplant – Corona machte dem Team allerdings einen Strich durch die Rechnung. Morgen nun bietet die Schule eine Informationsveranstaltung zu den weiteren geplanten Schritten der Digitalisierung an. Dabei kommen Lehrer, der Schulelternrat sowie der Schülerrat zusammen. „Wie Lars Klingbeil im Juni bei seinem Besuch am Ratsgymnasium so treffend formulierte, ist ,Corona ein Brennglas für die Digitalisierung’. Die Ereignisse und Anforderungen der vergangenen Monate haben auch in unserer Schule einige Entwicklungen beschleunigt“, schreibt dazu Niels ten Brink als Sprecher des Ratsgymnasiums in seiner Einladung an die Presse.

Die Veranstaltung bietet zwei Teile: Zum einen ist das der „Markt der Möglichkeiten“, auf dem anhand von punktuellen Beispielen zu sehen ist, was im Ratsgymnasium bereits läuft. Zum anderen hören die Teilnehmer Erfahrungsberichte aus der Digitalisierung der Gymnasien in Sottrum und Zeven. „Diese Veranstaltung ist eingebettet in das ganze Thema“, erklärt Rehder.

Zu den weiteren Schritten gibt es zurzeit vor allem diesen Plan: Mit Beginn des nächsten Schuljahres starten die neuen siebten Klassen immer als „iPad“-Jahrgang. Unabhängig davon hat die Schule in Kooperation mit dem Landkreis 120 Tablets zur Leihe angeschafft. Der Digitalpakt macht’s möglich.

Dass der verbindliche Einstieg mit den „iPads“ ab der siebten Klasse startet, habe einen guten Grund: Die jüngeren Jahrgänge sollen möglichst viele Inhalte zunächst noch begreifen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Und doch habe sich das Kollegium natürlich auch mit der Frage beschäftigt, ob für den Bereich digitale Medien ein eigenes Fach in den Stundenplan mit aufzunehmen ist. „Nein“, lautet die Antwort. „Wir arbeiten schon jetzt mit fächerübergreifenden Projekten“, erklärt die Rektorin. Und sie nennt ein Beispiel: „Das Rollenverständnis von Frauen und Männern in den Medien greifen wir im Deutsch- und im Religionsunterricht auf.“ Ganz ähnlich läuft es auch in anderen Fächern – ob Mathematik, Kunst oder Politik.

Ziel sei schließlich nicht eine reine Technisierung und „Mediatisierung“, heißt es im schulischen Grundlagenpapier. Gerade an einem Gymnasium könne die bloße Beherrschung von medialen Systemen nicht das letzte Ziel sein, weil es in dieser Schulform eben auch um die theoretische Durchdringung der Bildungsinhalte und insbesondere um die Anleitung zu einem kritischen und selbstbestimmten Umgang damit gehe. Die Rolle der Lehrer wandele sich im mediengestützten Unterricht zum Begleiter. Sie haben dabei eine digitale Lernumgebung zu schaffen, in der das möglich wird, heißt es in dem Arbeitgsruppen-Papier weiter. Die Rede ist auch von kooperativem und kollaborativem Lernen.

Die daraus folgenden didaktischen Grundsätze für eine erfolgreiche Medienbildung in der Schule forderten und förderten die ethische Reflexion ebenso wie wie die Problemorientierung. Daraus folge ein selbstständiges und kooperatives, entdeckendes und differenziertes Lernen, heißt es. Allein die Frage nach der Bedeutung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien für den Wandel der gesellschaftlichen Werte und Normen fließe in Fächer wie Politik/Wirtschaft, Deutsch, Religion, Philosophie, Werte und Normen sowie Geschichte ein.

Spannend ist zudem, wie sehr einige Elemente aus dem Homeschooling in die jetzige Zeit mitgenommen werden. Der Austausch untereinander über den Schulserver, die direkte Kommunikation mit dem Lehrer beispielsweise: „Das fördert die gegenseitige Hilfe, ermöglicht aber auch eine individuelle Förderung“, sagt Kruse. Eine Abfrage bei den Schülern habe zudem ergeben, dass es technischer Standards bedürfe, wenn es um die Rückgabe von bearbeiteten Aufgaben und Materialien geht. „Das ist wichtiger, als ich es erwartet hatte“, so der stellvertretende Rektor.

Kooperation mit Grundschulen

Das Ratsgymnasium kooperiert sehr eng mit den Grundschulen – auch in Fragen der Digitalisierung. So nutzen die Grundschulen schon jetzt die „Anton“-App als Einstieg ins digitale Lernen. Eine App, die auch das Ratsgymnasium anwendet – und zwar in Fächern wie Mathe und Deutsch. „Dahinter steht das spielerische Lernen durch Wiederholungen“, sagt Kurt Freund.

Im Ratsgymnasium führen die Lehrer die Schüler nach und nach an die digitalen Angebote heran. So habe die Arbeitsgruppe Medien-Bildungskonzept gerade erst für die neuen fünften Klassen einen Infotext sowie einen Film auf dem schuleigenen Youtube-Kanal veröffentlicht, indem es um die Frage geht, wie eigentlich das Programm Word und vor allem auch der Schulserver„IServ“ funktioniert – erreichbar ist das alles über die Homepage. Für den sechsten Jahrgang steht ganz ähnlich angelegt der Einführungsbeitrag für das Programm Excel zur Verfügung.  men

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