Bürgermeister Andreas Weber blickt auf das Jahr zurück

Mehr als nur Corona

Bürgermeister Andreas Weber
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Bürgermeister Andreas Weber

Rotenburg – Ein Gespräch mit dem Bürgermeister der Kreisstadt über das jetzt zu Ende gehende Jahr muss scheitern, wenn nicht auch Corona, die alles überlagernde Pandemie und ihre Auswirkungen zur Sprache kommen. „Das gemeinschaftliche Arbeiten und Erleben hat sehr gelitten. Wirtschaftlich sind wir bisher gut durch die Krise gekommen, auch wenn viele Branchen ganz besonders leiden mussten und immer noch leiden“, sagt Andreas Weber (SPD) dazu.

Vor einem Jahr hatte er angekündigt, im Januar 2020 sein Amt zur Verfügung stellen zu wollen. Kurz vor Weihnachten dann die Entscheidung, doch weiter im Amt zu bleiben. Und dann folgte ein Jahr im Zeichen von Corona. Bereut habe er seine Entscheidung allerdings keineswegs: „Nicht einen Tag! Die Herausforderungen waren insbesondere durch die Corona-Pandemie und die vielen zukunftsweisenden Projekte für alle in der Stadtverwaltung groß. Wir haben diese positiv angenommen und bisher gut bewältigt.“ Die Stadt sei durch ihre wirtschaftliche Vielfalt für die Krise gut aufgestellt. Und genau das gelte auch für die Zukunft, sagt Weber. Und zwar dank der guten Voraussetzungen insbesondere im Gesundheitswesen, aber auch in den Bereichen Pflege, Kinderbetreuung und Bildung.

Dennoch: Corona hinterlässt Spuren. Kultur, Sport, Schule, Wirtschaft – die Pandemie und ihre Auswirkungen kriechen bis in den letzten Winkel unseres Lebens. Das merkt auch der Bürgermeister bei seiner eigenen Arbeit. Was aber hat er dabei am meisten vermisst? „Die vielen persönlichen Kontakte der Menschen untereinander, die wir in den vergangenen Jahren besonders gefördert haben.“ Bei den wöchentlichen Sportveranstaltungen, „La Strada – unterwegs in Rotenburg“, Laut und Draußen, dem Stadtradeln, den Konzerten, Schulbesuchen, aber auch bei den Besuchen von Familienfeiern und Jubiläen, wo er als Bürgermeister stellvertretend für die Stadt den Menschen und Geschäftsleuten „unsere große Wertschätzung für deren Leistungen persönlich zum Ausdruck bringen konnte.“

Es gab und gibt allerdings auch ein Leben außerhalb von Corona. Der Bürgermeister habe sich insbesondere mit der positiven, strategischen Weiterentwicklung Rotenburgs beschäftigt, betont er. „Wir haben ein Stadtentwicklungskonzept erarbeitet.“ Darin sieht er die Grundlage in den kommenden zehn bis 15 Jahren für eine mögliche finanzielle Zweidrittel-Förderung für mehr sozialen Zusammenhalt, eine Förderung der erforderlichen Verkehrswende, einer nachhaltigen Altbausanierung, aber auch historisch erhaltenswerter Gebäude, einer Verbesserung der Lebensqualität in der Innenstadt und im Quartier „Auf dem Loh“ sowie einer zukunftsgerichteten Entwicklung des Altgeländes der Rotenburger Werke.

Wenn es um Lebensqualität geht, spielt auch die Verkehrsinfrastruktur eine zentrale Rolle. Wer mit dem Auto durch die Stadt fährt, muss mitunter gute Nerven haben. Die Fahrt vom Mühlenende bis zum Wümme-Park kann auch mal eine halbe Stunde dauern. Das weiß auch Weber. Leider liege die Verantwortung für diese Bundesstraße durch Rotenburg nicht in der alleinigen Hand der Stadt, sondern in der der Landesstraßenbehörde. „Da bin ich überaus enttäuscht, dass die bereits für 2019 geplanten Maßnahmen in der Harburger Straße und Am Sande noch nicht einmal angefangen worden sind.“ Mit den dann möglichen aufeinander abgestimmten Ampelschaltungen, zwei Kreisverkehren und damit weniger Ampeln ließe sich der Verkehrsfluss schon entscheidend verbessern.

Dennoch tut sich was: „Gerade haben wir ein Verkehrsentwicklungskonzept in Auftrag gegeben, von dem wir uns entscheidende Impulse für die Zukunft erhoffen“, erklärt der Bürgermeister. Im Rahmen der nötigen Verkehrswende sei der innerstädtischer Anteil an Bus- und Fahrradverkehr merklich zu erhöhen – und dazu die entsprechende Infrastruktur mit breiten und bequemen Geh- und Radwegen zu verbessern.

Weil die Maßnahmen jetzt mit den entsprechenden förderungsfähigen Konzepten strategisch zielorientiert angelegt seien, würden diese Rotenburg als Mittelzentrum zukunftsfähiger aufstellen und insbesondere der Verkehrssicherheit und Wirtschaftlichkeit einen großen Dienst erweisen, ist der Sozialdemokrat überzeugt.

„Auch wenn wir in den letzten Jahren bereits viel für die Verkehrswende getan und den Anteil am Radverkehr erhöht haben, gibt es noch viel zu tun“, betont Weber. Einerseits sei die Radweginfrastruktur mit zusätzlichen, breiteren und bequemeren Radwegen auszustatten, andererseits „muss sich in unseren Köpfen noch viel verändern, damit das Fahrradfahren im innerstädtischen Bereich einfach viele Vorteile gegenüber dem Auto hat und die Notwendigkeit für den Verzicht auf das Auto und die Nutzung des Fahrrades für den Klimaschutz immer größer wird“.

Zum sechsten Mal hat Rotenburg in diesem Jahr am Stadtradeln teilgenommen. Eine Abschlussveranstaltung konnte es nicht geben, und die Verleihung des Wirtschaftspreises muss ins nächste Jahr vertagt werden. Da sind wir also wieder bei Corona und den Folgen. Die machen sich auch finanziell bemerkbar. „Während des Jahres hatte ich große Sorge, dass unsere Steuereinnahmen einbrechen würden. Das ist bisher aber in dem Maße nicht der Fall. Wir sind aber auch durch das über die letzten Jahre kontinuierlich praktizierte, vorausschauende und planvolle Investieren in die Schwerpunkte Wohnen, Bildung und Kinderbetreuung, einer maßvollen Stabilisierung der Steuereinnahmen sowie den ständigen Abbau von vorhandenen Schulden für die Zukunft gut aufgestellt“, betont der Bürgermeister. Aufgrund der guten Einnahmen 2020 könne die Stadt sogar 2021 dringend erforderliche Reparaturmaßnahmen am Rathaus und in den Schulen vornehmen, sodass sie auch dort keine Altlasten vor sich herschieben müsse.

Weber selbst wird sich im Herbst aus dem Rathaus verabschieden. Einerseits sei er sehr froh darüber, dass es gelungen ist, den Rotenburgern eine Wahlmöglichkeit zu geben. Das sei in einer Demokratie von ganz großer Bedeutung. Bekanntlich gibt es mit Torsten Oestmann (parteilos) und Frank Holle (CDU) zwei Kandidaten. Andererseits gebe er das Amt gerne ab, „weil wir die Weichen für eine gute Zukunft Rotenburgs richtig gestellt haben“. Dennoch gebe er das Amt aber mit Wehmut ab, „weil mir die kollegiale Arbeit mit einem wunderbaren Team im Rathaus und die verantwortungsvolle Aufgabe große Freude bereitet haben“.

Und was ist aus seinen Zielen von 2014 geworden, als er sein Amt angetreten hat? „Das Netzwerk und diese Partnerschaften zu pflegen, war mir ein Hauptanliegen meiner Arbeit. Die Verkehrsinfrastruktur ist mit vielen zusätzlichen Radwegen und Querungsmöglichkeiten verbessert. Die Schulen wurden saniert und haben eine bessere Mittagsverpflegung in eigenen Mensen. Wir haben zusätzlich über 300 Wohnungen geschaffen und etwa 200 Grundstücke weitestgehend bebaut.“ Das Gewerbegebiet sei erweitert und sogar Thyssenkrupp-Schulte nach Rotenburg geholt worden. „Das ist uns allen gut gelungen. Doch es kann auch nicht alles auf Anhieb gelingen. Dass wir bisher die Oberstufe an unserer IGS noch nicht realisiert haben, war in meinen Augen ein großer Fehler. Manche Entscheidungen brauchen halt ein wenig länger. Aufgeschoben ist bestimmt nicht aufgehoben.“

Mit großer Freude erfülle ihn beim Blick auf 2020, „dass wir mit der ,planwerkStadt’ aus Bremen Planer haben gewinnen können, die mit uns gemeinsam für Rotenburg ein zukunftsträchtiges Stadtentwicklungskonzept“ erarbeitet haben. Aber es gab auch einen Punkt, über den er sich in diesem Jahr besonders geärgert hat: „Der Mangel an Wertschätzung für unsere Demokratie, den Föderalismus und die überaus großen Leistungen von Politikern sowie der Kreis- oder Stadtverwaltungen für unser Gemeinwesen und die Gewährleistung unserer hohen Lebensqualität.“

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