Bürgermeister Weber scheitert vorerst mit Vorschlag

Wie soll Rotenburg mit dem Dr.-Walter-Mecke-Damm umgehen?

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Walter Mecke war Chefarzt der Inneren Abteilung am Rotenburger Diakonieklinikum. Der Weg hinter dem Krankenhaus, der auf sein Drängen hin befestigt wurde, trägt seit 1999 seinen Namen. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Wie soll Rotenburg mit dem Dr.-Walter-Mecke-Damm umgehen? Ist eine Umbenennung des nach dem ehemaligen Diako-Chefarzt mit SA-Vergangenheit benannten Weges notwendig oder überflüssig?

Diese Frage bleibt auch nach der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses des Stadtrats unbeantwortet. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) ist bei seinen Parteifreunden mit dem Ansinnen durchgefallen, alles beim Alten zu belassen.

Nach den Debatten um Pastor Johannes Buhrfeind und Kampfpilot Helmut Lent sorgt die Diskussion um Mecke bei manchem Ratspolitiker für gesteigerte Frustration. Das Stöhnen war am Montagabend im Sitzungsraum 4 des Rathauses deutlich zu vernehmen, als sich der Planungsausschuss nach fast drei Stunden mit detailreichen Schilderungen zu Neubauvorhaben und zur Haushaltsplanung auch noch mit Tagesordnungspunkt 10 befassen musste: „Weiteres Vorgehen zur Wegbezeichnung Dr.-Walter-Mecke-Damm“. Bürgermeister Weber hatte das Thema auch ohne einen Antrag seitens der Politik auf die Tagesordnung setzen lassen, um die öffentliche Auseiandersetzung aufzugreifen.

Dr. Uwe Kaminsky, Spezialist für Diakonie-Geschichte der Bochumer Ruhr-Universität, war im Zuge seiner wissenschaftlichen Aufarbeitung der Vergangenheit des Diakonissen-Mutterhauses in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert auch auf Meckes Bewerbungsunterlagen fürs Diakonieklinikum gestoßen. Dort ist nachzulesen, dass Mecke 1933 in die SA eingetreten war und sich als Sturmbannarzt in Göttingen, Berlin und Höxter engagierte. 1937 fing er dann im Diako an, leitete die Innere Abteilung bis zu seiner Pensionierung 1969. Im Ruhestand war Mecke schließlich noch als Biologie-Aushilfslehrer am Ratsgymnasium tätig. 1996 ist Walter Mecke gestorben.

In keinster Weise für die Nazis engagiert

Zum Nachdenken hatte Meckes offensiver Umgang mit dem Rang im Dienste des Nationalsozialismus gebracht. Weber, der mit Matthias Richter, dem Vorstandsvorsitzenden des Diakonissen-Mutterhauses, und Historiker Dr. Karsten Müller-Scheeßel die Unterlagen noch einmal gesichtet hat und Mecke auch selbst noch als Biologielehrer erlebt hatte, plädierte nun für die Beibehaltung des Namens für den Weg zwischen Diako und dem Bereich Appelhorn, der auf Drängen des Chefarztes einst befestigt worden war. Mecke habe in guter und überaus angenehmer Weise am Diako gewirkt und sich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Politisch habe sich Mecke in keinster Weise für die Nazis engagiert, die SA-Mitgliedschaft „auf dem Papier“ sei damals nicht nur ein Automatismus gewesen, sondern auch Notwendigkeit, um überhaupt als Arzt in leitender Funktion tätig zu sein. 

Mecke sei am 15. Januar 1947 bei der Überprüfung durch das britische Militär, der Entnazifierung, in die Kategorie „negativ“ eingestuft und vom Entnazifizierungs-Hauptausschuss in Stade am 23. Januar 1949 als „entlastet“ eingestuft worden. Zudem werde seit 1999 mit der Benennung des Weges vorrangig Meckes Einsatz für die Befestigung, nicht das Lebenswerk des Arztes gewürdigt. Das könnte man, so Webers Vorschlag, mit einer Ergänzung auf den beiden Straßenschildern verdeutlichen. Der notwendige Alternativvorschlag „Rodau-Wieder-Damm“ der Verwaltung überzeuge nicht.

Verwaltungsausschuss am 15. November

Das reicht Webers Parteigenossen und den Grünen aber nicht aus. Da die Gegenseite mit CDU, FDP und WIR, die dem Bürgermeister folgen wollte, zum Zeitpunkt der Abstimmung auch nur noch zu viert im Ausschuss saß, kam es zum Patt – Antrag vorerst abgelehnt. „Wir wollen Zeichen setzen“, hatte Jan Till Jürgensen für die SPD verkündet. Entnazifiziert worden seien auch viele andere „stramme Nazis“. Es gebe einfach zu viele Fragezeichen bei Mecke. Schon in der Ratssitzung bei der Debatte um die Buhrfeindstraße hatte es Stimmen gegeben, vielmehr Künstler und Bewohner der Werke zu ehren. Bemerkenswert: Anke Niemeier von den Grünen stimmte auch gegen Webers Vorschlag, aber nur, weil die Fraktion es so wolle, sagte sie.

Entschieden ist damit allerdings noch nichts. Das Thema Mecke-Damm kommt nun im Verwaltungsausschuss am 15. November erneut auf den Tisch. Dann könnte sich Weber mit dem Vorschlag der Verwaltung endgültig gegen seine alten Fraktionskollegen durchsetzen und das Thema zumindest in politischer Hinsicht beenden.

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