In Niedersachsen ändert sich nichts

Nach Aufregung über Klausuren: „Das ist Mathe-Abi und kein Ponyhof“

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Abiklausur in Mathematik: Die Schüler im Altkreis Rotenburg waren vorbereitet.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. „In einem kartesischen Koordinatensystem ist die gerade Pyramide ABCDS gegeben. Die Kantenlänge der quadratischen Grundfläche ist 5, die Höhe der Pyramide 7.

a) Geben Sie mögliche Koordinaten der Eckpunkte der Pyramide an.

b) Mindestens einer der Eckpunkte soll so verschoben werden, dass sich das Volumen der Pyramide vervierfacht. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Geben Sie für zwei dieser Möglichkeiten jeweils die Koordinaten der verschobenen Eckpunkte an und begründen Sie Ihre Angabe.“

Denksport dieser oder ähnlicher Art hat es für die Schüler des Abiturjahrgangs 2019 gegeben – auch an den drei Gymnasien in Rotenburg, Sottrum und Scheeßel. Das Urteil der zuständigen Lehrer und von Schülern: Die Aufgaben seien anspruchsvoll, aber lösbar. Proteste dagegen gab es nach Auskunft der drei Schulen nicht. Das indes sahen Tausende junger Leute in den vergangenen Wochen nicht so. Sie unterschrieben eine Online-Petition und machten Druck auf die zuständigen Behörden. Vielfach mit Erfolg, so etwa in Bremen und Nordrhein-Westfalen, Hamburg und dem Saarland: Die Bundesländer senkten in der vergangenen Woche das Bewertungsniveau in den Grundkursen ab.

Niedersachsen lässt Mathe-Abi wie es ist

Niedersachsen lässt alles so, wie es ist. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sieht laut Deutscher Presseagentur (DPA) „zwar weiteren Diskussions-, aber keinen akuten Handlungsbedarf“. Anders ausgedrückt: An den Bewertungen des Mathematikabiturs wird sich nichts ändern. Dies können die zuständigen Koordinatoren der Gymnasialen Oberstufe der Region und die Direktoren nachvollziehen. „Es hält sich alles im Rahmen“, fasst Iris Rehder, Leiterin des Rotenburger Ratsgymnasiums, die Einschätzung ihrer Kollegen zusammen.

Ferdinand Pals, Leiter des Gymnasiums Sottrum, gibt die Einschätzung eines Schülers wider: „Das ist Mathe-Abi und kein Ponyhof.“ Sein Kollege, Oberstufenkoordinator Timo Karsch, ist ebenfalls entspannt: „Unsere Schüler waren vorbereitet.“ Sie hätten durchaus registriert, dass die Abiturprüfung eine große Bedeutung hat und es das Ziel sei, alle Gebiete einmal abzufragen. Karsch weiß aber auch: Das könne kein Schüler leisten, da helfe nur auswendig lernen: „Es ist so, als ob ein Fahranfänger in eine Parklücke fahren soll.“

Mathe-Abi richtet sich nach IQB-Pool

Niedersachsen und die anderen Bundesländer bedienen sich für die Klausuren aus dem sogenannten IQB-Pool. Darüber hinaus können sie eigene Aufgaben entwickeln. Diese Regelung haben die Kultusminister vor einigen Jahren auf den Weg gebracht, um das Abi bundesweit vergleichbar zu machen. So gilt überall: Im Pflichtteil müssen die Schüler jeweils eine Aufgabe aus der Linearen Algebra, zwei aus der Analysis und eine aus der Stochastik mit den beiden Teilgebieten Wahrscheinlichkeitstheorie und mathematische Statistik lösen. Darüber hinaus können die Bundesländer eigene Aufgaben stellen.

Für die Verantwortlichen in Sottrum, Rotenburg und Scheeßel ist die Regelung grundsätzlich gut. Gleichwohl gibt es Kritik – nicht an der Aufgabenstellung, sondern am uneinheitlichen Vorgehen der Bundesländer. Christian Birnbaum, Leiter der Scheeßeler Eichenschule, nennt dies „schlimm“. So erreichten die Schüler in Hamburg und dem Saarland, aber auch in Nordrhein-Westfalen und Bremen bessere Noten als ihre Altersgenossen in Niedersachsen. „Das führt zur Benachteiligung“, ist sich Birnbaum sicher. Unterstützung bekommt er von Karsch.

Landeselternrat äußert sich zum Mathe-Abitur

In die Diskussion hat sich in dieser Woche auch der Landeselternrat eingemischt. Dessen Vertreter haben jedoch die von der Landesregierung bekannt gegebene Verschlechterung des Durchschnittsniveaus im Blick; dies ist nach den vorläufigen Zahlen von 6,8 auf 6,4 Notenpunkte abgerutscht. Gegenüber DPA rechnet Kultusminister Tonne es auf Schulnoten um: Ein Schüler wäre „von einer 3 minus auf eine 4 plus gerutscht.“

Nach Überzeugung von Mike Finke, Vorsitzender des Landeselternrates, hat dies nichts mit dem Niveau der Mathematikaufgaben zu tun. Schuld sei der unterschiedliche Stundenausfall an den Schulen. Diesen kritisiert der Landeselternrat schon seit Jahren. Finke sieht deshalb weniger das Kultusministerium in der Pflicht, sondern die Landesschulbehörde, die die Lehrer verteilt. Bei Vergleichen in Sachen Unterrichtsausfall „hätte man das kommen sehen können“, greift Finke die Diskussion über die Mathematikklausuren auf.

Elternrat des Landkreises Rotenburg prüft noch

Werner Oerding, Vorsitzender des Elternrats für den Landkreis Rotenburg, sagt: „Wir müssen das alles in Ruhe bewerten.“ Dazu gehöre, in die Curricula zu schauen und Vergleiche mit den anderen Bundesländern heranzuziehen. Oerding fasst zusammen: „Die Analyse ist für mich noch nicht abgeschlossen, dieser Faden hat noch kein Ende.“

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