Marie-Kristin Lüdemann ist mit Herz und Verstand Rotenburger Kartoffelkönigin

Die WhatsApp-Adelsgruppe

+
Rotenburgs damaliger Bürgermeister Detlef Eichinger hängte im vergangenen Jahr Marie-Kristin Lüdemann Kette und Schärpe um.

Rotenburg - Von Ulf Buschmann. Was Marie-Kristin Lüdemann sagt, kommt von Herzen. Dabei strahlen ihre Augen und die Hände sind immer irgendwie mit in Bewegung – insbesondere dann, wenn die 19-Jährige über Rotenburg und umzu berichtet. Es ist ihr Job. Eigentlich, denn Marie-Kristin Lüdemann ist amtierende Kartoffelkönigin. Es ist für sie mehr als ein Amt, es ist für die Schülerin eine Art Berufung. Knapp ein Jahr nach ihrer Wahl zieht Marie-Kristin Lüdemann eine positive Bilanz.

Wenn sie an die Zeit von vor einem Jahr zurückdenkt, ist die Spannung spürbar. Wie alle Bewerberinnen musste Marie-Kristin Lüdemann einen Bewerbungsbogen einreichen. Wer sich letztlich Kartoffelkönigin nennen darf, entscheidet eine Jury. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich es werde, aber ich habe es gehofft“, sagt die junge Frau mit funkelnden Augen. Als die E-Mail mit dem Votum der Entscheider endlich in ihrem Postfach war, „habe ich sie bestimmt fünf Mal gelesen“, erinnert sie sich.

Die Krone gab es beim Kartoffelfest, doch die Amtszeit ihrer knolligen Majestät beginnt gewöhnlich erst am 1. Januar. Die Zeit nutzte Marie-Kristin Lüdemann, um ein standesgemäßes Outfit zu bekommen. Ein Dirndl, so die Vorgabe, müsse es schon sein. Die Jury habe sehr genaue Vorstellungen. Die Farben Braun, Grün und Gold sollten darin schon enthalten sein. „Ich habe ein brau-blaues Kleid“, sagt Marie-Kristin Lüdemann.

Im Januar ging es gleich mit einem Hammer für sie los: Auf der „Grünen Woche“ in Berlin repräsentierte sie die Region. Es war ein Sprung ins kalte Wasser, denn wie sich eine Adelige auf Zeit in der Öffentlichkeit verhalten muss, hatte ihr zuvor niemand erklärt. Glücklicherweise nahm die damalige Heidelbeerkönigin Anke I. die Rotenburgerin unter ihre Fittiche. Tipps gab es außerdem von Heinz Gehnke. Er ist nicht nur Leiter des Rotenburger Stadtmarketing, sondern auch 2. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Königinnen.

Es folgten zahlreiche andere Feste und Veranstaltungen. An alle kann sich Marie-Kristin Lüdemann schon gar nicht mehr erinnern. Dafür sind ihr die schönsten im Gedächtnis geblieben – wie das Königinnen-Treffen bei Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil, das Blütenfest im Alten Land oder das Nienburger Spargelfest. Von dort schaffte es die Rotenburgerin medial bis in die altehrwürdige Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Darauf ist sie natürlich stolz, doch das ist es nicht, was sie antreibt. Als Kartoffelkönigin „merkt man erst, welche schönen Plätze man hier hat“, beschreibt Marie-Kristin Lüdemann ihre Motivation. Für sie sei es etwas Besonderes, die eigene Region zu präsentieren. Und wenn sie auch noch Kinder beschenken könne, die später ebenfalls Kartoffelkönigin werden möchten, ist der Job für die 19-Jährige perfekt. Das Menschliche ist es auch mit Blick auf ihre Amtskollegen, was ihr gut gefällt: Zu ihnen hält Marie-Kristin Lüdemann auf ganz modern Kontakt: über's Netzwerk „WhatsApp“. Darin sind nach ihren Angaben etwa 20 amtierende und gewesene Hochwohlgeborene vertreten. Zu ihnen möchte die junge Frau von der Wümme auch nach dem Ende ihrer Amtszeit Kontakt halten.

Am 27. September, beim nächsten Kartoffelmarkt, wird ihre Nachfolgerin gekürt.

Mehr zum Thema:

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Meistgelesene Artikel

Schüler erteilen Rassismus einen Platzverweis

Schüler erteilen Rassismus einen Platzverweis

Westervesede: Noch jede Menge Müll vom Hurricane-Festival 2016 

Westervesede: Noch jede Menge Müll vom Hurricane-Festival 2016 

Schüler des Ratsgymnasiums und der BBS beim „Management Information Game“

Schüler des Ratsgymnasiums und der BBS beim „Management Information Game“

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Kommentare