Neue Ziele für die Zukunft

Marco Prietz übernimmt Vorsitz des Volksbundes

Stephan Meyer (l.) und Marco Mohrmann (r.), Hermann Luttmann (2.v.r.) und Marco Prietz.
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Stephan Meyer (l.) und Marco Mohrmann (r.) verabschiedeten den scheidenden Vorsitzenden Hermann Luttmann (2.v.r.) und begrüßten Nachfolger Marco Prietz.

Hermann Luttmann verabschiedet sich Ende Oktober nicht nur aus seinem Amt als Landrat, sondern er reicht auch den Vorsitz des Kreisverbandes Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge an seinen Nachfolger Marco Prietz weiter.

Rotenburg – Nach einer Pause im vergangenen Jahr kann der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wieder seine Haus- und Straßensammlung aufnehmen. Die Mitglieder selbst kamen jetzt zum Forum im Haus am Luhner Forst zusammen, damit der scheidende Kreisverbandsvorsitzende Rotenburg Hermann Luttmann zum Ende seiner 33-jährigen Amtszeit unter anderem zahlreiche Ehrungen vornehmen konnte. Eine ganze Reihe von Mitgliedern hatte dem Volksbund die Treue gehalten, die Ehrung für die langjährigste ehrenamtliche Tätigkeit geht jedoch an Luttmann selbst, der mit dem Amt des Landrats auch den Vorsitz als Vorsitzender des Kreisverbandes an seinen Nachfolger Marco Prietz weitergibt.

Es ist kein zwingender, aber doch erwartbarer Schritt, der laut Geschäftsführer Michael Meyer „in den Statuten des Volksbundes so festgeschrieben ist“. Prietz, der bislang persönlich wenig Berührung mit dieser Institution hatte, nimmt die Herausforderung gern an. „Allerdings habe ich erst einmal eine Nacht darüber geschlafen, wie es die Relevanz eines solchen Amtes gebietet.“ 33 Jahre war sein Vorgänger im Amt – und damit „Dienstältester“ im Bezirk. „Ich bin 33“, konstatierte der Landrat in spe. „Es ist wichtig, dass die junge Generation Verantwortung übernimmt.“

Der scheidende Vorsitzende Hermann Luttmann ehrte Reinhard Frick (l.) für 30 Jahre Tätigkeit.

Damit ist er ein gutes Vorbild, ist es laut Luttmann doch gerade der Nachwuchs, der dem Verein fehlt. Wenig erstaunlich, wie er im Fazit über die Entwicklung nach mehr als drei Jahrzehnten lokaler Volksbund-Geschichte ausführte. „Die Zeiten haben sich geändert seit 1988“, stellte er fest; nicht erst seit der Vereinigung mit dem Kreisverband Bremervörde Anfang der 2000er-Jahre. Nach der kontrovers aufgenommenen Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ 1995, bei der auch Sandbostel ins Blickfeld gerückt sei, habe sich der Fokus geändert.

Das spiegele sich etwa in dem mehrfach veränderten Text zum Volkstrauertag wider: Sei es ursprünglich um die Opfer der beiden Weltkriege, Vermisste und Kriegsgefangene gegangen, seien in den 70er-Jahren auch die Opfer der deutsch-deutschen Teilung hinzugekommen; in den 80ern die Opfer von Terrorismus, später von Fremdenhass, seit 2006 auch die von Auslandseinsätzen, und heute auch terroristischer, islamistischer und rassistischer Anschläge.

Start der Sammlung

Der Volksbund hat seine Haus- und Straßensammlung aufgenommen. Angehörige des Volksbundes, Schüler, Soldaten, Feuerwehrleute und andere Förderer bitten um Spenden für die Arbeit. Neben der Pflege von Kriegsgräberstätten im Ausland und dem Bergen von Kriegstoten kümmert er sich auch um die Jugendarbeit. Noch bis Weihnachten wird gesammelt.

Nach wie vor gehe es im Kern um die Pflege von Kriegsgräbern im Ausland und die Identifizierung der Toten; die Hoffnung, über internationale Jugendbegegnungen nicht nur Toleranz und Verständigung zu fördern, sondern auch junge Menschen für eine Mitgliedschaft zu begeistern, habe sich allerdings nur eingeschränkt bewahrheitet. Genau hier will auch Prietz ansetzen: Als zukünftigen Schwerpunkt nennt er neben der Öffentlichkeitsarbeit, „um Menschen für diese ehrenamtliche Arbeit zu begeistern, die wie ich selbst keinen persönlichen Bezug mehr haben“, vor allem Jugend- und Bildungsarbeit. Am Beispiel Sandbostel habe sich gezeigt: „Wenn Schulen sich einbringen, trägt das entscheidend zur nachhaltigen Vermittlung der Inhalte des Volksbundes bei.“

Die Gewinnung neuer Mitglieder sieht Luttmann denn auch als Ziel für die Zukunft. Die Mitgliederzahl liege zum ersten Mal unter 600. „Der Zweite Weltkrieg ist lange her – die Gewinnung gerade nach der Pandemie wieder in Gang zu bringen, ist eine große Herausforderung.“ So hätten die fehlenden Straßensammlungen durch die Soldaten im Vorjahr zu Buche geschlagen: Statt gut 65.000 Euro im Vorjahr seien gerade einmal 11. 700 Euro eingegangen. Das oberste Ziel ist laut Luttmann auch angesichts sich wandelnder Bedingungen gleich geblieben: „Die Suche nach historischer Wahrheit statt politischer Verklärung.“

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