Marburger Professor Schäfer referiert über seltene Krankheiten

„Dr. House“ am Diako

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„Doktor House“ in Rotenburg: Uni-Professor Jürgen Schäfer (l.) mit einem Rotenburger Kollegen und Chefarzt Carsten Konrad, Organisator des Seminars.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Der „Deutsche Doktor House“ war am Wochenende im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg zu Besuch. Am Sonnabend referierte Professor Jürgen Schäfer, Leiter des Zentrums für unerkannte und seltene Erkrankungen am Klinikum der Philipps-Universität Marburg, in einer Lehrveranstaltung vor Berufskollegen und Studenten aus Hamburg über seine spannendsten Fälle.

Ergänzt wurden die außergewöhnlichen Patientengeschichten aus der renommierten Uni Marburg durch Beiträge von Professor Carsten Konrad, Chefarzt der Rotenburger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Zentrum für Psychosoziale Medizin des Diako sowie anderer leitender Ärzte.

Organisator Konrad, der seinen Kollegen Jürgen Schäfer aus gemeinsamer Arbeit in Marburg kennt, hatte den prominenten Gast jetzt zu dem „House-Seminar“ in den Buhrfeindsaal eingeladen. In Rotenburg sprach Schäfer, gefragter Seminar-Gastredner, zum ersten Mal in einer Lehrveranstaltung vor 156 Medizinstudenten der Uni Hamburg und vor Studierenden aus Göttingen, Hannover und Berlin. Allerdings nicht aus Marburg – an der Lahn ist „Dr. House“ mit seinem großen Anliegen längst ein fester Begriff. Das Diako ist Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg.

Schäfer hat sich auf das Lösen von medizinischen Rätseln spezialisiert – einmalig in der Bundesrepublik. Für seine medizinischen Leistungen wurde der Mediziner vor zwei Jahren als „Arzt des Jahres“ ausgezeichnet.

Ein Rauschen ging, auch international, vor fünf Jahren durch den Medienwald, als der Marburger Professor mit seiner Arbeit vorgestellt wurde: „Dr. House“ quasi als Katapult, um die Arbeit des jungen Zentrums für unerkannte und seltene Erkrankungen vorzustellen. Jürgen Schäfer arbeitet mit einem interdisziplinären Team von Fachmedizinern aus der Neurologie, der Inneren Medizin, der Radiologie, der Pneumologie, Gastroenterologie, der Nephrologie und der Psychosomatik zusammen. Auf der „anderen Seite“ steht ein wachsendes Heer hilfloser und oft verzweifelter Patienten, die an rätselhaften Krankheiten leiden. Inzwischen beläuft sich die Zahl der täglichen Anfragen dieser Menschen auf täglich 20 bis 30. Schäfer: „Man braucht einen Kümmerer, und wir brauchen die Unterstützung der Krankenkassen.“

Hinzu komme, dass den Berufskollegen in den Praxen oft eine Anlaufstelle fehle, wenn es um das Diagnostizieren und Behandeln seltener Erkrankungen gehe. Klären konnten die Marburger beispielsweise den Fall einer angeblichen Herzpatientin, die in Wirklichkeit an einer Papageien-Allergie litt. Schäfer entdeckte eine Reihe von Kobaltvergiftungen, die nach einer Hüftoperation auftraten. Der Arzt schätzt, dass rund vier Millionen Menschen an einer seltenen und schwer zu diagnostizierenden Krankheit leiden.

Der Arzt und Wissenschaftler mit trockenem und hintergründigem Humor sprach in Rotenburg zu dem Thema „Lernen mit und von Dr. House“. Allerdings ist der für Schäfer nur eine hilfreiche Randfigur. „Was hätten wir in Marburg anders gemacht?“, fragte der Dozent. Die Antwort: „Der Umgang mit den Patienten wäre bei uns freundlicher, weniger zynisch und weniger aggressiv.“ Seine Rotenburger Kollegen Frank Bösebeck, Thomas Eichmann, Oliver Fröhlich und Carsten Konrad waren mit Beiträgen aus ihrem medizinischen Alltag im Diakonieklinikum dabei. Zum Programm gehörte eine Klinikführung über fünf Stationen und abends eine noch Party – natürlich eine „House-Party“...

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