Einweisung in Psychiatrie

Mit Blutflecken auf dem Hemd: Mann hantiert auf Kindergartengelände mit Messer

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Der Betrieb im Rotenburger Aktionskindergarten läuft nach dem Vorfall weitgehend weiter – auch zum Schutz der Kinder, die die Sicherheit in ihrem vertrauten Umfeld nicht verlieren sollen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. „Wir hatten große Angst“, sagt Susanne Slomma-Kahlenberg am Mittwochmittag. Die Leiterin des Rotenburger Aktion Kindergartens sitzt im Besprechungsraum des Hauses an der Bischofstraße, die Sonne scheint, die Kinder toben draußen herum, eigentlich ein schöner Tag. Wenn da nicht der Vorfall am Morgen gewesen wäre: Ein blutverschmierter Mann mit einem langen Messer stand im Garten der Kita. 

Verletzt wurde niemand, der Mann wurde verhaftet. Aber der Schrecken sitzt tief. Klar ist wenige Stunden nach dem Vorfall kurz nach 8 Uhr nur, was passiert ist. Warum, das ist offen. Was trieb den der Polizei wegen verschiedener Straftaten bekannten 35-jährigen Rotenburger dazu, mit einem Messer durchs Mühlenviertel, wo er auch wohnt, zu laufen? Warum bedrohte und bepöbelte er auf seinem Weg mehrere Menschen? Woher stammt das Blut an seinem Unterhemd? 

Die Polizei versucht, die Fragen zu beantworten. Vorerst ist der Mann in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht. „Er ist verwirrt“, heißt es. Ob Drogen im Spiel waren, Alkohol oder eine familiäre Tragödie – unklar. Diese Fragen stellt sich auch Susanne Slomma-Kahlenberg. Und sie muss den 23 Kindern, die an diesem Morgen in dem Kindergarten sind, Erklärungen liefern. „Wir wollen unseren Alltag so weitermachen. Der Mann ist dingfest, er tut uns nichts mehr.“ 

Kein gezielter Angriff

Die Polizei geht davon aus, dass der Mann zufällig beim Kindergarten über den Zaun stieg und mit dem Messer, „einem Fahrtenmesser herumfuchtelte und eine Erzieherin bedrohte mit Stichbewegungen“, wie es Slomma-Kahlenberg ausdrückt. Kein gezielter Angriff, soviel ist wohl klar, sei das gewesen. 

Der Mann verlangt nach einem Krankenwagen, die Erzieherinnen verwickeln ihn in ein Gespräch, alarmieren Polizei und Feuerwehr über Notruf. Die Kinder, die den Mann ebenfalls im Garten der Kita stehen sehen, werden derweil schleunigst, aber ohne Hektik und großes Geschrei ins Gebäude gebracht. Im Obergeschoss schließt sich eine Erzieherin mit den Drei- bis Sechsjährigen ein. „Wir haben alles richtig gemacht“, sagt Slomma-Kahlenberg. Sie selbst versteckt noch beim Anblick des Mannes eine große Nähschere, „man denkt ja gleich an Paris oder so“. Als sie dem verwirrten Mann berichtet, dass ein Krankenwagen auf dem Weg sei, nimmt der Reißaus. Durchs Carport und über den Zaun läuft er runter vom Kita-Gelände Richtung Verdener Straße. 

Notfallseelsorgerin vor Ort

Im Kindergarten nimmt sich die Polizei später dem Thema an. Ein Uniformierter hilft, den Kindern zu erklären, was vorgefallen ist, dass der Mann nicht ihnen wehtun wollte, sondern verwirrt sei und selbst nicht wusste, was er tat. Auch eine Notfallseelsorgerin ist vor Ort. Slomma-Kahlenberg lobt die Zusammenarbeit mit den Behörden ausdrücklich. Auch den informierten Eltern habe man so unnötige Ängste nehmen können. 

Von der Kita flüchtet der Mann schließlich in Richtung des Edeka-Marktes an der Verdener Straße. „Dort randalierte er kurz und belästigte Kunden“, teilt Polizeisprecher Heiner van der Werp mit. Auch ein Schild beschädigt der Mann und läuft dann über die Straße. Mehrere Polizisten überwältigen ihn kurz darauf nahe der Sparkassen-Filiale. Ein Beamter wird dabei verletzt, aber nicht durch das Messer. Gegen 8.45 Uhr ist der Spuk beendet, der Mann in Gewahrsam. Dort wird er von der Polizei befragt, später psychiatrisch begutachtet. Antworten allerdings für sein Motiv gibt es bislang nicht. 

Auch wisse man noch nicht, woher das Blut an der Kleidung des 35-Jährigen stammt, so van der Werp. Das werde noch untersucht. War es frisch oder alt? Der Mann wies jedenfalls keine Verletzungen auf, weitere Verletzte gab es nicht. Auch keine Blutspuren bei dem Mann zuhause oder auf seinem Laufweg am Mühlende. Vieles bleibt unklar an diesem Mittwoch, nur eines nicht: Im Kindergarten haben sich alle korrekt verhalten – sowohl die Kinder, die nicht in Panik ausgebrochen sind als auch die Erzieherinnen, die deeskalierend auf den Mann eingewirkt haben.

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