Landschaftswart zieht Konsequenzen

Manfred Radtke schmeißt hin

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Nicht nur als Landschaftswart hat Manfred Radtke die Natur immer im Blick. Dieses Amt will er fortan allerdings nicht mehr ausüben.

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Manfred Radtke hat keine Lust mehr. Der für die Stadt Rotenburg zuständige Landschaftswart des Landkreises hat Konsequenzen aus dem seit einigen Wochen herrschenden Streit zwischen ihm und der Stadtverwaltung gezogen und seinen Rücktritt angekündigt. Bei Bürgermeister Andreas Weber (SPD) stößt er damit auf Unverständnis.

Radtke hatte Weber am Dienstag angekündigt, die Landkreisverwaltung in dieser Woche darüber zu informieren, dass er das Amt des Landschaftswartes niederlegt. „Unter diesen Umständen bin ich nicht bereit, weiterhin meine Freizeit für die Stadt zu opfern“, erklärt der ehemalige Grünen-Ratsherr und BUND-Kreisvorsitzende in dem Schreiben, das der Redaktion der Kreiszeitung vorliegt. Vorangegangen war ein Streit mit Bürgermeister Andreas Weber, nachdem Radtke am 21. Februar während einer Sitzung des Umweltausschusses des Rotenburger Stadtrats kritisiert hatte, dass der städtische Bauhof falsche Baumschnittmaßnahmen und „rabiate“ Gewässerreinigungen vorgenommen habe.

„Musterbeispiel dafür, wie man Bäume verhunzen kann“

Exemplarisch berichtete er vom Reithenweg in Unterstedt, wo der Bauhof angewiesen worden war, nach zwölf Jahren den Graben am Weg wieder zu räumen. Das tat er – mit entsprechendem Kahlschlag und der Auskofferung des Gewässers. Ein weiteres Streitthema war der ähnlich gelagerte Obstbaumschnitt am Schwedenkamp, ebenfalls in Unterstedt. Hier war das Lichtraumprofil Anlass der Arbeiten. Der Schwedenkamp, so formulierte es Radtke, sei ein „Musterbeispiel dafür, wie man Bäume verhunzen kann“.

Die Stadt wies daraufhin die Kritik des Landschaftswartes an ihrem Bauhof vehement zurück. Weber argumentierte, dass die Arbeiten am Reithenbach von einer Fremdfirma ausgeführt worden seien, das Vorgehen sei mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis abgestimmt gewesen. Auch verteidigte er die Maßnahmen als „erforderlich“. Radtke kritisierte in den folgenden Wochen auch den Umgang der Stadt mit den Anmerkungen. Statt den Landschaftswart anzugreifen, wäre es die Pflicht Webers gewesen, Hinweise auf Fehlentwicklungen auf ihre Richtigkeit zu prüfen und gegebenenfalls für Abhilfe zu sorgen, hieß es in einer Stellungnahme Radtkes vor eineinhalb Wochen.

„Ablauf absolut unbefriedigend“

In seinem jetzigen Schreiben an Weber erneuerte er diese Kritik noch einmal: „Ich stelle mir die Frage, welche Bedeutung für die Stadt eigentlich die Aussagen von Fachleuten haben, die auf Obstbaumschnitt spezialisiert sind.“ Der Ablauf der Geschehnisse sei für ihn absolut unbefriedigend. Er könne nur den Schluss ziehen, dass Hinweise des Landschaftswarts bei der Stadt nicht mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit zur Kenntnis genommen und verfolgt würden. Radtke: „Ich muss daher davon ausgehen, dass sich ähnliche Vorgänge und unerfreuliche öffentliche Diskussionen jederzeit wiederholen können.“

Es ist ein Streit, der mit dem Rücktritt Radtkes auch eine andere Verwaltung beeinflusst. Die Institution Landschaftswart ist keine der Stadt, sondern dem Landkreis Rotenburg zugehörig. Der Kreistag hatte 2014 die Bestellung von 13 Landschaftswarten beschlossen – für jede Kommune in ihrem Verwaltungsgebiet einen. Erst im Dezember hatten die Ratsleute der Fortführung des Projektes über den 30. Juni dieses Jahres hinaus zugestimmt. Die Landschaftswarte sind der erste Ansprechpartner vor Ort, wenn es um Natur und Umwelt geht – sie haben eine Filterfunktion: Sie sollen Anfragen zum Umweltschutz annehmen, gegebenenfalls Fotos vom Sachverhalt machen, sie dokumentieren und sie leiten alles, sofern notwendig, an den Landkreis weiter.

Weber bedauert Radtkes Rücktritt

Dessen Verwaltung beschränkt sich in einer Stellungnahme lediglich auf das weitere Vorgehen in Bezug auf die Personalie Landschaftswart. Eine Frist für Personenvorschläge für die Landschaftswarte in den Kommunen ab Juli gelte ohnehin bis zum 15. April, eine spätere Benennung sei laut Kreissprecherin Christine Huchzermeier bei „kurzfristig eintretenden Gründen“ möglich, zumal der Umweltausschuss des Kreistages sich erst am 17. Mai in dieser Sache berät. Danach werde der Kreisausschuss abschließend entscheiden.

Eine Stellungnahme zur Diskussion zwischen seinem Landschaftswart und Weber lehnt der Landkreis ab. Die Rotenburger CDU-Stadtratsfraktion dagegen will die Personalie Radtke am Mittwoch im Verwaltungsausschuss zum Thema machen. Das Ansinnen Radtkes einer Zusammenkunft aller möglicherweise für die Fälle in Unterstedt verantwortlichen und beteiligten Behörden und Institutionen – sowohl aus der Stadt- als auch der Landkreisverwaltung – lehnt Weber nach wie vor ab. „Ich halte das nicht weiter erforderlich“, sagte er am Dienstag. Er finde es aber nicht richtig, dass Radtke diese Konsequenz zieht. Dennoch tue ihm dieser Schritt leid: „Herr Radtke hat gute und anerkennungswerte Arbeit geleistet.“ Eine Sichtweise, die zuletzt offenbar nicht deutlich wurde.

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