Christine Brauns Plädoyer fürs Lesen / Foto-Wettbewerb

„Manchmal zu viel Druck“

Die Auswahl ist groß. Der Büchermarkt hat für jeden Geschmack etwas zu bieten. Foto: Menker

Rotenburg – Wie lässt sich das Thema „Lesen“ am besten in einem Bild festhalten? Cornelia Mansfeld will es wissen. Die Buchhändlerin greift aber nicht selbst zur Kamera, sondern sie lässt andere fotografieren. Die Inhaberin der Buchhandlung Müller an der Goethestraße in Rotenburg hat vor dem Hintergrund dieser Frage einen Wettbewerb ins Leben gerufen und dafür eine Reihe von Preisen zusammengetragen.

Dass das Lesen eine große Bedeutung in unserer Gesellschaft hat, steht außer Frage. Das betont nicht nur die Initiatorin des Fotowettbewerbs, sondern das bestätigen eben auch alle, die in irgendeiner Form damit zu tun haben. Lehrer natürlich, aber auch Bibliothekare. Christine Braun ebenfalls. Sie arbeitet bereits seit mehr als 25 Jahren in der Rotenburger Stadtbibliothek und setzt in ihren Bemühungen, für das Lesen zu werben, vor allem bei Kindern und Jugendlichen an. „Es ist leichter, Kinder von Anfang an mit dem Lesen zu sozialisieren, als es später bei lesefernen Erwachsenen zu versuchen“, sagt sie. Jedes Kind habe ihrer Ansicht nach das Recht auf das Erlebnis, in einem Buch zu „versinken“.

Allein das könnte vielleicht ein wunderbares Fotomotiv sein – ein in einem Buch „versinkendes“ Kind. Aber wie lassen sich überhaupt gute Grundlagen verschaffen, um ein solches Erlebnis zu erzielen? „Vorlesen, vorlesen, vorlesen“, sagt Christine Braun. Gute Bücher bedeuteten Spannung, begleitet von Themen, die die Kleinen interessieren. Eltern sollten dabei Vorbild sein, also selbst lesen, davon erzählen und die eigene Begeisterung transportieren und damit zugleich auch Erlebnisse rund ums Lesen schaffen.

In der Theorie klingt das ganz sicher gut, aber die Realität sieht manchmal anders aus: „Leider ist die Gesellschaft hier genauso gespalten wie bei der Bildung. Manche Eltern fördern gut, manche gar nicht“, weiß die Leiterin der Stadtbibliothek. Es erschrecke sie, „dass engagierte Eltern so große Versagensängste haben. Ich habe schon Mütter weinen sehen, weil ihr Kind bei Antolin schlecht abschneidet. Manche machen zu viel Druck. „Wettbewerb ist nicht unbedingt förderlich“, erklärt Braun. Lesen sei wichtig. Aber was macht es mit uns? „Zum Einen ist Lesen natürlich die Grundlage für jede Bildung, Informationsbeschaffung und sinnvolle Lebensgestaltung überhaupt“, so Braun. Zum anderen gebe Lesen noch viel mehr: das Eintauchen in fremde Welten und Leben, Mitfühlen mit Protagonisten, die Dinge erfahren und erleben außerhalb der eigenen Erfahrungswelt, ganz nebenbei Wissen mitnehmen – historisches, geografisches, politisches, gesellschaftliches und kulturelles Wissen. Die Expertin: „Nach neuestes Studien soll Lesen das Leben verlängern.“ Auch diese Information könnte sich vielleicht in einem spannenden Bild festhalten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wenn Christine Braun über das Lesen spricht und dabei betrachtet, wie es darum in unserer Gesellschaft bestellt ist, findet sie auch viele sehr positive Aspekte. In der Stadtbibliothek seien oft jene Kinder zu erleben, die sowieso gerne lesen. „Die sind mit Begeisterung dabei, und vor allem im Julius-Club sehen wir oft richtige Buchjunkies.“ Mit Veranstaltungen und Kooperationen mit Schulen und Kitas versuche sie, auch die anderen zu erreichen. Braun: „Hier sehen wir oft, dass die Aufmerksamkeitsspanne sinkt. Vorlesen ist dann schwierig, und die angebotenen Bücher müssen kurz, sehr fesselnd und leicht zu lesen sein.“ Vor diesem Hintergrund freut sie sich über die guten Kooperationen. „Alle Rotenburger Schulen und auch einige aus dem Umland nutzen unsere Angebote in unterschiedlichem Umfang. Durch den Kooperationsvertrag ist die Zusammenarbeit mit der Stadtschule besonders nachhaltig und ergiebig. Das Ratsgymnasium arbeitet ebenfalls besonders gut mit uns zusammen. Die Entwicklung insgesamt ist positiv.“

Warum ihr diese Zusammenarbeit so wichtig ist, verschweigt Christine Braun natürlich ebenfalls nicht: „Lesend erlebt und erfühlt man Dinge, die andere erleben. Das kann und soll durchaus Toleranz, Mitgefühl und Verständnis fördern.“ Wer sicher und gut lesen kann, sei besser informiert und könne Gefahren besser einschätzen. Lesen als Präventionsarbeit? „Ob es reicht, über einen Drogenrausch oder eine kriminelle Aktion zu lesen, um das in der Wirklichkeit nicht erleben zu müssen, kann ich nicht beurteilen.“

Aber was können Eltern machen, um ihren Nachwuchs für das Lesen zu begeistern? Nach Ansicht von Christine Braun wären es erst einmal gut, wenn sie nicht selbst permanent mit dem Smartphone „daddeln“. Besser sei es, selbst zu lesen und mit den Kindern darüber zu sprechen. Sie rät: „Nicht zu viel Druck machen. Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo und hat eigene Interessen.“ Und sofern es nicht zu radikal wird oder gar illegal ist, sollten die Eltern sich bei der Buchauswahl nicht zu sehr einmischen. Auch Comics oder schöne Sachbücher können die Kinder zum Lesen animieren, findet Christine Braun.

Mitmachen kann jeder – bis Ende des Monats

• Der Fotowettbewerb richtet sich an Menschen jedes Alters. Bei dem Wettbewerb sollen Menschen fotografiert werden, die lesen. Es sollen Fotos sein, die das Lesen im Alltag zeigen. Ganz wichtig: Es soll das Lesen von Printerzeugnissen dargestellt werden: Bücher, Zeitungen und Zeitschriften also.

• Teilnehmen kann jeder aus dem Landkreis Rotenburg. Die Fotos können bis zum 29. Februar als Datei unter der E-Mail-Adresse fotowettbewerb@muellers-buch.de eingereicht werden. Eine Jury wird im Anschluss die Bewertung vornehmen und über die Platzierungen entscheiden.

• Der Gewinner des Fotowettbewerbes zum Thema „Lesen“ erhält 300 Euro. Der Zweitplatzierte bekommt 200, der Drittplatzierte 100 Euro. Und es gibt drei E-Paper-Abos der Rotenburger Kreiszeitung für jeweils drei Monate sowie Gutscheine des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zu gewinnen.

• Ziel ist es, so Initíatorin Cornelia Mansfeld, die eingereichten Bilder im Rahmen einer Ausstellung zu zeigen. Die Buchhändlerin: „Sie können an verschiedenen Orten veröffentlicht werden und werden genutzt, um für das Lesen zu werben. Das können auch Werbepostkarten, Zeitungsanzeigen oder Social-Media-Auftritte der beteiligten Firmen sein.“

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