Tourow-Geschäftsführer Udo Fischer spricht über das Flachlandwandern im Landkreis Rotenburg

„Man redet über die Nordpfade“

Udo Fischer genießt, wenn es die Zeit erlaubt, auch mit seiner Familie immer wieder gerne die Nordpfade. -  Foto: Jarle Fischer

Rotenburg -  Die Nordpfade katapultieren den Touristikverband Rotenburg (Tourow) und sein neues Wanderangebot in die erste Liga. Gerade erst sind vier der 24 Wege mit einem Bundeszertifikat ausgezeichnet worden, das ihnen eine ganz besondere Qualität bescheinigt und den Nordpfaden die Eintrittskarte in das Online-Portal „Wanderbares Deutschland“ des Deutschen Wanderverbandes verschafft hat. Wir haben darüber mit dem Geschäftsführer des Tourow, Udo Fischer, gesprochen.

Herr Fischer, die Nordpfade sind fertig. Welche davon haben Sie schon bewältigt?

Udo Fischer: Ich selbst bin bereits alle 24 Wege gewandert. Viele davon schon mehrfach. Einige auch gejoggt, als Vorbereitung für meine Marathonläufe 2015.

Welcher der Nordpfade gefällt Ihnen am besten?

Fischer: Keiner – alle 24 sind toll, und jeder ist einzigartig. Man kann die 24 nicht miteinander vergleichen, außer dass alle im Landkreis Rotenburg liegen. Jeder von ihnen hat einen anderen Schwerpunkt: der eine ist länger, der andere kürzer, der eine besser per ÖPNV zu erreichen, der andere liegt zentral, und man kann direkt aus Rotenburg loswandern. Der eine hat mehr Waldanteile, beim anderen prägt das Moor oder die Geest den Wanderweg. Wie Sie merken, alle 24 sind anders und alle gefallen mir.

Und welcher Nordpfad kommt bei den Gästen am besten an?

Fischer: Auch hier ist die Wahrnehmung sehr unterschiedlich. Wir bieten verschiedene Möglichkeiten der Rückmeldung, unter anderem über Facebook, per E-Mail, telefonisch oder auch über unsere Online-Nordpfade-Befragung. Eine oder mehrere „klare Favoriten“ konnten wir bislang noch nicht erkennen, da die Erwartungen der Wanderer auch sehr unterschiedlich sind. Allerdinges sind alle von der Wegeauswahl, Streckenführung und der unverlaufbaren Markierung sehr begeistert.

Wie haben sich denn eigentlich im Zuge der Nordpfade die Gästezahlen im Landkreis bisher entwickelt?

Fischer: Es ist noch zu früh, um eine Bewertung abzugeben. Wir wissen von mehreren Quartiergebern, dass bereits gezielt Nordpfade-Wanderer einige Tage zum Wandern anreisen. Viele Wanderer sind jedoch Tagesausflügler aus dem eigenen Landkreis sowie den benachbarten Regionen. Die derzeit im Auftrag des Landkreises Rotenburg erstellte Studie zum Tourismus könnte hier genaue Daten liefern.

Welches Potenzial bietet das Angebot zum Flachlandwandern für den Landkreis?

Fischer: Wissenschaftliche Studien, wie „Der deutsche Wandermarkt 2014“ belegen, dass fast 70 Prozent der Wanderer leicht hügelige bis flache Regionen zum Wandern bevorzugen. Präferierte neue Zielgebiete sind vor allem das Flachland und Seengebiete. Das Interesse von Gelegenheitswanderern liegt vor allem an einfachen Zielgebieten mit vielen Landschaftstypen. Zudem werden die Wanderer immer jünger und verfügen über ein hohes durchschnittliches Einkommen. Die Wünsche der neuen Wanderer können in unserer Nordpfade-Region somit bestens erfüllt werden.

Wie sind Sie und Ihr Team eigentlich auf die Idee gekommen, ausgerechnet das Flachlandwandern bei uns im Landkreis zu etablieren?

Fischer: Nach der erfolgreichen Etablierung des Landkreises Rotenburg als Rad- und Landerlebnisregion haben wir 2009 ein neues Thema gesucht, um weitere Urlauber und Tagestouristen für unsere Urlaubs- und Freizeit-Region zu gewinnen. Damit wollten wir uns von anderen Tourismusregionen abheben. Wandern war zu dieser Zeit im Kommen. Das haben wir auch an vielen Gästeanfragen gemerkt, die sich zu diesem Thema häuften. Wir wollten mal etwas Neues machen, etwas, das es in unserer Region noch nicht gab. Wieso also nicht das Wandern beziehungsweise noch besser – das Flachlandwandern – im Landkreis Rotenburg etablieren? Dieses Thema hatte im Norden bisher noch niemand bearbeitet. Wohl auch, weil die Wanderer zumeist ein negatives oder veraltetes Image haben. Sie werden oft mit dem Klischee Knickerbocker, farbloses Outfit und so weiter in Verbindung gebracht. Auch wenn wir keine Berge vorweisen können, hat der Landkreis doch eines zu Genüge: eine vielfältige Landschaft und sehr viel Ursprünglichkeit. Durch unsere Arbeit im und für den Landkreis haben wir viele Landschafts-Szenerien kennengelernt, wie zum Beispiel das Huvenhoopsmoor, den Altarm der Oste in Bremervörde, den Wolfsgrund oder den Großen Bullensee. Auch ist es bei uns durchaus hügelig, wenn auch nicht bergig. Die Frage war nur, ob wir auch Wanderwege finden würden, die bei Einheimischen, Tagestouristen und Urlaubern auf Interesse stoßen würden.

Der Erfolg gibt Ihnen Recht – jetzt sind gleich mehrere Nordpfade besonders ausgezeichnet worden. Sind Sie stolz auf das, was der Tourow da in den vergangenen Jahren entwickelt und in die Tat umgesetzt hat?

Fischer: Ich würde sagen, wir sind eher sehr zufrieden, dass wir an unserer Vision festgehalten und daran geglaubt haben, dass das Wandern im Flachland – und damit auch bei uns – begeistern kann. Journalisten kommen inzwischen aus Süddeutschland, da wo es Berge und Schlösser gibt, in den Norden zu uns, um flach-weite Nordpfade zu bewandern. Anschließend berichten diese mit viel Begeisterung über das Nordpfade-Wandern, über die Menschen und Gastgeber und unsere Region. Der Deutsche Wanderverband, die TourismusMarketing Niedersachsen und auch das Wirtschaftsministerium sprechen von einem nachhaltigen und nachahmensfähigen Wanderprojekt im Flachland, welches es so noch nicht gegeben hat. Man redet über die Nordpfade, man belächelt diese zum Teil noch, aber sehr viele Menschen, insbesondere aus dem Landkreis Rotenburg und den Nachbarkreisen, bedanken sich für dieses neue Wanderangebot vor der eigenen Haustür. Das freut uns sehr und macht uns auch ein Stück glücklich.

Hätten Sie damals damit gerechnet, dass so viel Arbeit dahintersteckt?

Fischer: Dass es nicht einfach werden würde, wussten wir. Dass viel Energie, Enthusiasmus, Durchhaltevermögen, Anstrengungen und vieles mehr erforderlich sein würden, wurde auch erwartet. Die viele Arbeit mit dem Projekt hat uns aber auch weiter gebracht, hat die Nordpfade zu dem gemacht, was sie nun sind, und hat uns vor allem zu einem Miteinander vieler Akteure in der Region geführt. Dass der Weg aber fünf Jahre von der ersten Idee bis zum ersten fertigen Nordpfad dauern würde, hatten wir nicht erwartet.

An welchen Stellen gab es eigentlich die größten Probleme in der Planung und in der Umsetzung?

Fischer: Die Wegefindung von naturnahen Wegabschnitten und die Zustimmung von den Privatpersonen und Interessensverbänden zur Nutzung dieser Wege für Wanderer. Letzteres gestaltete sich teilweise als echte Herausforderung. Durch die Nichtzustimmung von Grundstückseigentümern mussten ganze Wegeabschnitte verlegt werden. Viele Wege können aber nicht einfach umgelegt werden, da sie dann die Qualitätskriterien vom Deutschen Wanderverband nicht mehr erfüllen. Da wurde es schwierig, einen neuen Weg zu finden, auch wenn unsere Wanderscouts nichts unversucht gelassen haben, um Alternativen zu finden.

Zu Beginn des Projektes gab es nicht wenige, die Sie belächelt haben. Ist die Skepsis gewichen?

Fischer: Das können besser die Skeptiker beantworten als wir. Sicherlich gibt es weiter auch kritische Äußerungen zum Projekt. Aber das ist normal. Jedoch gibt es inzwischen auch Rückmeldungen, dass bisherige Zweifler inzwischen gerne flach-weit wandern und wir bei der Realisierung an viele Dinge gedacht haben, die zum Gelingen beitragen.

Wandern kann man ja eigentlich überall. Welche Merkmale der Nordpfade halten Sie für besonders erwähnenswert?

Fischer: Die Nordpfade versprechen Abwechslung im Wegeverlauf und hinsichtlich der Landschaft. Im Wegeformat verfügen sie über einen großen Anteil an naturnahen Abschnitten. Sie sind auch unverlaufbar markiert und beschildert, man kann sie somit bequem ohne Karte erwandern. Durch die fehlenden Steige und Stiege ist das flach-weite Wandern zudem sehr entspannend, gelenkschonend, gesund und meist auch unanstrengend. Nordpfade kann als „Genusswandern auf norddeutsche Art“ zusammenfassen.

Zurzeit sind es 24 Wanderwege im Landkreis. Inwieweit lassen sich diese eigentlich kombinieren?

Fischer: Einige Wege sind direkt miteinander verbunden und stellen somit auch ein größeres Wandernetz dar, wie zum Beispiel die Nordpfade Wümmeniederung, Rotenburger Wasserreich, Dör´t Moor und Federlohmühlen. Vier Nordpfade in und um Rotenburg bieten sich somit für eine Mehrtageswanderung bestens an. Auch andere Strecken haben wir zum Teil über Zu- und Abwege miteinander verbunden, wie in den Samtgemeinden Geestequelle, Selsingen, Zeven, Fintel und in Gnarrenburg.

24 Wanderwege – werden noch weitere hinzukommen, oder ist das Projekt jetzt abgeschlossen?

Fischer: Derzeit gibt es keine Überlegungen von uns, weitere Wege zu realisieren. Auch wenn es keine weiteren geben wird, so wird das Projekt niemals abgeschlossen sein. Das Angebot mit 24 Wanderwegen ist sehr umfangreich und beschäftigt uns dauerhaft. Es geht um die Qualitätssicherung und -verbesserung, um die Vermarktung und auch das Beschwerdemanagement. Mit unseren Partnern vor Ort stehen wir im ständigen Projektaustausch.

Die Wege sind schon seit längerer Zeit fertig – im Mai sollen sie offiziell eingeweiht werden. Was haben Sie und Ihr Team genau geplant?

Fischer: Ja, seit dem letzten Jahr sind alle Nordpfade wanderbar. Es gab auch schon viele vereinzelte Einweihungen. Dennoch war es stets unser Ziel, sie mit einem großen Fest der Öffentlichkeit zu übergeben. Der Nordpfade-Wandertag am 22. Mai steht unter dem Motto „Wandern mit Freu(n)den“. Wir möchten die gesamte Region zum flach-weiten Wandern annimieren und auf die Nordpfade bringen. Auf fünf Sternwanderungen werden Wanderer auf Teilabschnitten nach Rotenburg wandern. Unterwegs werden sie von den Bürgermeistern begrüßt, die dann mit nach Rotenburg kommen. Die Gruppen werden wachsen und immer größer. Alle Wanderer werden sich dann in Rotenburg auf dem Heimathausgelände treffen, wo es von 11 bis 17.30 Uhr ein großes Fest mit Rahmenprogramm, einer Wander-Aktiv-Messe, Naturerlebnisangeboten für Kinder und Große sowie auch einer offiziellen Einweihungsveranstaltung geben wird.

Wenn Sie heute auf die Anfänge der Nordpfade zurückblicken: Würden Sie es noch einmal und dann auch genauso machen?

Fischer: Ja, das würden wir. Die Begeisterung vieler Wanderer aus Nah und Fern, das Vertrauen von vielen touristischen Leistungsträgern aus der Region in das Projekt wie auch das Natur- und Landschaftserlebnis bei eigenen Wanderungen mit der Familie, Freunden, Bekannten und Projektpartnern zeigt, dass unsere Vision, den Landkreis Rotenburg zur Flachlandwanderregion in Norddeutschland zu machen, absolut richtig war.

Gibt es Rückmeldungen, wie fallen die Reaktionen der Wanderer aus?

Fischer: Auf www.facebook.com/Nordpfade gibt es viele positive Rückmeldungen von Menschen, die wir bis heute nicht persönlich kennen, denen aber die Nordpfade ans Herz gewachsen sind.

Wann sind Sie selbst mal wieder – privat – auf einem der Nordpfade unterwegs?

Fischer: Häufig. Das nächste Mal privat sicherlich um Ostern herum. Dienstlich spätestens am 11. April, denn dann besucht uns für einige Tage ein niederländischer Reisejournalist, um über die Nordpfade zu berichten.

Von Guido Menker

Mehr zum Thema:

CDU siegt bei Saar-Wahl - SPD profitiert nicht von Schulz

CDU siegt bei Saar-Wahl - SPD profitiert nicht von Schulz

Gewinner und Verlierer: Der Saarland-Wahltag in Bildern

Gewinner und Verlierer: Der Saarland-Wahltag in Bildern

4:1: Deutschland gelingt souveräner Sieg in Aserbaidschan

4:1: Deutschland gelingt souveräner Sieg in Aserbaidschan

Bilder und Noten: DFB-Elf holt souveränen Sieg in Aserbaidschan

Bilder und Noten: DFB-Elf holt souveränen Sieg in Aserbaidschan

Meistgelesene Artikel

Schunkeln in der St.-Lucas-Kirche

Schunkeln in der St.-Lucas-Kirche

Dachbrand in Waffensen schnell gelöscht

Dachbrand in Waffensen schnell gelöscht

Selbstverteidigung im Viervierteltakt

Selbstverteidigung im Viervierteltakt

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Kommentare