Tobias Katze nimmt eigene Erkrankung auf die Schippe

Depression: „Man darf keine Witze darüber machen, man muss“

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Tobias Katze präsentierte im Heimathaus Auszüge aus einem Buch „Morgen ist leider auch noch ein Tag“. 

Rotenburg - Tobias Katze nimmt Depressionen auf die leichte Schulter – seine zumindest. Der gebürtige Ruhrpottler, was auch oft durchblitzt, stellte Samstag im Rotenburger Heimatmuseum sein jüngstes Werk „Morgen ist leider auch noch ein Tag“ vor.

Unverkennbar ist auch seine Erfahrung als Poetry Slammer, der sich in seinem unterhaltsamen Lesestil und Wortwitz widerspiegelt. Echt verrückt zum Teil. Und so bezeichnet er sich auch selbst, „verrückt“ – obwohl das politisch ja nicht der korrekte Ausdruck sei. Dem Publikum schilderte er, wie der dreckige Kleiderhaufen vor seinem Bett ihm vorschlägt, dass Kater ihn doch mal waschen und sortieren könne. Voller Selbstmitleid fristet Katze sein Dasein nämlich vorwiegend im Bett. Zumindest in seinem Buch. Er schafft es sogar, darin Mahlzeiten zuzubereiten, um dann festzustellen, dass er gar keinen Hunger hat. Ein Teufelskreis: Zu erschöpft, um überhaupt etwas zu tun. Mit Mühe vielleicht mal einkaufen, um dann zu merken, dass eh kein Appetit vorhanden ist und der Krams im Müll landet.

Krankheit einfach so ins Leben geschliddert

Zwischendurch verwuschelt Katze sein blondes Haar immer wieder und schein selbst ungläubig über seine eigene Geschichte. „In meinem Kopf ist es ungewöhnlich trist. Ich komme aus dem Ruhrgebiet und mein Innenleben erinnert derzeit stark an die Lüneburger Heide; nur nicht im Schönen“, sagt Katze. „Blei, leer, als wenn die Seele die ganze Nacht gerannt wäre“, schildert der unverkennbare Slammer, dem die Krankheit einfach so ins Leben geschliddert sei. Irgendwann. „Wo habe ich mir das nur eingefangen“, fragt Katze, als hätte er sich an einem Virus infiziert. „Ich habe Depressionen, ich mache Witze darüber. Das ist wie Sex mit mir: Es darf gelacht werden“, sagte Katze alias Tobias Rauh. „Den hat sich meine Freundin ausgedacht. Ich fand den nicht so witzig.“ Das Publikum allerdings schon.

Niederschmetternde Ratschläge

Ähnlich wie „Täglich grüßt das Murmeltier“ widerfuhren Katze zu seiner Depressionen bekannte Tipps wie „Ich bin auch mal traurig, ich lass’ mich da aber nicht so reinfallen“, oder, lustige Katzenvideos zu gucken, oder an die frische Luft zu gehen. Eher niederschmetternd, kraftraubend und deprimierend waren für den Autoren diese wiederkehrenden Ratschläge. Sein oft größter Wunsch: „Ich will eigentlich nur, dass alles aufhört.“ Auch, um „emotional keinen mehr auf die Fresse zu kriegen“.

Einzig was er neben einem unterhaltsamen Abend dem Publikum mit auf den Weg geben konnte: „Ist eben so.“ Mit dieser Erkenntnis lasse sich das Leben erstaunlich gut ertragen. „Zu irgendetwas muss das Schicksal ja gut sein. Ich kann es nicht ändern, aber lernen, damit umzugehen. Man darf über so ein Schicksal keine Witze machen, man muss.“ 

bd

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