Interview: Stefan Wenck über das Corona-Jahr auf der Insel

Mallorca: „Die Menschen haben Hoffnung“

Stefan Wenck blickt vom Balkon aus auf die Insel, die wieder Touristen erwartet.
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Stefan Wenck blickt vom Balkon aus auf die Insel, die wieder Touristen erwartet.

Rotenburg – Endlich wieder nach Mallorca! Die Debatte um die Öffnung der Balearen-Insel für Touristen wird hierzulande kontrovers geführt. Für viele ist die spanische Insel aber auch zur Heimat geworden. Vor genau einem Jahr sprachen wir mit Stefan Wenck über den harten Lockdown dort. Corona bestimmt weiterhin alles, auch für den heute 50-Jährigen, der ursprünglich aus Sottrum kommt.

Zuletzt hatte Stefan Wenck in Hannover gelebt und gearbeitet. Inzwischen verbringt er viel Zeit auf der Ferieninsel Mallorca und hält sich als Lebenskünstler über Wasser.

Herr Wenck, wie ist das Wetter auf Mallorca?

Hallo Herr Menker, ja was soll ich sagen? Es ist wechselhaft, aber überwiegend sonnig, und die Temperaturen um die 16 / 17 Grad sprechen für sich. Allerdings kommt jetzt eine kleine „Kältewelle“ mit Regen auf uns zu.

Was macht die Inzidenz?

Das sieht wirklich gut aus hier auf Mallorca. Die Zahlen liegen aktuell konstant bei 21 und 22, das ist auch der Grund, warum die Balearen nicht mehr als Risikogebiet eingestuft werden.

Noch dürfte relative Ruhe auf Mallorca herrschen, bald aber ist es damit vorbei. Die Urlauber aus Deutschland kommen zurück. Sie haben einen Jubel dazu via Facebook gesendet. Was erwartet sie auf der Insel?

Dazu möchte ich erst mal sagen, dass es grundsätzlich für die Reisenden, die jetzt nach Mallorca kommen, ein sicherlich ruhiger, entspannter Urlaub werden kann. Man sollte bei dem ganzen Jubel nicht vergessen, dass sich Mallorca mit viel Disziplin zu diesen guten Inzidenzzahlen hingearbeitet hat. Seit Monaten herrscht hier Maskenpflicht, sobald man die Wohnung verlässt, die Restaurants und Lokale waren, wie auch in Deutschland, viele Wochen geschlossen. Es gibt von 22 bis 6 Uhr eine Ausgangssperre, die auch weiter beibehalten wird. Es gab sogar eine Zeit hier, wo das Rauchen in der Öffentlichkeit untersagt wurde.

Und jetzt?

Kleine Lockerungen sind ja schon wieder getroffen worden. Bedeutet: Die Gastronomie darf bis 17 Uhr ihre Gäste bewirten, erst mal nur auf der Terrasse im Außenbereich. Die nächste Lockerung ist aber schon geplant, sodass Gäste auch bald wieder im Innenbereich der Lokale essen und trinken dürfen. Das dann mit maximal vier Personen am Tisch und unter Einhaltung der strengen Abstand und Hygienevorschriften. Wobei sich von alleine versteht, das es je nach Größe nur eine prozentuale Lokalauslastung geben wird.

Wie lange schon sind Sie eigentlich regelmäßig auf Mallorca?

Ich bin jetzt hier im dritten Jahr. Letztes Jahr zum 1. März habe ich mich ja entschieden, ganz auf die Insel zu gehen. Ich habe in Hannover meine Wohnung gekündigt und bin als fester Mitarbeiter bei Radio Hannover ausgestiegen. Jobtechnisch war für mich hier auf Mallorca alles geregelt, und genau zwei Wochen, nachdem ich hier war, ging es los mit der Pandemie. Ausgangssperre, alle Verträge gekippt und hinein in eine Zeit, in der man zunächst nicht wusste, wie es weitergehen soll.

Heute vor genau einem Jahr hat mein Redakteurskollege Michael Krüger einen Bericht über Sie geschrieben mit der Überschrift „Im Wartemodus auf der Partyinsel“. Was machen Sie jetzt also dort, außer das schöne Wetter zu genießen?

Naja, so einfach ist das alles nicht. Vom schönen Wetter kann man sich nicht den Kühlschrank voll machen. Ich musste einige Entscheidungen treffen, wie ich meinen Lebensunterhalt zusammenbekomme. Aktuell bin ich im FFP-Maskengeschäft und in Sachen Covid-19-Antigen-Schnelltests tätig. Ich bin aber während der Pandemie-Zeit auch zurück zu meinen Wurzeln gegangen und mich im Handwerk nützlich gemacht – als gelernter Zimmermann, übrigens in Waffensen bei Holzbau Cordes. Dazu mache ich noch Telefonakquise für ein Autohaus in Hannover. Internet und Homeoffice machen es möglich. Ich möchte aber dazu auch sagen, dass ich tolle Menschen um mich habe, die mir in den nicht so ganz einfachen Zeiten helfend zur Seite stehen. Ohne diese wahren Freunde wäre ich wohl nicht so positiv aufgestellt.

Wie geht es der Lieblingsinsel der Deutschen, wie geht es den Menschen dort zurzeit?

Die aktuelle Situation hier auf der Insel ist natürlich fatal. Wir wissen ja alle, das Mallorca fast nur vom Tourismus lebt, und den hat es ja jetzt ein Jahr nicht gegeben. Die Arbeitslosigkeit ist natürlich brutal, und die Sozialabsicherung ist bei Weitem nicht so aufgestellt wie in Deutschland. Jetzt ist wieder ein wenig Licht am Ende des Tunnels, und zumindest die Menschen, die vom Tourismus abhängig sind, haben wieder Hoffnung.

Ist es also richtig, wenn schon jetzt wieder Touristen auf die Insel kommen?

Ich glaube nicht, dass ich in einer Position bin, diese Frage so zu beantworten, dass jeder sagt: Ok, der Wenck hat recht. Ich bin der Meinung, dass es schon in Ordnung ist, wenn wieder Touristen kommen dürfen. Man darf nicht vergessen, dass die Einreise nur mit einem negativen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist, erfolgen darf. Dazu muss man sich auf der „SpTH-App“ registrieren, um nachverfolgen zu können, wo sich der Tourist aufhält. Es ist ja nicht so, dass alle Regeln jetzt aufgehoben werden. Da werden die Insulaner schon drauf achten. Nicht umsonst hat sich die Insel zu den sehr guten Inzidenzzahlen diszipliniert. Nichteinhaltung der Regeln wird auf Mallorca übrigens knallhart geahndet. Das ist dann echt ein teurer Spaß!

Sind alle Hotels geöffnet?

Nein, noch nicht, aktuell vielleicht knapp 50 Prozent. Die Erlaubnis, nach Mallorca zu reisen, ist ja noch recht frisch. Allerdings wird jetzt kräftig geputzt und gewienert, um den Gästen das schön zu machen.

Wie sieht es aus mit den Bars, mit den Stränden, mit den Clubs?

Bars und Clubs bleiben weiterhin geschlossen, und das ist meiner Meinung nach zunächst auch gut so. Es geht ja erst mal darum, den Touristen Urlaub zu ermöglichen. Sonne genießen, vielleicht schon mal ins Meer gehen und die Seele baumeln lassen. Für die Strände wird es auch heißen: Abstand halten, auch dort wird akribisch darauf geachtet. Eines darf man ja nicht vergessen: Bei steigenden Inzidenzzahlen wird es ganz schnell gehen, dass die Insel wieder zum Risikogebiet wird.

Sie melden sich über Facebook regelmäßig bei Ihren Freunden in Rotenburg und umzu. Was hören Sie von Ihnen? Sind die nur neidisch oder gar sauer? Schließlich starten jetzt die ersten Flieger in Richtung Mallorca, aber Urlaub bei uns in Deutschland steht noch in den Sternen.

Naja, meine Freunde wissen ja, wie das von mir alles geplant war. Wir sind regelmäßig im Kontakt, und ich bin ja auch mal in Deutschland unterwegs, da sehen wir uns dann auch. Neid gibt es in meinem Freundeskreis nicht. Es kommt eher schon mal: Wenn es wieder entspannter wird, kommen wir Dich auf Mallorca besuchen! Darauf freue ich mich natürlich. Ich möchte aber auch nicht ausblenden, wie die Situation in Deutschland ist. Ich habe viele Freunde aus der Gastronomie und der Eventszene, mit denen ich mich regelmäßig austausche. Ich wünsche mir so sehr, dass auch in Deutschland bald wieder ein Schritt in die Normalität gemacht werden kann.

Wie geht es mit Ihnen selbst weiter? Wir kennen Sie ja vor allem als Radio-Mann, als DJ. Was ist der Plan?

Tja, es ist eine gute Frage, wie der Plan ist. Planen kann man aktuell, glaube ich, gar nichts. Ich habe mich immer bei Laune gehalten, indem ich mir sagte, nächsten Monat wird’s wieder – und dann wieder ein Monat und wieder und wieder. Jetzt ist das erste Jahr rum, ein Jahr ohne einen einzigen Job im Eventbereich. Aber jammern nützt nichts. Ich habe immer noch meine Club-Show bei Radio Hannover und meine anderen Jobs. Darüber hinaus habe ich schon gute Gespräche geführt hier auf der Insel. Sollte es wieder eine gewisse Normalität geben, werde ich hier mit Sicherheit präsent sein. Das wird man dann auch in Deutschland sehen können. Mehr möchte ich dazu noch nicht sagen.

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