Ernte fällt sehr unterschiedlich aus

Maisanteil liegt bei 61 Prozent

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Bergeweise Mais. Wie viel davon am Ende in den Biogasanlagen landet, lässt sich nicht genau sagen. Es gibt nur Schätzungen. Danach wären es zwischen 35 und 40 Prozent. Die Landwirte haben bei der Verwendung freie Wahl.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Kaum ein Landwirt dürfte jemals zuvor bei einer Maisernte so geschwitzt haben wie in diesem Jahr. Der September zeigte sich nämlich fast ausnahmslos von seiner sonnigen und sehr warmen Seite. Temperaturen von mehr als 30 Grad setzten Rekordwerte für den ersten Herbstmonat.

Bereits um den 10. September herum waren die ersten Maishäcksler bei für diesen Monat ungewöhnlichen Höchsttemperaturen auf den Feldern auszumachen. Das sind knapp drei Wochen vor den herkömmlichen Ernteterminen. In der Regel fängt frühestens Ende September die Maisernte an, meist erst Anfang Oktober. Diesmal ist sie in einigen Regionen und für viele Betriebe zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen.

„Die Ernte begann überall dort, wo die Maispflanzen sich wegen Trockenheit nicht mehr weiterentwickeln konnten. In einzelnen Regionen muss die Ernte binnen zwei Wochen eingefahren werden“, sagt Matthias Benke, Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau der niedersächsischen Landwirtschaftskammer. Für Landwirte und Lohnunternehmer bedeutet das höchsten Einsatz und lange Arbeitstage sowie für alle Verkehrsteilnehmer viel Betrieb auf den Straßen. Auf der anderen Seite zeigen sich die Landwirte froh über die Trockenheit zum Erntezeitpunkt: Weder die Felder noch die Seitenstreifen, auf denen die schweren Gespanne immer wieder bei Gegenverkehr ausweichen müssen, werden schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Die Kühe freuen sich auf eine kräftige Mahlzeit.

Nachdem sich der Sommer insgesamt zwar wechselhaft gezeigt hatte, blieb in vielen Regionen der notwendige Niederschlag aus. Nach einem staubigen August veranlasste die anhaltende Trockenheit die Landwirte, in diesem Jahr früher als sonst mit der Maisernte und dem Silofahren zu beginnen. Für manchen Schlag, der ursprünglich für Futter vorgesehen war, kam der Häcksler auch schon zu spät. Eine nicht ausreichende Feuchtigkeit erschwert das Verdichten des Ernteguts und damit das Silieren. Verdichtet werden muss der Rohstoff, damit möglichst wenig Sauerstoff in der gehäckselten Ware verbleibt, der den nicht erwünschten Verderbniserregern und Schimmelpilzen Nahrung geben würde. 

Futter lange haltbar

Daher versuchen Landwirte auch nach dem Festfahren, die Silohaufen möglichst luftdicht zu verschließen. Die von Natur aus im Erntegut vorhandenen Milchsäurebakterien vergären dann unter Luftabschluss den Zuckeranteil der Pflanzenmasse und bilden Milchsäure. Sie verursacht den säuerlichen Geruch und Geschmack und verhindert das Wachstum von Fäulnisbakterien. Ab einem bestimmten Punkt kommt die Gärung zum Stillstand, und das silierte Futter ist lange haltbar.

„Der Mais hat auf den leichten Standorten unter Trockenstress gelitten. Zu erkennen an der braunen Färbung. Dementsprechend sind auch die Erträge der Gesamtpflanze geringer, so wie auch beim Kolben mit ebenfalls geringeren Inhaltsstoffen“, heißt es von der Landwirtschaftskammer. Grob gesagt: Die Energie fehlt. Da eine Biogasanlage fast nicht anders als ein Kuhmagen funktioniert, müssen Betreiber beziehungsweise Halter von der gewonnenen Maissilage mehr füttern. Das wiederum heißt: Mehr Kosten für die, die nicht noch Reserven aus dem Spitzenerntejahr 2015 hat.

„2014 hatten wir ein normales Jahr, vergangenes Jahr hatten wir eine überdurchschnittliche Ernte, und in diesem Jahr liegen wir unter einem Durchschnittsjahr. Gegenüber dem Spitzenvorjahr liegen wir bei bis zu 15 Prozent weniger Ertrag“, sagt Ralf Blanck, Ortsvertrauenslandwirt des Landvolkes in Ahausen. „Insgesamt präsentieren sich die Maisbestände so in diesem Jahr von sehr gut bis deutlich unterdurchschnittlich“, unterstreicht Wolfgang Ehrecke, Pressereferent der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Aussage. Zumindest in Ahausen. Wie in Hellwege, fehlte hier der notwendige Niederschlag für das Süßgras Mais. „In Reeßum und Bötersen beispielsweise sieht es wieder ganz anders aus“, sagt Blanck, der auf seinem Familienbetrieb Bullenmast und außerhalb des Ortes eine Biogasanlage betreibt. Für die derzeit eh schon gebeutelten Milchviehhalter, die nicht genug Maissilage bevorraten konnten, heißt es in absehbarer Zeit: Futter zukaufen. „Der Markt ist da“, sagt Blanck. Zudem könnten die Milchbetriebe einen Teil mit Kraftfutter auffangen. Doch laktierende Kühe wie Biogas benötigten eine ausgewogenen Mischung an Strukturfutter, zu dem Silage zählt, und Inhaltsstoffe, um entsprechend „Leistung“ und damit Erträge zu erbringen. Wobei „Struktur“ für Rindermägen entscheidender ist.

Wieviel Mais im Landkreis Rotenburg in Kuhmägen und wieviel davon in Biogasanlagen wandert, lässt sich laut Landwirtschaftskammer schwer sagen. Christian Marquardt, Wirtschaftsberater bei der Landwirtschaftskammer: „Der Maisanteil an der Ackerfläche im Landkreis liegt derzeit bei konstant 61 Prozent bei einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 127 500 Hektar. Rund 49 .000 Hektar davon liegen im Altkreis. Eine Unterteilung in Körnermais, CCM, Biogas- und Silofuttermais kann nicht vorgenommen werden, da die Landwirte freie Entscheidungsmöglichkeit zur Verwertung haben und sich nicht bereits bei Abgabe ihres Flächenantrages festlegen müssen. Dennoch schätzen wir, wird der Biogasmaisanteil etwa 35 bis 40 Prozent der Maisanbaufläche ausmachen.“ 151 genehmigte Biogasanlagen gibt es im Landkreis.

Von den Vierbeinern wollen im Landkreis Rotenburg insgesamt 175 600 Rinder gefüttert werden (58 000 im Altkreis), darunter 66. 500 Milchkühe von denen 19 .000 im Altkreis auf etwa 780 Betrieben stehen.

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