Medikamentenkauf im Internet: Jürgen Schulz warnt vor Betrügern

„Machenschaften immer komplexer“

Wer im Internet Medikamente bestellt, sollte genau auf die Anbieter achten. Foto: Imago

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Der Weiße Ring, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität, hat gegenüber dem Kauf von Medikamenten online erhebliche Vorbehalte. Der scheinbar bequeme Weg, nämlich die Tabletten direkt an die eigene Haustür liefern zu lassen, wird für Kranke immer wieder zum riskanten Reinfall. Wir sprachen mit Jürgen Schulz, Leiter der Außenstelle Rotenburg des Weißen Rings.

Herr Schulz, warum warnt der Weiße Ring davor, Medikamente online zu kaufen, wenn der Weg in die Apotheke, besonders für ältere Menschen, schwierig sein kann?

Wie bei allen Online-Geschäften ist auch beim Medikamentenkauf Vorsicht geboten! Der vermeintlich leichte, mit ein paar Klicks erledigte Einkauf, wird bewusst von Betrügern genutzt, um ältere Menschen zu täuschen. Wenn unseriöse Internet-Apotheken mit günstigen Preisen werben, ist die Verlockung groß, die benötigten Pillen oder die Salbe dort zu bestellen. Dabei bieten ortsansässige Apotheken den Service an, die Ware, teilweise sogar kostenfrei, nach Hause zu liefern. Selbst bei einem geringen Aufpreis ist diese Lieferung im Zweifel immer vorzuziehen. Es besteht auch die Möglichkeit, hilfsbereite Nachbarn, Freunde oder Verwandte zu bitten, die Medikamente zu besorgen. Dem netten Nachbarn dafür ein „Dankeschön” oder eine kleine Aufmerksamkeit zu geben, ist am Ende immer noch günstiger als auf windige Tricksereien hereinzufallen.

Kennt der Weiße Ring im Landkreis Fälle, bei denen der scheinbar günstige Kauf von Medikamenten per Internet mit einem bösen Erwachen gutgläubiger Kunden endete?

Uns sind einige dieser Fälle bekannt. Trotz Anzeigenerstattung und Ermittlungen der Polizei ist es jedoch in der Regel nicht möglich, den Betrüger zu ermitteln. Viele Opfer melden sich aber auch aus Scham nicht beim Weißen Ring oder bei der Polizei. Müssten sie doch damit zugeben, auf eine bekannte Betrugsmasche reingefallen zu sein. Durch das Präventionsteam der Polizei wird mit dem Weißen Ring im Rahmen von Veranstaltungen zum Beispiel bei Seniorentreffs betrieben.

Echt oder eine tückische und gefährliche Fälschung: Wie lässt sich erkennen, ob mit der Packung etwas nicht stimmt?

Wenn beim Online-Angebot nicht die tatsächlichen Inhaltsstoffe oder nur vage Angaben über die erwünschten beziehungsweise unerwünschten Wirkungen eines Medikamentes gemacht werden, sollte lieber vom Kauf abgesehen werden. Auch um die finanziellen Risiken und die möglichen gesundheitlichen Gefahren abzuwenden.

Wie erkennt man seriöse Online-Apotheken?

Seriöse Anbieter verwenden in ihrem Internetauftritt das vorgeschriebene Impressum, das unter anderem Angaben über den Anbieter, die Anschrift und die Handelsregisternummer enthalten sollte. Ferner muss die zuständige Apothekerkammer und die Aufsichtsbehörde benannt werden. Internet-Apotheken brauchen für ihr Geschäft in Deutschland eine offizielle Erlaubnis. Nur damit wird man in das VAR, das Versandapotheken-Register, eingetragen. Dieses finden Sie im Internet unter www.dmdie.de. Die Zulassung kann man auch am EU-Sicherheitslogo auf der Internetpräsenz der Apotheke erkennen. Mit einem Klick darauf ist man schnell bei Registereintrag.

Sind Rezepte bei verschreibungspflichtigen Medikamenten eigentlich eine Bedingung?

Rezept ist Pflicht! Auch im Netz! Deshalb Finger weg, wenn Ihnen ein Online-Händler ein verschreibungspflichtiges Medikament ohne Rezept anbietet. Das ist meist ein sicheres Zeichen für einen illegalen Anbieter!

Wie ist es mit der Vorkasse bei frei verkäuflichen Arzneimitteln?

Seien Sie misstrauisch, wenn Vorkasse der einzige Zahlungsweg ist. Seriöse Versandapotheken bieten in der Regel die Abwicklung des Kaufs zum Beispiel über Pay-Pal oder Überweisung nach Erhalt der Ware an.

Hat ein Bürger Fragen oder wurde er ganz offensichtlich von Geschäftemachern getäuscht, an wen kann er sich dann wenden?

Es ist immer richtig, sich an die Polizei bei dem Verdacht eines illegalen Internethandels zu wenden und gegebenenfalls Anzeige zu erstatten. Aber auch örtliche Verbraucherzentralen oder Opferhilfe-Organisationen, wie zum Beispiel der Weiße Ring, zeigen kostenlos und kompetent Hilfsmöglichkeiten auf. Die kriminellen Machenschaften von Tätern werden immer komplexer und undurchsichtiger. Damit Opfer von Kriminalität mit ihren Sorgen und Nöten nicht alleine bleiben, benötigt der Weiße Ring dringend Unterstützung bei seiner ehrenamtlichen Arbeit. Interessenten, die bereit sind, Opfern bei der Bewältigung der Tatfolgen zu unterstützen, können sich unter der Telefonnummer 04261 / 83894 oder auf der Homepage der Außenstelle des Weißen Rings für den Landkreises Rotenburg unter www.rotenburg-wuemme-niedersachsen.weisser-ring.de dafür melden. Insbesondere suchen wir Interessenten aus dem Raum Zeven  /Bremervörde.

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