Luttmann kritisiert Informationspolitik des Landes

Landrat erwartet in diesem Jahr weitere 1000 Flüchtlinge

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Windpocken gelten im Landkreis eigentlich als ausgelöscht. Nun hat sie ein Flüchtling mitgebracht. Ansteckungen gab es aber keine.

Rotenburg - Der Umgang mit der hohen Zahl an Flüchtlingen ist natürlich auch im Kreishaus ein großes Thema. 1200 Flüchtlinge und Asylbewerber leben derzeit im Landkreis, sagte am Montag Landrat Hermann Luttmann (CDU).

700 seien bislang in diesem Jahr nach Rotenburg gekommen, weitere 1000 erwartet der Verwaltungs-chef noch bis Ende des Jahres. Doch diese Zahl sei wie alle Prognosen im Moment sehr wacklig. Luttmann: „Heute aufgestellte Zahlen können wir schon morgen wieder in den Papierkorb werfen.“ Insgesamt stochere man im Nebel, wie es weiter geht. Klar sei bislang nur: „Es ist eine ganz große Aufgaben für alle Beteiligten.“

Der Landkreis Rotenburg sei in der Flüchtlingsfrage aber momentan noch besser aufgestellt als viele andere Regionen. „Wir sind nicht dermaßen betroffen“, sagte Luttmann. Das liege nicht nur an der vergleichsweise geringeren Zahl der Neuankömmlinge, sondern vor allem auch an der Arbeit der Kommunen und der Ehrenamtlichen vor Ort. „Sie machen einen sehr guten Job.“

Diesen mag Luttmann der rot-grünen Landesregierung aber nicht zugestehen. Insbesondere ein Vorfall habe ihn „verärgert“: Am 10. August sei dem Landkreis ein Kontingent von 63 Flüchtlingen zugeordnet worden. Erst drei Tage später, am 13. August, sei dann das Rotenburger Gesundheitsamt darüber informiert worden, dass unter den bereits auf die Kommunen verteilten Menschen ein Mann mit Windpocken gewesen sei – obwohl die Information in Hannover bereits zwei Wochen lang bekannt war. In einer „Hau-Ruck-Aktion“ habe das Gesundheitsamt schließlich einen Impfstoff besorgt, der Mann wurde isoliert. Ansteckungen habe es nicht gegeben. Insbesondere schwangere Frauen sind durch Windpocken gefährdet, laut Gesundheitsamtsleiter Frank Stümpel sei die Krankheit im Regelfall im Landkreis durch eine 95-prozentige Impfquote nicht mehr vorhanden.

Kranke Asylbewerber dürften nicht auf die Kommunen verteilt werden, fordert Landrat Luttmann. Innenminister Boris Pistorius (SPD) habe zuletzt öffentlich zugesagt, dass so etwas nicht geschehe. „Wenn er das so im Parlament gesagt hat, hat er nicht die Wahrheit gesagt“, kritisiert Luttmann. Und „gefühlt“ sei der Rotenburger Fall auch nicht der einzige im Land.

Der Landkreis will dem höheren Aufwand für die Flüchtlinge in den kommenden Monaten mit mehr Personal, einer Online-Ehrenamt-Börse, Infoveranstaltungen und neuen Asylbegleiterkursen begegnen.

mk

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