Stadtverwaltung prüft Einsatz / Förderung mit Einschränkungen

Luftfilter an den Rotenburger Schulen nur als Ergänzung

Lüfter in einer Ecke des Klassenzimmers
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Leise summend steht der Lüfter in einer Ecke des Klassenzimmers. Als alleinige Maßnahme für den Luftaustausch gilt er als nicht ausreichend.

Luftfilter ja oder nein? Notwendig oder nicht? An der Frage scheiden sich die Geister. Sicher ist für die Schulleiter der Wümmestadt aber: Als unterstützende Maßnahme sind sie nicht verkehrt. Jetzt prüft die Stadtverwaltung mit ihrer Hilfe, wo ein solches Gerät sinnvoll wäre.

Rotenburg – Präsenzunterricht ist wichtig für Schüler und Lehrer, besonders nach den langen Lockdown-Monaten. Dafür braucht es Sicherheit, auch die Eltern sollen ihre Kinder mit einem guten Gefühl in die Schulen geben. Seit Langem wird daher diskutiert, ob Luftreiniger angesichts des Herbsts und Winters eine sinnvolle Maßnahme sind. Die Ansichten darüber sind geteilt – auch in der Wümmestadt. Seit Anfang September ist die neue Förderrichtlinie für deren Anschaffung in Kraft. Um zu prüfen, wo das sinnvoll wäre, hat sich die Verwaltung mit den Schulleitern der städtischen Schulen, einschließlich der Volkshochschule (VHS), zusammengesetzt.

Mit der neuen Förderrichtlinie stellt der Bund 200 Millionen Euro zur Verfügung. Umgerechnet bleiben für die Stadt Rotenburg etwa 30 000 Euro. Das reicht bei Weitem nicht für jedes Klassenzimmer – 90 gibt es, ein Luftfilter kostet etwa 3 000 Euro. Hinzu kommen Folgekosten wie Wartung und Filtertausch, was nur eine Fachfirma übernehmen kann.

Für Neubauten sind fest verbaute Luftfilteranlagen bereits Pflicht. Sie finden sich in den neuen Mensen oder im künftigen Erweiterungsbau der Schule am Grafel. Einige Schulen haben bereits mobile Geräte. Diese wurden für besonders problematische Räume besorgt. So hat die Integrierte Gesamtschule (IGS) 20 Geräte, die Stadt- und Grafelschule jeweils zwei, die Kantor-Helmke-Schule drei Luftfilter.

Ergänzend sind seit dem Frühjahr CO2-Messgeräte im Einsatz. Mit deren Hilfe wurde schon festgestellt, dass in geschlossenen Räumen, die nur einen Luftfilter verwenden, die Werte hochgehen, so Bürgermeister Andreas Weber (SPD). „Daran sieht man, dass der Filter nicht das Lüften ersetzt, das bleibt weiterhin wichtig.“ Die Gefahr, mit einem Filter im Raum das Lüften zu vernachlässigen, gerade im Winter, sei gegeben. „Wir nehmen das Thema sehr ernst. Aber wir müssen auch gucken, ob wir dadurch nicht nur eine Scheinsicherheit schaffen.“

Lüften bleibt wichtigste Maßnahme

Lüften im sogenannten 20-5-20-Wechsel ist und bleibt die beste Möglichkeit des Luftaustauschs. Das betont auch IGS-Schulleiter Sven Thiemer. Luftfilter können unterstützend sinnvoll sein – dort, wo etwa Fenster nicht vollständig geöffnet werden können oder es keine gibt. Wie groß ihr Nutzen wirklich ist, könne er nicht abschätzen. „Wir nutzen sie in kleinen Räumen mit vielen Schülern“, sagt Thiemer, der am Donnerstag an einer Schulleiter-Tagung teilgenommen hat, in der auch der Referent Luftfilter als einen Baustein für Schule unter Pandemiebedingungen sieht – als einen von mehreren, neben regelmäßigem Lüften und konsequenter Umsetzung der AHA-Regeln beispielsweise. „Es ist eine additive Maßnahme und ersetzt nicht das Lüften. Aber alles, was unterstützt, hilft – denn Präsenzunterricht ist so wichtig.“

Wo der Einsatz unterstützend sein kann und wie viele Geräte welcher Größe benötigt würden, wird jetzt geprüft, so Weber. Dabei stellt sich auch die Frage, wie es mit den Kindertagesstätten ist – und ob der Einsatz dort nicht sogar notwendiger ist. In den Schulen wird regelmäßig gelüftet, in den Kitas in den Schlafräumen beispielsweise nicht, während die Kinder schlafen.

Den Wunsch, die Verwaltung möge Kontakt mit Schulen und Kindergärten aufnehmen und den Bedarf prüfen, hatte erst die CDU geäußert, später die Grünen/Gruppe Grafe in einem Antrag formuliert. Der Rat verwies diesen Anfang September zur Beratung in den Verwaltungsausschuss. Der hat sich nun darauf verständigt, die Beschaffung der Geräte als Geschäft der laufenden Verwaltung zu sehen. So kann selbige diese besorgen, ohne dass politische Beschlüsse nötig sind. Die Grünen haben ihren Antrag zurückgezogen.

Förderung mit Einschränkungen

Die Förderung ist mit Einschränkungen verbunden: Sie gilt nur für Räume, in denen keine vernünftige Lüftung durch Fenster möglich ist, die nur Oberlichter haben oder innenliegend sind, wie der Werkraum im Keller der Stadtschule. Manchmal sind die Räume schlicht zu klein, um die Fenster aufzureißen, Schüler könnten keinen Abstand halten oder es besteht an den scharfen Kanten der Fensterrahmen Verletzungsgefahr. In solchen Fällen kann ein Lüfter sinnvoll sein. Außerdem gilt die Förderung nur für die Klassen eins bis sechs – ab der siebten Klasse sind die Schüler alt genug, um sich impfen zu lassen.

Zusätzlicher Schutz für die Jüngsten: Das begrüßt auch Marc Puschmann, Schulleiter der Grafelschule. „Alles, was wir tun können, sollten wir in Angriff nehmen.“ Doch auch er betont, wie wichtig das Lüften bleibt und dass ein solches Gerät in manchen Bereichen auch das Tragen einer Maske nicht ersetzen kann – darin sei sich die Schulleiterrunde einig gewesen.

Auch der Landkreis hat laut Aussage von Sprecherin Christine Huchzermeier bereits mit den Schulen gesprochen, wo Bedarf besteht und ein Konzept erstellt. Da durch die Vorgaben der Richtlinie nur sehr wenige Räume gefördert werden können, seien individuelle Gespräche notwendig. Dabei sollen auch bauliche Lösungen geprüft werden, heißt es vonseiten des Landkreises. Wichtig ist es Weber, dass kein Wettbewerb darüber entsteht, wer sich „scheinbar mehr um Kinder kümmert“.

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