Vorsicht beim Internet-Date

„Love Scamming“: Betrüger sitzen meist im Ausland

Der Präventionsbeauftragte Thomas Teuber an seinem Bürotisch.
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Wenn Liebesbetrüger ihre Chance wittern, setzen sie alles daran, ihr Opfer zu umgarnen, weiß Präventionsbeauftragter Thomas Teuber.

Rotenburg – Gut 20 000 Euro hat eine Selsingerin in den vergangenen Monaten an einen unbekannten Betrüger verloren – sie hatte den Mann über ein Datingportal kennengelernt, „Edney Smith“ gewann per Chats über Instagram, Telegram und Whatsapp ihr Vertrauen. Auch ein Mann aus der Samtgemeinde Fintel ist kürzlich in die Falle getappt: Ebenfalls über eine Dating-Plattform hatte er eine Frau kennengelernt, sie umgarnte ihn, er vertraute ihr – und verlor 17 000 Euro.

Die Frau hatte Gold nach Deutschland ausführen wollen – dazu müsse sie zuvor jedoch eine Gebühr an den Staat Ghana zahlen. Gutgläubig hatte der Mann ihr das Geld gegeben.

In beiden Fällen können die Opfer zwar Strafanzeige stellen, ihr Geld werden sie aber nicht wiedersehen, weiß Präventionsbeauftragter Thomas Teuber von der Polizeiinspektion Rotenburg. Das ist oft mit der Einzahlung auf ein virtuelles Konto weg. „Es gibt keine verfolgbaren Wege, wo es gelandet ist.“ Und selbst wenn, können die Polizisten meist im Ausland nicht tätig werden.

Liebesbetrug oder auch „Love Scamming“ genannt, ist keine Seltenheit. „Ahnungslose Menschen werden dazu gebracht, Geld an Unbekannte zu bezahlen oder andere Leistungen zu erbringen, zum Beispiel gefälschte Schecks einzureichen“, erklärt der Polizist. Manchmal brauchen sie auch Daten, können so Ausweise fälschen oder hoffen auf eine Einladung nach Deutschland, wollen sich ein Visum erschleichen.

Denn größtenteils sitzen die Täter in Westafrika – das macht es so schwer, sie zu fassen. Meist kommen sie unbehelligt davon. Von Afrika aus versuchen vor allem männliche Love Scammer, Frauen zu umgarnen. Früher bekannt geworden unter dem Begriff „Nigeria Connection“. Es sind Erkenntnissen nach die gleichen Tätergruppen, die ihre Finger auch im Spiel mit den falschen Geldversprechen haben, so Teuber. Zum Beispiel, wenn unverhofft E-Mails kommen, in denen dem Empfänger etwas vererbt worden sei. Aber dazu müsse man natürlich erst in Vorleistung gehen – und sieht sein Geld nie wieder.

Weibliche Love Scammer hingegen versuchen ihr Glück vor allem von Osteuropa aus. Zwei vermutlich unterschiedlich organisierte Gruppen, die agieren. Bei den Frauen scheint auch oft der Hintergrund sein, dass sie versuchen, auf diese Weise nach Westeuropa kommen.

Vermutlich trifft Liebesbetrug mehr Frauen als Männer, gesichert könne man das aber nicht sagen, so Teuber. Anzeigen vermutet er in Rotenburg im nicht mehr als zweistelligen Bereich. „Es gibt nur wenig bekannte Fälle bei uns, das wird in der Statistik nicht extra erfasst.“ Er vermutet, dass nur ein Bruchteil der Opfer es auch anzeigt. Oft ist es den Leuten unangenehm. Oder sie kriegen noch rechtzeitig die Kurve und beenden den Kontakt. „Wenn sie es aber erst glauben, fließt in der Regel viel Geld.“

Das Vorgehen der Westafrikaner ist dabei stets ähnlich, nur die Geschichten, mit denen sie ihre Opfer einlullen, verändern sich. Mit einer falschen Identität nehmen sie entweder per E-Mail oder über ein Datingportal Kontakt auf – oft auf Englisch. „Man geht davon aus, dass in gewissen deutschen Datingportalen die englischsprachigen Bewerber zu einem großen Prozentsatz Betrüger sind.“

Diese wählen meist ein Bild aus, auf dem ein Weißer zu sehen ist. Die Täter investieren viel Zeit und Aufwand, um eine emotionale Bindung zu schaffen. Der Kontakt wird langfristig angelegt. „Da ist über Tage, Wochen, Monate intensiver Kontakt, es gibt stundenlange Telefonate. Die Opfer sind dann total eingenommen.“ Einsame Menschen sind dafür vielleicht empfänglicher, grundsätzlich könne es aber jeden treffen, sagt Teuber.

Besonders Menschen in mittlerem Alter, zwischen 40 und 60 Jahren etwa, sind im Visier der Täter – zu jung fällt raus, da fehlt noch das Ersparte. Wenn zum Beispiel ein amerikanischer Arzt, angeblich gerade im Irak stationiert, Kontakt aufnimmt aus heiterem Himmel, seine Lebensgeschichte erzählt, die des Angeschriebenen erfahren möchte und relativ schnell seine Liebe schwört, ohne sich je persönlich getroffen zu haben – spätestens da sollte man hellhörig werden, meint Teuber. „Da sollten alle Alarmglocken schrillen“.

Auch er selbst hat Bekannte, die auf Betrüger reingefallen sind. Schwer sei es immer, den Opfern zu vermitteln, dass sie einem Betrüger aufgesessen sind. Denn die sind fest von ihrem Bild überzeugt, dass sie von der Person erhalten haben. „Sie haben Scheuklappen, lassen sich auch von Freunden nicht reinreden.“ Diese sind dann ohnehin in einer schwierigen Position, wenn ihnen der andere nicht glauben will. Eine Anzeige kann erst gestellt werden, wenn es ein Opfer gibt – alles vorher sind straffreie Vorbereitungstaten. „Deswegen sollte man immer vorsichtig und aufmerksam sein, wenn man Kontakt mit jemandem hat, den man nicht kennt. Und als Freunde oder Familie, wenn es auffällt, versuchen, Einfluss zu nehmen.“ Denn die Täter wissen genau, wie sie ihre Geschichten spinnen müssen, um Vertrauen zu gewinnen. „Die Vorsicht, die es vielleicht noch am Anfang gab, wird dann irgendwann völlig ausgeblendet.“

Es muss kein Betrug sein, aber Vorsicht schadet nicht. In neun Fällen weist man die Täter ab, in einem haben sie Erfolg – und dieser eine reicht aus, um meist viel Geld zu ergaunern. Geld, das in gewisser Weise freiwillig den Besitzer gewechselt hat – wenn auch unter „Vorgaukelung falscher Tatsachen“.

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